Kinder: Was tun bei einem Stromunfall?

Wenn Kinder mit Elektrizität in Kontakt kommen, kann das schlimme Folgen haben. So leisten Sie Erste Hilfe bei einem Stromschlag, so beugen Sie vor

von Peggy Elfmann, aktualisiert am 24.11.2016
Mädchen spielt mit Steckdose

Stecker und Kabel gehören nicht in Kinderhände


Sie befinden sich auf Augenhöhe von Krabbelkindern und haben eine magische Anziehungskraft auf sie: Steckdosen und Kabel. "Wenn ein Kind direkt mit Strom in Kontakt kommt, wird der Körper selbst zum Leiter", erklärt Dr. med. Gilbert Heller, Landesarzt des Deutschen Roten Kreuzes Schleswig-Holstein in Kiel. Und das kann lebensgefährlich sein. Im schlimmsten Fall hört das Herz auf zu schlagen. "Besonders tückisch sind Unfälle mit Strom, wenn Wasser mit im Spiel ist", ergänzt Judith Janßen, Lehrrettungsassistentin beim Deutschen Roten Kreuz in Kiel. Hier erklären die beiden Notfall-Experten, wie Eltern richtig reagieren:

Symptome bei einem Stromunfall

Je stärker der Strom und je länger er einwirkt, umso schwerer die Folgen. Der Schlag kann zu Atemnot, Krampfgefühlen in der Brust, Angstzuständen, Unruhe und Schwitzen führen. Diese Beschwerden hören nach dem Unfall wieder auf. Bei größeren Stromstärken (etwa im Hobbyraum oder auf Baustellen) kommt es an den Ein- und Austrittsstellen auf der Haut zu Verbrennungen. Oft verkrampfen sich die Muskeln, das Kind kann sich nicht mehr von der Quelle lösen. Fließt Strom durch das Herz, kann es zu Herzrhythmusstörungen bis zum Kammerflimmern kommen – auch noch Stunden nach dem Schlag. Ist das Gehirn betroffen, sind Bewusstlosigkeit, Krämpfe und Atemstillstand die Folge.

Die Maßnahmen bei einem Stomunfall

Zuerst müssen Sie an Ihre eigene Sicherheit denken. Um helfen zu können, dürfen Sie nicht mit dem Strom in Kontakt geraten.

  • Unterbrechen Sie den Stromkreis. Am einfachsten gelingt dies, wenn Sie den Stecker ziehen oder die Hauptsicherung ausschalten.
  • Gelingt das nicht, ziehen oder stoßen Sie das Kind weg von der Stromquelle. Sie dürfen es nicht direkt anfassen, sondern benutzen Sie einen isolierenden Gegenstand aus Holz, Leder oder Gummi (Besenstiel, Stuhl, Gürtel). Dabei sollten Sie auf nicht-leitendem Material stehen (Schuhe mit Gummisohlen, dicke Zeitung).
  • Überprüfen Sie sofort, ob das Kind bei Bewusstsein ist und atmet. Atmet es nicht, beginnen Sie mit den lebensrettenden Sofortmaßnahmen: Herzdruckmassage und Atemspende im Wechsel von 30 zu 2. Atmet das Kind, bringen Sie es in die stabile Seitenlage.
  • Rufen Sie unverzüglich den Rettungsdienst unter 112.
  • Hat das Kind eine Brandwunde, decken Sie diese mit einem sterilen Verband ab.
  • Auch wenn das Kind keine Schäden zeigt, sollte es nach einem Stromschlag immer zur Überwachung ins Krankenhaus.

Die Wohnung kindersicher machen

Diese Tipps senken das Risiko für Elektrounfälle – damit es gar nicht erst zu einem Stromunfall kommt:

Defekte oder alte Elektrogeräte stellen eine große Gefahr dar. Auch abgenutzte Kabel oder Stecker haben nichts in der Reichweite von Kindern zu suchen. Kabel sollten nicht lose in der Wohnung hängen oder liegen. Sichern Sie sie in Schienen aus Plastik, oder verstecken Sie sie hinter Sockelleisten.

Statten Sie Steckdosen mit einem Kinderschutz aus. Einfach zu bedienen sind drehbare Kunststoffscheiben, die in die Steckdose geklemmt werden. Allerdings lassen sich diese leicht entfernen (auch von Kindern) und können versehentlich mit dem Stecker herausgezogen werden. Besser sind abschließbare Systeme. Denken Sie daran, auch die Verteilerstecker zu sichern. Neue Modelle haben häufig einen integrierten Schutz.

Fehlerstromschutzschalter (kurz: FI-Schalter) sind in vielen neuen Wohnungen integriert. Sie erkennen, wenn ein Mensch mit Strom in Kontakt kommt, und schalten den Strom sofort ab. FI-Schalter lassen sich in älteren Wohnungen nachrüsten.

Mit Elektrogeräten sollten Sie in feuchten Räumen, zum Beispiel im Badezimmer, sehr vorsichtig sein und diese kindersicher aufbewahren. Noch besser: Gar nicht erst im Bad föhnen.

Herr Dr. med. Gilbert Heller

Unsere Experten:

Dr. med. Gilbert Heller ist Anästhesist im Universitätsklinikum Kiel (Schwerpunkt Notfallmedizin) und Landesarzt des Deutschen Roten Kreuzes Schleswig-Holstein

Frau Judith Janßen

Judith Janßen ist Lehrrettungsassistentin und -beauftragte beim Deutschen Roten Kreuz und Krankenschwester in der Notaufnahme im Städtischen Krankenhaus Kiel


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