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Papa-Kolumne: Ganz schön kreativ

Wer ältere Geschwister hat, wird eher zum Querdenker, sagt die Wissenschaft. Und unser ­Kolumnist fragt sich, was das eigentlich für die Eltern bedeutet

von Marian Schäfer, 04.01.2019
Kolumne

Unterschiede im Charakter sind schon früh zu erkennen


Kürzlich lief unser jüngstes Kind, das eigentlich noch ein Baby ist, vor mir her und sabberte auffällig. Es schaute erschrocken und eilte dann schnellen ­­Schrittes davon. Als ich es schließlich eingefangen und seinen Mund geöffnet hatte, fand ich Teile des deutschen ­Grundgesetzes darin vor, und zwar Artikel zehn (Brief­geheimnis) und elf (Freizügigkeit). Ob es mir damit etwas sagen wollte?

Die Seiten jedenfalls stammten aus einer Miniaturausgabe, die mir bei früheren Politik­klausuren oft eine gute Hilfe war und deren Papier so dünn ist, dass es mit der Zeit auf der Zunge zergeht. Zumindest nehme ich das an, denn von Artikel eins bis neun war keine Spur mehr zu ­finden, auch nicht in der Windel am nächsten Tag. Wobei es auch komisch gewesen wäre, gerade hier zu lesen: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Mit der Kinderzahl steigt deren Kreativität

Neulich las ich, dass in Deutschland mehr Kinder mit mindestens zwei Geschwistern aufwachsen als Einzelkinder. Und dass dies nicht nur ein Glück für sie, sondern für die ganze Gesellschaft sei. Weil diejenigen, die ältere Geschwister haben, eher unangepasst seien, ­Querdenker und sehr kreativ.

Tatsächlich meine ich das schon bei ­unseren Kindern zu beobachten, und freue mich natürlich für die Gesellschaft, und für die Kleinen sowieso. Nur: Was ist mit den Eltern, mit uns, die mit diesen Quer­denkern, diesen Unangepassten klarkommen müssen, und zwar von klein auf?

Das dritte Kind macht schon als Baby Quatsch

Mit jedem Kind, das ist zumindest meine Erfahrung, wächst zum Beispiel der Drang, sich im Quatschmachen (immerhin eine der kreativsten Beschäftigungen von Kindern überhaupt) zu übertrumpfen. Mit jedem Kind liegt die Latte dabei höher, und doch wird sie immer und vor allem immer früher übersprungen. Im Zweifel erachtet es dann schon das acht Monate alte Baby für notwendig, laufen zu müssen, obwohl es genauso gut noch rücklings unterm Spielbogen liegen könnte. Und immer dorthin zu gehen, wo man selbst gerade nicht ist. Und Dinge zu tun, die es nicht tun sollte.

Weil man aber denkt, es gäbe nach zwei Kindern doch keinerlei Schwachstellen mehr in der Wohnung, lässt man es hin und wieder geschehen. Und dann steht plötzlich dieses Baby vor einem, in Toiletten­­papier gewickelt und eine Springform um die Hüfte, und verkeilt sich bei der Flucht unter den Esstisch zwischen zwei Stuhlbeinen.

Kurzer Protest, dann läuft es wieder weg und macht sich beschwingt daran, das Grundgesetz aufzulutschen. Wo auch immer es das Buch her hat, dieses kreative Kind.


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