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Papa-Kolumne: Bettgeschichten

Als ein befreundetes Paar mitteilt, den Tag im Bett zu verbringen, macht sich unser ­Kolumnist ­so seine Gedanken

von Marian Schäfer, 09.01.2020
Illustration Marian Schäfer mit Familie Gute Nacht Prinzessin

Selbst der letzte Rückzugsort scheint den Kindern unseres Kolumnisten nicht heilig zu sein


Kürzlich vertiefte ich mich in die Geschichte des Bettes. Das Bett, las ich, sei nicht etwa die Erfindung eines Einzelnen, sondern Ergebnis einer Jahrtausende währenden Entwicklung. Sie begann bei den Liegemulden der Bronzezeit und wird vermutlich nicht beim Boxspringbett enden. Entsprechend gibt es viele unterschied­liche Bettformen und -unterformen.

Mir bislang unbekannt war die Karpfenliege, ein Feldbett für Angler, das gebaut ist wie eine Klappliege, allerdings über sogenannte Schlammteller an den Füßen verfügt. Sie verhindern, dass Angler beim Angeln – vermutlich schlafend – versinken. Kaum auszudenken, die Karpfenliege gäbe es nicht. Angefangen hatte die Recherche übrigens mit der Nachricht eines befreundeten, kinderlosen Paares. Es teilte mit, den ganzen Tag im Bett verbringen zu wollen.

Im Bett versuchen Paare vielleicht Eltern zu werden

Es ist ja so: Wenn Paare noch keine Eltern sind, bekommen sie in der Regel ausreichend Schlaf, den sie meistens auch noch im gemeinsamen Bett zu sich nehmen. Viele schauen dort auch Serien oder frühstücken. Manchmal essen sie sogar zu Mittag im Bett, und wenn es mal wieder spät geworden ist, auch zu Abend. Dazwischen versuchen sie vielleicht, Eltern zu werden. Ich behaupte, dass die meisten Kinder im gemeinsamen Bett gezeugt werden. Zumindest die Ersten. Die Zweiten nicht mehr. Denn kaum ist das Kind da, setzt eine interessante Entwicklung rund ums Bett ein. Sie dauert keine Jahrtausende, aber einige Jahre schon.

Papa zieht aus

Oft startet sie mit dem Versuch, das Kind im eigenen Bettchen schlafen zu lassen. Im Ergebnis zieht es dann ins sogenannte Ehebett und Papa aus. Wenn er Pech hat, bleibt ihm nur das  Prinzessinnenbett. Wenn er Glück hat, gibt es noch ein Gästebett, und wenn er ganz viel Glück hat, besucht ihn die Mama dort nicht nur, um ihm morgens um fünf das Kind zu reichen. Seit er gesagt ­hat, er finde es ganz gut, getrennt zu schlafen, weil er ja arbeite, passiert das häufiger.

Eher Spielgerät als Bett

Das Bett im Kinderzimmer, vor allem wenn es ein Stockbett ist, dient lange eher als Spielgerät, weshalb es in der Regel mit Rutsche ausgeliefert wird. Diese ermöglicht dem oben schlafenden Kind später einen schnellen Ausstieg, was vor allem abends wichtig ist, weil Kinder dann bekanntlich durchs Haus geistern müssen. Der Irrglaube, sie würden dadurch morgens länger im Bett bleiben, entlarvt die Anfänger unter den ­Eltern. Schlimmstenfalls sind sie so optimistisch, dass sie selbst länger aufbleiben.

Dann versuchen sie ebenfalls, den ganzen Tag im Bett zu verbringen. Sie bauen mit den Kindern eine Höhle, formen eine Liegemulde und spielen mit ihnen Schlafen …


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