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Erziehung: Was Väter anders machen

Väter sind oft wahre Mutmacher für ihre Kinder. Sie profitieren ein Leben lang, wenn sie viel mit ihrem Papa oder einer anderen Bezugsperson spielen

von Nadja Katzenberger, 25.05.2016

Der zweijährige Ben will rauf auf die große Rutsche, schon hängt er an den Sprossen und zieht sich nach oben. Die Mütter am Sandkastenrand halten die Luft an. "Schau mal, ­Papa", ruft Ben, und Papa schaut. Ben müht sich noch ein bisschen ab, dann hilft ihm sein Vater langsam nach oben. Beiden steht der Stolz ins Gesicht geschrieben. Und während Ben auf der Rutsche nach unten saust, überlegt die eine oder andere Zuschauerin, ob die Rutsche für einen Zweijährigen nicht zu hoch ist. Dabei hat der Vater vieles richtig gemacht. Denn genau das raten Experten, wenn Kinder spielerisch Herausforderungen suchen: beobachten und abwarten, nicht sofort einschreiten, wenn sich das Kind mit einer Sache schwertut. Unter­stützen und helfen: ja. Alleine das Problem lösen: nein.

Väter sagen: Mach doch mal

Das ist oft der Vorteil der Väter: Die meisten denken nicht lange nach, sie handeln einfach – und animieren das Kind so, sich selbst etwas zuzutrauen. "Väter reagieren anders auf die ­Signale des Kindes und sagen eher: Mach doch mal", erklärt Prof. Fa­bienne Becker-Stoll, Direk­torin des Staatsins­tituts für Frühpädagogik in München. Das heißt nicht, dass Väter nur für die robusteren, wilderen Spiele oder die Mutproben zuständig sind. Sie können genauso sanft, geduldig oder zart besaitet sein wie Mütter beherzt, übermütig und moti­vierend. Aber auch sehr kleine Kinder spüren schon: Papa spielt anders. Väter haben andere Ideen und oft weniger genaue Vorstellungen von dem, was das Kind schon kann oder wie man mit ihm spielen sollte. Gut, wenn sie anders mit dem Nachwuchs umgehen als ihre Partnerin. "Für Kinder bedeutet diese Unterschiedlichkeit einen großen Gewinn. Ihr Entwicklungsantrieb ­wäre nicht so groß, wenn Väter sich exakt so verhalten würden wie Mütter", erklärt Becker-­Stoll. Ob das in einer traditionellen Familie geschieht, mit zwei Müttern oder zwei Vätern ist ganz egal.

Bezugsperson muss nicht der Vater sein

Je mehr Impulse, desto besser: Das gilt auch für Kinder, die ohne Vater aufwachsen, dafür aber ­einen Ersatz­vater oder ­eine andere Bezugsperson haben. Das muss nicht zwingend ein Mann sein. "Viel wichtiger ist, dass es ein permanenter Begleiter ist, kein Au-pair, das nach einem Jahr wieder geht, niemand, der sich nur sporadisch meldet", so Becker-­Stoll. Genauso entscheidend: sich in das Kind hineinversetzen können, es ermutigen und unterstützen. Dazu gehört auch, sich auf das ­Tempo des Kleinen einzulassen, geduldig zu sein und ihm das Spiel nicht aus der Hand zu nehmen. "Ein feinfühliger Vater spielt seine Überlegenheit nicht aus – er lässt den Erfolg beim Kind", sagt ­Becker-Stoll. Der ­Kleine meint, er kann den großen ­Papa umwerfen? Dann schafft er das ­natürlich! Übrigens: Dass Väter mit Töchtern anders spielen als mit Söhnen, können Wissenschaftler nicht bestätigen – auf die Bindung zum Kind hat das Geschlecht keinen Einfluss. 

Spielen fällt manchen Vätern anfangs schwer

Nicht allen jungen Vätern fällt das Spielen mit den Kindern leicht. Die Erwartungen an sie sind hoch, die Vorbilder fehlen. Noch vor 20, 30 Jahren war es ungewöhnlich, wenn Männer sich viel mit ihrem Nachwuchs beschäftigten. Vätern, die sich gut erinnern, wie sie selbst als Kind ge­spielt haben, fällt es leichter, daran wieder anzuknüpfen. Andere setzt es unter Stress. "­Ihnen fehlt vielleicht der Bezug zum Spiel, oder sie wissen nicht, wie man ­altersgerecht spielt, und erwarten zu viel vom Kind", sagt die Münchner Spieltherapeutin ­Anne Stöckert. Kindern sind ­diese Gedanken fremd, sie möchten einfach, dass jemand mitmacht. Sie rät: "Die ­eigenen Bedürfnisse zurückstellen, flexibel sein und sich darauf einlassen." Noch besser: Mindestens einmal pro Woche Spielzeit reservieren, alles an­dere wartet, und das Kind darf bestimmen. Dann heißt es: keine Vorgaben machen, sondern sich auf die Fantasie des Kindes einlassen. Und tief durch­atmen, wenn es alle Regeln über den Haufen wirft. "Wenn man Kindern ­diese Zeit schenkt, entwickeln sie ein ganz anderes Ver­trauen und erzählen auch eher, was sie beschäftigt oder belastet", so Stöckert.

Ermutigung stärkt Kinder langfristig

Kinder profitieren zeitlebens davon, das haben Langzeit-Stu­dien gezeigt. "Wenn Väter ihre ­Kinder ermutigen und ihnen ­etwas zu­trauen, führt das dazu, dass ­diese auch als Erwachsene mutig sind, mit neuen Situationen besser zurechtkommen und positi­vere erste Partnerschaftserfahrungen ­­machen", sagt Becker-Stoll. Die Basis dafür wird früh gelegt, zum Beispiel an der großen Rutsche, die Ben mit Papas Hilfe erklommen hat.


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