Kinder: Was tun bei Vergiftungen?

Vom Putzmittel getrunken, Papas Pillen geschluckt: Kinder wissen nicht, dass manche Dinge schädlich sind, die wie Lebensmittel aussehen. Wie Eltern Erste Hilfe leisten, sagen zwei Experten
von Peggy Elfmann, aktualisiert am 22.11.2016

Was das wohl ist? Kleine Kinder stecken Vieles in den Mund – auch giftige Sachen

W&B/Forster und Martin

Das Spülmittel sieht aus wie leckerer Saft, die Tabletten erinnern an bunte Smarties. Und schon landet der gefährliche Inhalt in kleinen Mündern. Fast 90 Prozent aller Vergiftungsunfälle betreffen Kinder unter sechs Jahren.

Am häufigsten vergreifen sich die Kleinen an Medikamenten. "Die Arzneien liegen oft auf dem Nachttisch, und Kinder ahnen nicht, dass für sie schädlich ist, was die Eltern oder Großeltern regelmäßig schlucken", sagt Lehrrettungsassistentin Judith Janßen aus Kiel. Dr. med. Gilbert Heller, Landesarzt des Deutschen Roten Kreuzes Schleswig-Holstein, ergänzt: "Im Haushalt folgen Reinigungsmittel und Kosmetika als Vergiftungsursache bei Kindern, im Freien sind es Giftpflanzen." Wie Sie in so einem Fall reagieren sollten, lesen Sie hier:

Dr. med. Gilbert Heller ist Anästhesist im Universitätsklinikum Kiel (Schwerpunkt Notfallmedizin) und Landesarzt des Deutschen Roten Kreuzes Schleswig-Holstein

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Die Symptome

Die Liste der möglichen Anzeichen ist breit gefächert. Sie reicht von Bauchschmerzen über Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Müdigkeit und Unwohlsein bis hin zu Bewusstlosigkeit und Herz-Kreislauf-Stillstand. Viele Vergiftungen verlaufen zunächst symptomfrei. Manche Giftpflanzen rufen sogar erst nach 24 Stunden Auffälligkeiten hervor.

Die Maßnahmen

  • Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollten Sie sofort den Rettungsdienst unter 112 alarmieren. Sagen Sie, wo der Unfall passiert ist, was geschehen ist, wer betroffen ist (wie viele Personen? Alter des Kindes?), welche Symptome vorliegen, und warten Sie Rückfragen ab.

Judith Janßen ist Lehr- rettungsassistentin und -beauftragte beim Deutschen Roten Kreuz und Krankenschwester in der Notaufnahme im Städtischen Krankenhaus Kiel

W&B/Forster & Martin
  • Bis der Arzt eintrifft, heißt es, Ruhe bewahren. Kümmern Sie sich um das Kind. Zusätzlich können Sie den Giftnotruf anrufen und sich Anweisungen geben lassen.
  • Stellen Sie, falls vorhanden, Giftreste oder die Verpackung sicher. Hat Ihr Kind erbrochen, heben Sie eine kleine Menge auf und geben Sie sie dem Notarzt. Aus dem Mageninhalt kann oft die Ursache, zum Beispiel eine Pflanze, bestimmt werden.
  • Sollte Ihr Kind bewusstlos sein, bringen Sie es in die stabile Seitenlage und decken es zu. Falls das Kleine nicht atmet, beginnen Sie sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen (Herzdruckmassage und Atemspende im Verhältnis von 30 zu 2).
  • Auf keinen Fall dürfen Sie Erbrechen auslösen. Ätzende Stoffe etwa können die Schleimhäute der Speiseröhre nachhaltig schädigen.
  • Geben Sie Ihrem Kind nichts zu trinken, weder Wasser noch Milch! Ausnahme: Der Arzt oder die Experten der Giftnotrufzentrale haben es empfohlen.
  • Hat Ihr Kind Schäumendes (Spül- oder Waschmittel, Shampoo) zu sich genommen, können Sie ihm zwei Teelöffel Entschäumertropfen geben (es sei denn, die Experten des Giftnotrufs haben etwas anderes empfohlen). Das Mittel verhindert, dass sich Schaum bildet, der aus der Speiseröhre in die Luftröhre gelangen könnte und dort Atemnot auslöst. Halten Sie die Tropfen am besten in Ihrem Arzneischrank bereit.
  • Wenn das Kleine Ätzendes wie Pflanzenschutzmittel, Toilettenreiniger oder andere Chemikalien berührt hat, spülen Sie die betroffenen Körperstellen sofort unter fließendem, lauwarmem Wasser (mindestens 15 Minuten lang). Verbinden Sie die Wunde dann mit einer sterilen Kompresse.
  • Auch wenn Ihr Kind etwas Ätzendes in die Augen bekommen hat, ist Spülen mit Wasser wichtig. Versuchen Sie, das betroffene Auge zu öffnen, und spülen Sie, stets vom gesunden Auge weg, bis die Schmerzen aufhören. Bedecken Sie beide Augen mit einem keimfreien Verband, sodass sie zur Ruhe kommen. Und kontaktieren Sie möglichst gleich einen Augenarzt.

 

Sicher in Haus und Garten

  • Bewahren Sie Medikamente in einem verschlossenen Schränkchen und für Kinder unzugänglich auf.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind weder an Putzmittel, Spülmaschinentabs und WC-Reiniger noch an Shampoo oder Duschbad herankommt.
  • Verwenden Sie möglichst Reinigungsmittel mit dem Zusatz Bitrex. Sie schmecken bitter. Falls die Kleinen davon trinken, spucken sie die Flüssigkeit aus, statt sie zu schlucken.
  • Füllen Sie Chemikalien nie in Getränkeflaschen um, und wählen Sie Produkte mit kindersicherem Verschluss.
  • Lassen Sie keine Tabak- oder Zigarettenreste herumliegen.
  • Verzichten Sie in der Wohnung und im Garten auf giftige Pflanzen. Bringen Sie Ihrem Kind bei, dass es Blumen und Beeren nicht alleine pflücken darf.

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