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Kolumne: Das erste Schuljahr – eine Bilanz

Für Marlene geht das erste Jahr Lesen lernen, Stillsitzen und Pausenhof vorbei. Ihre Mutter Autorin Sandra Schmid zieht augenzwinkernd Bilanz

von Sandra Schmid, aktualisiert am 26.07.2013
Drei ABC-Schützen auf dem Schulweg

Schulbeginn: Für Eltern ein Quantensprung in Richtung Loslassen


Ja, man kann durchaus sagen, dass der September 2012 einen Umbruch in unserem gemütlichen, geruhsamen Mama-Kind-Leben bedeutete. Seither laufen bei uns die Uhren anders, denn wir nahmen die bisher größte Herausforderung an: Seit einem Jahr drückt Marlene die Schulbank und ich ganz fest die Daumen, dass wir die Schulzeit möglichst gut über die Bühne bringen.

Erstes Schuljahr: Ungewohnte Morgendynamik

Dass die Uhren anders ticken, meine ich nicht nur im sprichwörtlichen Sinn. Denn die Zeiten des gemütlichen Aufstehens und Frühstückens waren mit der Einschulung schlagartig vorbei. Um 6:30 Uhr klingelt der Wecker und dann muss es wirklich zack, zack gehen. Aber nicht nur für mein Kind, auch für mich. Da Marlene mittags in der Schule isst und wir uns gegen geschmacksverstärktes Kantinenessen entschieden haben, bedeutet das für mich: Morgens im Nachthemd kochen, Salate machen oder Gemüse schneiden. Mein Organismus hat sich damit inzwischen abgefunden, mein Geist hinkt noch etwas hinterher.  

Auch Marlene musste sich erst mal an die veränderte Situation gewöhnen. Wir ahnten zwar, dass mit der Schule der Ernst des Lebens beginnen sollte. Aber dass es nach kürzester Zeit schon so ernst werden würde, war uns nicht klar. Das mit dem Stillsitzen, Tafeldienst und G8-bedingtem Turbo-Lernen ist alles wahr! Und auch, dass schon jede Erstklässler-Verfehlung von der Lehrerin geahndet wird. Kuschelpädagogik war gestern, zumindest an Marlenes Schule.

Gnadenlose Ampel-Pädagogik für Erstklässler

Im Klassenzimmer hängen an der Wand 25 Ampeln aus Pappe. Für jedes Kind eine. Bei "braven" Kindern steht die Ampel auf Grün. Bei Schwätzen, Stören oder zu spät aus der Pause kommen, schaltet die Ampel auf Gelb. Nochmal so ein Ding und sie zeigt Rot an. Keine Gnade. Wer einem anderen Kind etwas wegnimmt oder es ärgert, muss am nächsten Tag einen Entschuldigungsbrief und ein selbstgemaltes Bild mitbringen. Dazu gibt es eine Mitteilung an die Eltern – die Vorstufe zum Verweis. Oder der Delinquent muss bei der Direktorin antanzen.

Marlenes Ampel war glücklicherweise erst einmal auf Gelb und ich kam auch nur einmal in den Genuss, eine Mitteilung zu unterschreiben – mein Kind hatte den Handschuh einer Mitschülerin in ihre Wasserflasche gestopft, um zu sehen, wie dieser sich vollsaugt. Ihr größter Albtraum ist es, nach einer "Straftat" ins direktorale Büro zu müssen. Ich hab die Direktorin ein paar Mal gesehen. Ich hätte auch Angst.

Zwischenzeugnis: Nicht sehr aussagekräftig

Natürlich ist es gut und vor allem auch notwendig, dass man in der Schule ein Konzept hat, nach dem man Regeln und deren Einhaltung strukturiert. Haben wir ja zu Hause auch. Aber für mich als Mama ist es gewöhnungsbedürftig, wenn andere, mir unbekannte Menschen einen Teil der Erziehung übernehmen. Umso wichtiger erschien mir der erste Elternabend. Eine dauerlächelnde Grundschullehrerin versicherte mir auf alle meine Fragen, dass "alles total im grünen Bereich" sei. Aha, Ampelsymbolik also auch am Elternabend. Unter den Proben steht immer "Prima, Marlene!" oder mal "Achte auf deine Schrift!". Mehr weiß ich eigentlich bis heute nicht.

Aber vielleicht ist ja einfach nur alles gut. Denn Marlene hatte sich ziemlich schnell an die Strukturen ihrer Schule gewöhnt. Im Zwischenzeugnis fand ich dann so Sätze wie "Marlene kommt mit dem schulischen Ordnungsrahmen schon gut zurecht" oder "Sie erfüllt Dienste für die Gemeinschaft zuverlässig". So richtig vorstellen mag ich mir darunter zwar nichts, aber vielleicht muss ich das auch gar nicht.

Selbständige Schulkinder – traumatisierte Mütter

Schließlich muss ich erst mal mit den anderen Veränderungen klar kommen. Zum Beispiel damit, dass mein Kind seit einem halben Jahr alleine in die Schule geht. Um 7:30 Uhr sagt sie "Servus" und ist weg. Als hätte sie nie etwas anderes gemacht, als ohne Mama in die weite Welt zu ziehen. Oder, dass sie sich ab und zu Taschengeld mitnimmt und nach der Schule mit ihren Freundinnen im Zeitschriftenladen schrecklich überteuerte Pferdezeitschriften kauft. Die erste Klasse war nicht ein Schritt in die Selbständigkeit, sondern gerade zu ein Quantensprung!

Liebe Eltern, ich muss sagen: Das erste Schuljahr kann einen ganz schön in den Wahnsinn treiben. Aber wenn alles nichts hilft, würde ich einfach mal die Schulpsychologin anrufen und fragen, ob sie auch traumatisierte Mütter behandelt...


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