Schwangerschaft: Was darf ich essen?

40 Wochen ohne – Gorgonzola, Salami oder Carpacchio. Müssen Schwangere wirklich penibel auf manche Lebensmittel verzichten? Warum die Empfehlungen so streng sind
von Nadja Katzenberger, Peggy Elfmann, aktualisiert am 24.07.2017

Auch in der Schwangerschaft sollte Essen ein Genuss sein

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Ganz schön verwirrend für Schwangere, den Durchblick beim Essen zu behalten. Der Arzt warnt vor Sushi, Salami, Camembert und Co. – es klingt nach ziemlich vielen Regeln. Muss das alles wirklich sein? Sagen wir mal so: Im Großen und Ganzen dürfen Schwangere essen, was ihnen schmeckt. Doch einige Lebensmittel bergen ein gewisses Risiko, Krankheiten zu übertragen, die dem Baby schaden können.

Auch das Baby kann sich infizieren

"Trotz hoher Hygienestandards lassen sich einige Risiken nicht ganz ausschließen, etwa im Hinblick auf Listeriose", erklärt ­Maria Flothkötter, Leiterin des Netzwerks Gesund ins Leben in Bonn. Deshalb gibt es Empfehlungen, auf bestimmte Lebensmittel in der Schwangerschaft zu verzichten. Die sind ­übrigens weltweit ähnlich, egal ob der Baby­bauch in Deutschland, Frankreich oder in den USA wächst. Ein Überblick, was für Schwangere tabu ist – und warum:

Milch, Joghurt und Käse liefern wertvolles Kalzium. Auf Rohmilchprodukte sollten Schwangere jedoch verzichten

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Milch und Milchprodukte

Kleine stäbchenförmige Bakterien, Listerien genannt, können sich in Rohmilchprodukten tummeln. Sie verursachen Listeriose. Für Erwachsene mit einer guten Immunabwehr ist das meist harmlos. Symp­tome wie bei einer Erkältung oder Grippe können auftreten. "In der Schwangerschaft ist die Immun­abwehr jedoch herabgesetzt und das Erkrankungsrisiko um das 20-Fache erhöht", sagt Flothkötter. Vor allem aber kann sich das Ungeborene infizieren. Häufige Folgen: Fehl- oder Frühgeburt, schwere Komplikationen beim Neugeborenen. Im schlimmsten Fall droht eine Totgeburt. Steckt sich eine Schwangere an, wird die Infektion mit einem Antibiotikum behandelt.

Rohe Milch und daraus hergestellter Käse kann Listerien enthalten. Deshalb sollten sie für Schwangere tabu sein. Woraus der Käse hergestellt wurde, steht auf dem Etikett. Hartkäse aus Rohmilch ist unbedenklich, wenn er durch die langen Reifungsvorgänge stark abgetrocknet ist – zum Beispiel Parmesan.

Gemieden werden sollten auch alle Weichkäsesorten wie Camembert und Brie. Schnittkäse aus pasteurisierter Milch – dazu gehören zum Beispiel Gouda, Butterkäse und Edamer – bieten eine sichere Alternative. Aber: Bitte die Rinde entfernen! Dort sammeln sich bevorzugt gefährliche Bakterien an.

Auf vorgefertigten Reibekäse sollten Schwangere allerdings vorsichtshalber verzichten, selbst wenn dieser aus Hartkäse hergestellt wurde. Durch Hygienemängel beim Reiben und Verpacken können Listerien auf den geriebenen Käse gelangen. Eine sichere Alternative ist, den Käse am Stück zu kaufen und direkt vor dem Verzehr frisch zu reiben. Ähnliches gilt für eingelegten Käse oder Frischkäse aus offenen Gefäßen in der Kühltheke, zum Beispiel Feta, Schafskäse oder Mozzarella: Bakterien können sich dort schneller vermehren. Vakuumverpackt sind auch Mozzarella und Schafskäse aus pasteurisierter Milch sicher. Nach dem Öffnen sollte auch verpackter Käse innerhalb von zwei bis drei Tagen verbraucht werden.

Das ist tabu:

  • Weichkäse wie Brie, Gorgon­zola, Camembert, Roquefort und ähnliche Sorten
  • die Rinde bei Hartkäse
  • schon fertig geriebener Käse
  • in offenen Gefäßen eingelegter Käse
  • unbehandelte Frischmilch

Das ist erlaubt:

  • Schnittkäse ohne Rinde
  • Käse aus pasteurisierter Milch, außer Weichkäse oder offen eingeleger Käse
  • Hartkäse aus Rohmilch wie Parmesan, da die Listerien die ­lange Reifezeit und den hohen Salzgehalt nicht überleben
  • abgekochte oder pasteurisierte Milch

Was gilt in anderen Ländern?
In den meisten Ländern, sogar in Frankreich und Italien, gelten die gleichen Empfehlungen wie bei uns. Nur Kanada stuft Rohmilch­produkte als ungefährlich ein. Das Ansteckungsrisiko sei zu gering.

Fisch liefert gesunde Omega-3-Fettsäuren. Doch nicht jede Zubereitungsart ist für Schwangere geeignet

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Roher oder geräucherter Fisch

Auch hier ist das Listeriose-Risiko erhöht. Bei manchen Seefischen kommt noch eine Schwer­metall- und Quecksilberbelastung hinzu. ­Trotzdem ­gehört Fisch ein- bis zweimal in der ­Woche auf den Speiseplan, denn er liefert Mutter und ­Baby wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Es gilt: Raubfische aus dem Meer nur sehr selten oder gar nicht essen. Zu den betroffenen Arten gehören beispielsweise Thunfisch und seine Erzeugnisse sowie Schwertfisch und Steinbeißer. Ansonsten den Fisch gut durchgaren. Auch Dosenfisch ist erlaubt.

Industriell hergestellte, pasteurisierte Fischmarinaden wie Bismarckheringe oder Rollmöpse, die im Handel in der Kühltheke angeboten werden, sollten weit vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums gekauft und innerhalb von zwei Tagen nach dem Kauf verbraucht werden.

Und wenn man Fisch so gar nicht mag? "Dann gleicht ein Ess­löffel Leinöl das Defizit aus. Darin ­stecken genauso viel Omega-3-Fettsäuren wie in 200 Gramm Fisch", sagt die Münchener Ernährungsberaterin Sina Schwenniger.

Das ist tabu:

  • Thunfisch und andere Raubfischarten wie Schwertfisch und Steinbeißer (hohe Quecksilberwerte)
  • Muscheln
  • Sushi, Sashimi oder Carpaccio (roher Fisch)
  • geräucherter und marinierter Fisch

Das ist erlaubt:

  • Fisch, wenn er gekocht, gedünstet oder gebraten ist (besonders geeignet sind Lachs, Hering, Sardinen und Makrele)
  • Fisch in Konserven – etwa Brathering oder Hering in Tomatensoße
  • Abgepackte, stark saure Fischmarinaden (z.B. Rollmöpse)

Was gilt in anderen Ländern?

In Japan raten die Ärzte sogar dazu, rohen Fisch zu essen. In den meisten anderen Ländern ist man aber genauso vorsichtig wie bei uns.

Fleisch liefert wertvolles Eisen und Eiweiß. Mit fetter Wurst sollten Schwangere jedoch sparsam umgehen

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Fleisch und Wurstwaren

In rohem Fleisch können Erreger der Toxoplas­mose vorkommen. "Eine Infektion ist für die Mutter harmlos, für das Ungeborene aber sehr gefährlich", sagt der Gynäkologe Professor Ekkehard Schleußner vom Universitäts-Klinikum Jena. Die Erreger schädigen die Entwicklung des Gehirns. Steckt sich eine Schwangere erstmals an, bekommt sie ein Antibiotikum. Schleußner: "Geschieht dies rechtzeitig, verhindern wir, dass das Kind infiziert wird."

Wer vor der Schwangerschaft bereits eine Toxoplasmose-Infektion hatte, ist immun. Das bedeutet, die Frau kann sich nicht erneut anstecken. Ob man immun ist oder nicht, zeigt der Toxoplasmose-Test. Er ist keine Regelleistung der Krankenkasse, Frauenärzte empfehlen ihn aber zu Beginn der Schwangerschaft. Da auch Listerien oder andere Erreger auf rohem Fleisch sitzen können, sollten aber alle Schwangeren auf rohe Fleisch- und Wurstwaren verzichten.

Neben rosa gebratenem Fleisch können Mett, Hackepeter, Tatar und Rohwürste wie Salami, Teewurst und Mettwurst die Erreger enthalten. Rohe Pökelfleischerzeugnisse wie Lachs- und Parmaschinken oder Räucherspeck gehören ebenfalls zu jenen Lebensmitteln, die Schwangere meiden sollten. Wurstsorten, die unter Erhitzen hergestellt wurden, wie Fleischwurst, Mortadella, oder gekochter Schinken, sind dagegen erlaubt, wenn diese frisch sind. Im ersten Schwangerschaftsdrittel sollten Frauen zudem auf Leber verzichten, da diese viel Vitamin A enthält, das in großen Mengen für den Fötus gefährlich sein kann.

Das ist tabu:

  • Steak medium (rosa) oder rare (blutig)
  • Mett und Tatar
  • Rohwurst und rohe Pökelfleischwaren, z. B. Salami und Räucherschinken
  • Leber (im ersten Schwangerschaftsdrittel)

Das ist erlaubt:

  • gut durchgebratenes oder gekochtes Fleisch
  • Kochschinken und Wurst, die bei der Produktion oder auch später erhitzt wurde (etwa Salami auf der Pizza)

Was gilt in anderen Ländern?

Die Empfehlungen sind identisch. In Frankreich landet Leber komplett auf dem Index, da dort Leberpastete gerne gegessen wird.

Für Schwangere tabu: Alkohol und Nachspeisen mit rohem Ei

Panthermedia/Carmen Schneider

Rohe Eier

Süßspeisen wie Tiramisu oder Mousse au Chocolat werden mit rohen Eiern zubereitet. Salmonellen könnten in rohen Eiern stecken und eine Salmonellenvergiftung verursachen. Das ist sehr unangenehm. Betroffene leiden an starker Übelkeit und Erbrechen.
In der Schwangerschaft kann das zu einer Unterversorgung des Babys
führen, die Infektion an sich wird aber nicht auf das Ungeborene übertragen.

Das ist tabu:

  • Tiramisu und Co.
  • Softeis
  • Mayonnaise

Alle Speisen, die rohe Eier enthalten könnten, lassen Schwangere besser links liegen.

Was gilt in anderen Ländern?

Dasselbe wie bei uns. Außer in ­Kanada. Dort gibt es keine Empfehlungen für rohe Eierspeisen.

Alkohol

Nur ein kleines Glas Sekt, das schadet doch nicht, oder? "Wir wissen es nicht. Keine Studie ­konnte bisher eine Menge benennen, die absolut unschädlich für das Kind ist", sagt Maria Flothkötter. Alkohol kann die Entwicklung des Ungeborenen stark schädigen. Wer also abstinent bleibt, schützt sein Baby am besten.

Das ist tabu:

  • alkoholische Getränke
  • Eis, Pralinen und Torten mit ­Alkohol

Das ist erlaubt:

  • gelegentlich alkoholfreies Bier oder Sekt

Als alkoholfrei ausgewiesene Getränke dürfen maximal 0,5 Vol.-%  Alkohol enthalten.
Zum Vergleich: Fruchtsaft enthält ca. 0,38 Vol.-% Alkohol.

Was gilt in anderen Ländern?

Die Null-Promille-Empfehlung für Schwangere gilt weltweit.

Obst und Gemüse: Auf frische Ware achten und vor dem Verzehr gründlich waschen

Thinkstock/istock

Obst und Gemüse

Gründlich reinigen und möglichst frisch zubereiten, heißt die Devise, wenn Schwangere Salat, rohes Gemüse und Obst essen. Abgepackte Misch- oder Krautsalate sowie Obststücke aus der Kühltheke sind nicht zu empfehlen. Beim Verarbeiten und während der Lagerung können auch hier Listerien eindringen. Sprossen und Keimlinge immer erhitzen.

Waldpilze und Gewürze

Waldpilze können einen erhöhten Gehalt an Schadstoffen aufweisen. Gelegentlich in kleinen Mengen sind sie unproblematisch – eine schadstoffärmere Variante sind jedoch Zuchtpilze.

Manche Kräuter und Gewürze wie Petersilie, Liebstöckel und Zimt sollen die Gebärmutter stimulieren können, sodass theoretisch eine Frühgeburt möglich ist. Diese Wirkung entfalten sie allerdings nur in großen Mengen. Geringe Mengen, wie man sie üblicherweise zum Würzen eines Gerichts verwendet, sind unproblematisch. Bei Kräutertees sollten Schwangere auf Abwechslung achten. Süßholz sollte beispielsweise nicht in größeren Mengen konsumiert werden. Süßholz ist auch Bestandteil von Lakritze, weswegen Schwangere davon nur bis zu 50 Gramm am Tag genießen sollten.

Weitere Informationen zur Ernährung in der Schwangerschaft finden Sie auf der Website des Bundeszentrums für Ernährung oder im entsprechenden Informationsblatt zum Download: Listeriose und Toxoplasmose – Sicher essen in der Schwangerschaft.



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