Papa-Kolumne: Entbindungshelfer

Die Frau unseres ­Kolumnisten bekommt ihr drittes Kind. Marian Schäfer verrät, was ­seine Aufgabe bei der Geburt ist

von Marian Schäfer, 09.03.2018
Kolumne

Statt Händchenhalten löst unser Kolumnist Kreuzworträtsel – gezwungenermaßen …


Kürzlich dachte ich darüber nach, wie viele Kinder wir noch bekommen müssten, bis meiner Frau meine Joggingschuhe passen. Als wir uns kennenlernten, trug sie Größe 40. Jetzt ist sie bei 43 angelangt. Dazwischen liegen drei Schwangerschaften. Der Bauch ging, die Füße blieben. Noch drei Kinder, rechnete ich aus, und ihr müs­sten meine Schuhe passen. Würden es noch drei mehr, könnte ich meinen Vater fragen, ob er ihr seine borgt.

Zum Warten verdammt

Als ich darüber nachdachte, hingen wir gerade an einem Wehenschreiber. Wir waren schon ordentlich über Termin, wobei genau genommen nicht wir über Termin waren, sondern das Kind. Wir wären da gewesen, wenn es zum verabredeten Zeitpunkt gekommen wäre. Ist es aber nicht. Stattdessen richtete es sich häuslich ein und vergrub sich so tief, dass auch das CTG es nicht mehr so leicht orten konnte. Manchmal vergingen zwei Stunden, bis das Teil brauchbare Daten zu Wehen und Herztönen ausspuckte.

Zwei Stunden! Die Geburt unserer zweiten Tochter, dachte ich, hat 40 Minuten gedauert. Ich kam nicht einmal mehr dazu, mit dem Kreuzworträtsel anzufangen. Bei der Geburt unserer ersten Tochter rettete ich mich damit über die Zeit. Davor hatte sich herausgestellt, dass ich meine Frau nicht anfassen darf. Anstatt sie zu massieren oder auch nur Händchen zu halten, saß ich schräg hinter ihr und löste Rätsel. Zu viel davon sehen, was untenrum passiert, sollte ich nämlich auch nicht.

Wird bald der Papa zur Mama?

Ins Bild des modernen Vaters, der immer auch eine grundsolide Ausbildung im Entbindungshelfertum hat, passt das natürlich nicht. Aber so ist es eben. Am Ende hängt alles von der Frau ab. Wir mögen schwanger sein, aber sie gebärt. Sie stillt auch, er nicht. Sie bekommt größere Füße, er einen Bauch. Wobei den auch Männer kriegen, die nie schwanger sind. Bei mir zum Beispiel sieht es so aus, als hinge beides zusammen. Aber nur, weil wir selten nicht schwanger sind.

Ich finde, das muss mal gesagt werden. Ich habe den Eindruck, dass da zuletzt einiges durcheinandergeraten ist. Bei allem, was über Väter geschrieben wird, kommt es mir manchmal vor, als würden bald wir die Kinder kriegen und säugen und nicht die Frau. Wird aber nie so sein. Weil kein Mann das will.

Vorlesen statt Rätseln

Als sich nun unsere dritte Tochter auf den Weg machte, löste ich übrigens keine Rätsel. Ich las meiner Frau die Kolumne eines meiner Lieblingsautoren vor. Der schrieb über seine Katze, die Elfriede Jelinek heißt. Das ist ein Name mit sieben Vokalen. Konsonanten mögen Katzen nämlich nicht. Vokale schon. Weil wir nicht wissen, wie das bei Babys ist, wählten wir einen Namen mit drei Vokalen und drei Konsonanten. Willkommen, Leonor!


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