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Papa-Kolumne: Luftnummer

Haben ­Luftballons eine Seele? Das fragt sich ­unser Kolumnist Marian Schäfer manchmal. Und stößt auf interessante Fakten

von Marian Schäfer, 08.08.2019
Illustration: Papa lässt Luftballons aus dem Fenster schweben

Heimlich lässt unser Kolumnist nervige Ballons verschwinden


Kürzlich las ich, dass der Luftballon von Michael Faraday erfunden wurde. Den hatte ich bis dahin nie mit Luftballons, aber immer mit dem berühmten faradayschen Käfig verbunden, also mit der Tatsache vor allem, dass man sich im Auto auch beim größten Gewitter nie vor einem Blitzschlag fürchten muss.

Dieser Michael Faraday jedenfalls war es, der im Jahre 1824 etwas Kautschuk nahm, daraus zwei runde Teller formte, sie aufeinanderlegte, die Kanten zusammenpresste und das Gebilde mit Gas füllte. Nur 23 Jahre später wurden bereits Luftballons hergestellt, wie wir sie heute kennen. Und 161 weitere Jahre vergingen bis zu jenem denkwürdigen Tag, an dem sich der US-Amerikaner Kent Couch in einen Gartenstuhl setzte und darin 380 Kilometer weit flog. Von Idaho ging es für ihn bis nach Oregon, getragen von 150 mit Helium gefüllten Luftballons, die im Durchmesser eineinhalb Meter groß waren. Ein Rekord.

Haben Luftballons ein Seelenleben?

Eigentlich ging ich nur der Frage nach, ob nicht auch Luftballons ein Seelenleben haben. Manchmal denke ich das, wenn sie mich so traurig anschauen. Mit den Kindern, das muss man wissen, zog nämlich die Tradition ein, dass es zu jedem Geburtstag eine Luftballonkette gibt, 20, 30 Stück. Jede einzelne – es muss sich ja lohnen, sagen die Kinder – hängt zwischen acht und zehn Wochen lang, was bedeutet, dass bei uns selten keine Luftballons hängen.

Sie gehören also gewissermaßen zur Familie, und seitdem ein Billigladen um die Ecke auch noch Heliumladungen verramscht, denke ich oft, ich hätte nicht drei, sondern sieben Kinder. Heliumballons haben nämlich die Angewohnheit, mit der Zeit nicht mehr an der Decke zu kleben, sondern tiefer zu sinken und irgendwann, so nach zwei, drei Wochen, die Wohnung auf Kinderkopfhöhe zu durchschweben. Sieht man sie nur im Augenwinkel, scheint es, als husche ein Kind vorbei.

Kind oder Luftballon? Aus dem Augenwinkel besteht Verwechslungsgefahr

Ganz schlimm ist es übrigens nachts, wenn man im Dunkeln zur Toilette läuft und denkt, man würde verfolgt. Oder, wenn man fertig ist, die Tür öffnet und annimmt, da stehe jemand rechts neben einem.

Spätestens dann beginne ich, die Luftballons verschwinden zu lassen. Beim Stoßlüften, das weiß ich mittlerweile, zieht es sie nach draußen. Durch die ganze Wohnung laufen sie dorthin. Ein Versehen, sage ich dann zu den Kindern. Und nehme mir nachts, wenn sie schlafen, die anderen vor. Ein kleiner Schnitt mit der Schere, mehr ist es nicht. Zurück bleibt ein schlechtes Gewissen – und die Frage nach ihrem Seelenleben.


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