Kinder gesund ernähren: So packen Sie es an

Den Milchbedarf mit Schokoriegeln decken? Oder nur noch Körnerkost? Die Diskussion um die richtige Kinderernährung verunsichert Eltern. Experte Norbert Wagner klärt auf

von Daniela Frank, 15.11.2011
Kochen mit Kids

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Müssen Eltern ihren Kindern genau vorgeben, was sie essen sollen? Oder ernähren sie sich ohnehin ihrem Gefühl nach richtig?

Im Säuglingsalter nehmen Kinder in der Regel automatisch die richtige Nahrungsmenge auf. Eltern sollten dem Baby zu trinken geben, wann und wie viel es möchte. Dabei ist aber wichtig, die Bedürfnisse des Kindes zu erspüren. Also mit dem Füttern aufhören, wenn das Baby satt ist. Und: Dem Kleinen nicht bei jedem Pieps sofort die Brust geben, obwohl es erst getrunken hat. Oft stecken dann andere Bedürfnisse hinter dem Quengeln. Bei Kindern ab zwei Jahren muss man ein wenig aufpassen. Ein gesundes Kind würde zwar nie zu wenig essen. Es neigt aber dazu, zuviel Süßes zu naschen. Dann stillt die Nahrung nicht mehr einfach den Hunger, sondern bringt zum Beispiel Genuss oder spendet Trost. Da müssen Eltern ihre Kinder bremsen.

Prof. Dr. Norbert Wagner

Warum werden unsere Kinder immer dicker?

Kinder lernen durch Vorbilder. Wenn die Eltern sich ungesund ernähren, machen es die Kinder ihnen nach. Eigentlich passt die heute übliche westliche Ernährungsweise überhaupt nicht zum Menschen. Sie enthält viel zuviel Zucker und Fett.

Sollten Süßigkeiten generell tabu sein?

Süßigkeiten sind ein Genussmittel. Satt essen können sich Kinder an Nahrungsmitteln wie Gemüse, Kartoffeln oder Reis. Ich würde zum Beispiel davon abraten, Schokomüsli, süße Frühstücksflocken oder Nutellabrote zum Frühstück anzubieten – höchstens in Ausnahmefällen, zum Beispiel am Sonntag. Stattdessen eignen sich zuckerfreies Müsli oder Brote mit Quark, Käse oder Schinken zum Frühstück. Eltern sollten ihren Kindern zwar Süßigkeiten nicht verbieten, aber immer wissen: Was isst mein Kind und wie viel? Spekuliert das Kind zum Beispiel schon am Mittagstisch auf die Kekse bei Oma, isst deshalb nur zwei Löffel und sagt dann, es sei satt, sollten die Eltern dies unterbinden.

Wie wichtig ist es, mit der ganzen Familie zu essen?

Sehr wichtig. Wenn alle an einem Tisch sitzen, geht es ja nicht nur ums Essen. Die Familie genießt die gemeinsame Zeit, lacht zusammen und tauscht sich aus. Dass Mahlzeiten zu einem solchen Ritual werden, macht bei Kindern ab zwei oder drei Jahren Sinn. So können die Eltern ihrem Kind auch am leichtesten eine gesunde Ernährung näher bringen.

Welche Rolle spielen regelmäßige Mahlzeiten und feste Portionsgrößen?

Morgens, mittags und abends zu essen hat sich über lange Zeit bewährt. Daneben machen Zwischenmahlzeiten wie Obst oder das Pausenbrot Sinn. Es darf aber nicht gelten: Der Teller muss leer gegessen werden. Eltern sollten darauf achten, gesundes Essen anzubieten, aber es dem Kind überlassen, was es davon isst.

Was können Eltern tun, wenn Ihr Kind vieles nicht mag?

Kinder sind beim Essen oft sehr wählerisch und essen generell am liebsten Süßes und weniger gern stark gewürzte oder intensiv schmeckende Speisen. Manchmal wird das aber zum Spiel: Wenn das Kind sagt, "Das mag ich nicht" und die Mutter fragt, "Was soll ich dir stattdessen machen?", ist sie in die Falle getappt. Ideal ist es, wenn Eltern  abwechslungsreiches Essen anbieten, das den meisten schmeckt, wie es zum Beispiel auch in Kitas getan wird. Wenn es Fisch gibt und das Kind keinen Fisch mag, isst es eben nur Kartoffeln mit Soße. Die Eltern sollten es weder zwingen, den Fisch zu essen noch extra etwas zubereiten.

Was ist zu tun, wenn ein Kind sehr wenig isst?

Wenn Eltern das Gefühl haben, dass ihr Kind zu wenig isst, sollten die Eltern einen Arzt um Rat fragen. Er überprüft anhand sogenannter Perzentilkurven, ob das Kind sich normal entwickelt. Das ist bei den meisten Kindern der Fall. Ich sage dann immer: Ich weiß nicht, wo Ihr Kind isst, aber offensichtlich isst es genug.


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