Papa-Kolumne: Kleine Schweinchen

Unser Kolumnist sieht bei seinen Töchtern Ähnlichkeiten­ zu Tieren und macht sich so seine Gedanken
von Marian Schäfer, 03.11.2017

Nicht nur die Wildschweinmutter muss die Tobelust ihrer Kinder ertragen

W&B/Bone Buddrus

Kürzlich traf ich im Wald auf eine Wildschweinrotte. Zuerst entdeckte ich die Mama, die mit der Schnauze den Boden abfuhr und schon leicht genervt wirkte. Kaum hatte sie leckere Wurzeln oder Eicheln entdeckt, kamen ihre sechs Jungtiere an und belagerten sie. Für Papa Wildschwein, der etwas abseits stand und fraß, interessierte sich kein einziges. Er grunzte zufrieden.

Wie das Tier, so der Mensch

Mich erinnerte das an meine Familie. Aus irgendeinem Grund belagern auch unsere Töchter in aller Regel meine Frau und nicht mich – auf dem Spielplatz wie am Esstisch. Vor allem der gerade Zweijährigen schmeckt oft am besten, was von Mamas Teller stammt. Damit die nicht wirkt wie die Bache im Wald, lege ich ihr abends, zum Beispiel, immer ein paar Scheiben Käse mehr aufs Brot. Da bin ich schon fürsorglicher als der durchschnittliche Keiler.

Wenn ich genauer darüber nachdenke, ähneln unsere Kinder im Verhalten nicht nur Wildschweinen. Sie haben auch was von Eichhörnchen. Um im Winter auf jeden Fall auf Essen zu stoßen, verstecken die Nager das Jahr über an möglichst vielen Stellen Nüsse und Samen – eine Taktik, die unsere Töchter auch beim Spielzeug verfolgen: kein Winkel in der Wohnung, in dem sie nichts liegen und vergessen haben. Womit sie sich übrigens deutlich von Rabenvögeln unterscheiden: Kiefernhäher zum Beispiel verstecken gut 60 000 Samen an bis zu 6000 Orten – und erinnern sich an jeden einzelnen. So ein Gedächtnis wäre unseren Kindern auch zu wünschen.

Oder doch nicht ...?

Wenn wir aber schon bei wünschenswerten tierischen Eigenschaften sind, hätte ich noch ein paar andere Ideen: Wäre der Mensch zum Beispiel etwas mehr Pferd, könnten die Kinder womöglich schon wenige Minuten nach der Geburt laufen. Und würden sie nicht nur neun Monate, sondern – Elefanten gleich – zwei Jahre im Bauch bleiben, vielleicht auch schon sprechen.

Das hätte nur Vorteile, gerade in der heuti­gen Zeit: Ohne schlechtes Gewissen könnte man die Kleinen schon am ersten Tag in die Kita stecken, und die Mutter stünde dem Arbeitsmarkt gleich wieder zur Verfügung. Und würden wir es machen wie die See­pferdchen, käme sie ihm – außer vielleicht für zwei Müttermonate – nie abhanden. Bei denen werden die Männchen schwanger.

Aber zurück zu meinen Töchtern. Als ich sie neulich zu Hause beim Eisessen beobachtete, ihre Gesichter ähnlich gesprenkelt wie die Wand hinter ihnen, seufzte ich und sagte: "Ach, meine kleinen Schweinchen." Da schaute die Vierjährige auf und erwiderte mit bösem Blick: "Ich bin nicht klein!"


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