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Papa-Kolumne: Wanderhaare

Die größte Angst unseres ­Kolumnisten ist ein ­kahler Kopf. Bis er von einer ganz neuen Theorie hört …

von Marian Schäfer, 28.02.2019
Kolumne

Kürzlich bekam ich den Tipp, Knoblauch in Sliwowitz einzulegen, alles gut ziehen zu lassen und den Schnaps dann jeden Tag gleichmäßig auf meiner Kopfhaut zu verteilen. "Mein Geheimtipp gegen Haarausfall", sagte meine Friseurin. Dann legte sie mit Daumen und ­Zeigefinger die Anfänge dessen frei, was allgemein gern als Hubschrauberlandeplatz ­beschrieben wird. "Licht geworden, wa?"

Ich erinnerte mich in diesem Moment an meinen Bruder. Der war keine 30 Jahre alt, als er sein hinteres Resthaar bereits nach vorne legte und mit Haarspray fixierte, auf dass kein Windstoß ihn entblöße. Irgendwann, nach viel Häme (auch vom kleinen Bruder), rasierte er dann alles ab und ließ sich stattdessen einen stattlichen Bart wachsen. Unsere Fünfjährige verleitete das einmal zu der Frage, wieso ihr Onkel seine Haare eigentlich im Gesicht trage und nicht auf dem Kopf. Haha. Gelächter.

Kinder können so erbarmungslos sein

Kinder, auch die kleinen (vielleicht sogar gerade die), können ja erbarmungslos sein – zumal, wenn die Mama sie auch noch an­stachelt. Zumindest vermute ich das, denn dass nun auch ich von ihnen zu hören bekomme, ich würde langsam etwas "glatzig", haben sie bestimmt nicht aus der Kita.

Jedenfalls fragte ich die Friseurin, ob die Haare nicht stinken würden, wenn ich die Kopfhaut mit Knoblauchschnaps einreibe. "Nö, außer es regnet und sie werden nass", antwortete sie und amüsierte sich prächtig.

Das erinnerte mich wiederum an den Hund meiner Schwägerin, ein halbes Kalb mit so dichtem Fell, das – einmal nass geworden – nur schwer trocken zu bekommen ist. Der Hund müffelt eigentlich immer.

Wohin wandern deine Haare?

"Na ja", sagte die Friseurin schließlich, "man kann auch einfach dazu stehen." Wobei sie bei mir ja sowieso das Gefühl habe, dass das, was vorne weniger wird, hinten mehr werde. Also doch kein ganz kahler Kopf?

"Meine Theorie ist", meinte sie nun ganz ernst, "dass bei vielen Männern die Haare gar nicht ausfallen, sondern wandern." Ihre Zahl bliebe gleich, nur würden sie sich woanders aufhalten, im Nacken etwa, in den Ohren, auf dem Rücken, auf der Brust.

"Das ist aber nur bei Italienern so", sagte nun eine Kollegin, die schon länger ­neugierig zugehört hatte. "Nee, nee, auch bei Deutschen", entgegnete meine Friseurin. Und ihr Mann, der sei ja Türke. "Der hat weder auf dem Kopf noch auf dem Rücken Haare. Die sind bei dem alle auf dem Po."

Dann drehte sie sich wieder zu mir, sah mir durch den Spiegel tief in die Augen und meinte: "Der steht da total drüber."

Nicht auszumalen, dachte ich mir nur, was die Kinder dazu sagen würden.


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