Papa-Kolumne: Geschwisterliebe

Unser ­Kolumnist findet, dass das Leben einer ­Drittgeborenen ganz schön hart ist – und spricht darüber mit einem seiner ­Waschlappen

von Marian Schäfer, 13.04.2018
Kolumne

Das Leben mit neuem Geschwisterchen erinnert unseren Kolumnisten an einen Zoo


Kürzlich sprach mich einer unserer Waschlappen an. Er wohnt im Badschrank, ist pink und sieht aus wie ein Schweinchen. Er zog mit den Kindern bei uns ein und ist meist der erste, den ich morgens antreffe. Zudem ist er, neben mir, einer der wenigen männlichen Wesen bei uns.

"Bist du zufrieden?", fragte er mich. "Schon", sagte ich. "Aber?", hakte er nach. "Ach, manchmal denke ich, dass das Leben einer Dritt­geborenen ganz schön hart ist." "Warum?", fragte mich der Lappen. "Na ja, weil halt zwei Geschwister da sind und nur ein Papa, was eindeutig einer zu wenig ist", antwortete ich und hörte mich vermutlich etwas jämmerlich an. "Hauen, beißen, schlagen die sie?", fragte mich der Lappen besorgt. "Neee", sagte ich, "sie sind nur oft etwas laut. Und sie stupsen."

Von der Last, die Jüngste zu sein …

"Stupsen?""Ja, sie nehmen ihren Zeige­finger und stupsen das Baby in die Seite. Dann grunzt es nämlich wie ein kleines Schweinchen. Das finden sie total süß", erklärte ich und machte vor, wie die beiden laut "Thüüüß" rufen, oft direkt am Ohr des Säuglings.
"Ist ja auch 'thüüüüüüß'", äffte mich nun der Lappen nach, grunzte und lachte höhnisch. "Jaja", unterbrach ich ihn, "aber nur die ersten acht, neun Male ist das süß. Dann weint das Kind, und wir müssen es trösten." "Das ist nichts Schlechtes", dozierte er nun. "Irgendwo habe ich gelesen, dass die Kinder dadurch empathisch und feinfühlig werden. Sie profitieren davon, wenn sie euch im Umgang mit dem Baby erleben und sehen, wie ihr es zum Beispiel tröstet."

Aus Nachteil wird Vorteil

"Das ist vielleicht toll für die zwei Großen", sagte ich zum Lappen, "aber was ist mit dem Baby? Bisschen einseitig das Ganze, oder?". "Das vergisst das doch eh", winkte der ab. "Zudem hat es auch etwas davon, nicht an erster­, sondern an dritter Stelle zu kommen."
"Und zwar?", fragte ich. "Na ja, zum Beispiel macht ihr weniger Fehler als beim ersten Kind", antwortete der Lappen. "Wir haben nie Fehler gemacht", behauptete ich.

"Erinnerst du dich noch an die erste Nacht mit eurer ersten Tochter?", fragte der ­Lappen. "Dunkel", sagte ich. "Ich mich gut, vor allem daran, wie ihr sie in immer größere Kleidung gesteckt habt, weil ihr dachtet, sie schliefe dann endlich. Wie das arme Ding darin herumruderte! Wie ein Fisch an Land. Und schlief sie mal, dachtet ihr, sie sei tot."

Ich unterbrach den Lappen, um nicht noch mehr von dem Quatsch zu hören, den wir mal getan oder gedacht haben. Er aber machte weiter: "Und denk' an die ­Pubertät", rief er, "die ersten Partys, den ­ersten Freund …" Da packte ich den Lappen und steckte ihn in den Schrank. "Siehste", hörte ich ihn noch sagen, "aber bis die dritte soweit ist, hast du dich daran gewöhnt. Dafür sorgen die Schwestern."


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