Fläschchen: Material, Sauger, Zubehör

Glas oder Kunststoff? Latex- oder Silikonsauger? Irgendwann stellen sich alle Eltern Fragen wie diese. Worauf Sie beim Kauf von Babyfläschchen und Zubehör achten sollten

von Sandra Schmid, aktualisiert am 25.04.2017

Nicht nur der Inhalt, auch das Material des Fläschchens zählt


Wenn Eltern die Erstausstattung für ihr Baby besorgen, müssen sie meist viel lesen, recherchieren, entscheiden. Denn bei Baby-Produkten gibt es in der Regel mehrere Ausführungen – und jede davon hat so ihre Vor- und Nachteile. Beim Fläschchen stellt sich die Frage: Besser eines aus Glas oder eines aus Kunststoff nehmen? Und wenn aus Kunststoff, welcher ist dann unbedenklich?

Fläschchen aus Glas oder Kunststoff?

Lange war der Stoff Bisphenol A (BPA), der in vielen Kunststofflaschen vorkam, umstritten. Seit dem 1. Juni 2011 sind BPA-haltige Polycarbonatflaschen laut EU-Verordnung verboten. Forscher stellten fest, dass diese Substanz eine mögliche Gesundheitsgefährdung für Kinder darstellen kann. Unter anderem steht sie im Verdacht, Unfruchtbarkeit und Schädigungen des zentralen Nervensystems zu fördern. Einer der Ersatzstoffe, Fluoren-9-Bisphenol (BHPF), ist aufgrund einer chinesischen Studie nun ebenfalls in der Kritik. Diesen Weichmacher also ebenfalls besser meiden.

Nach heutigem Kenntnisstand unbedenkliche Babyflaschen sind aus Polypropylen (PP) oder Polyamid (PA). "Diese Kunststoffe sind von sehr hochwertiger Qualität", sagt Kinderarzt Dr. Peter Voitl vom Kindergesundheitszentrum in Wien. Kunststofffläschchen gibt es preisgünstig in allen Formen und Farben, sie sind leicht und bruchresistent. Das ist vor allem wichtig, wenn das Kind beginnt, die Flasche selbst zu halten. Von Nachteil ist hingegen, dass Plastik zwar bruch-, aber keinesfalls kratzsicher ist. Kleine Kratzer im Kunststoff können dazu führen, dass sich Essens- oder Milchreste und damit Bakterien festsetzen.

Glasflaschen zerkratzen indes nicht so leicht und sind außerdem – im Gegensatz zu Plastik – komplett geschmacks- und geruchsneutral. Babyflaschen werden im Übrigen aus Glas hergestellt, das auch in wissenschaftlichen Laboren verwendet wird. Somit weist es eine äußerst große Hitzebeständigkeit und eine hohe chemische Resistenz auf. Ein Nachteil bleibt allerdings: Glasflaschen sind zerbrechlich. "Gefährlich sind neben den großen Brüchen im Glas vor allem kleine Splitterbrüche am Flaschenhals", warnt Voitl. Bemerkt man diese nicht, können kleine Glasfasern in die Nahrung geraten.

Sauger – Latex oder Silikon?

Latex- oder reine Naturkautschuk-Sauger punkten durch ihre Elastizität, Umweltfreundlichkeit und Belastbarkeit. "Diese Sauger sind besonders geeignet für Kinder, die schon Zähne haben", so Voitl. Sie halten auch größeren Kauattacken stand. Latex kann sich überdies nicht statisch aufladen und damit keinen Staub anziehen. Ein Nachteil des Naturkautschuks ist, dass es einen gummiartigen Eigengeruch hat und hitzeempfindlicher ist als Silikon. Deswegen wird es beim häufigen Auskochen oder gerade im Sommer schneller porös.

Silikon ist da resistenter: Das gummielastische Material ist "äußerst temperaturbeständig und geschmacksneutral", so der Experte. Viele Mütter schätzen es wegen seiner glatten, transparenten Oberfläche, die die Silikonnuckel hygienischer wirken lassen. Aber Vorsicht: Silikon ist nicht so reißfest wie Latex. Sobald Sie also kleine Risse oder Kratzer feststellen, sollten Sie den Sauger wechseln, damit Ihr Kind keine Silikonteile verschluckt. Ansonsten gilt als Faustregel: Latexsauger alle vier bis sechs Wochen, Silikonsauger alle acht bis zwölf Wochen wechseln.

Übrigens: Laut Bundesamt für Risikobewertung ist für die Herstellung der Sauger kein Bisphenol A notwendig. Der Stoff kann zwar im Kunststoffschild enthalten sein, aber nach bisherigen Kenntnissen ist es nicht wahrscheinlich, dass der Stoff aus dem Kunststoffschild in den Sauger übergeht.

Das Patent gegen Koliken?

Eigentlich klingt es ganz logisch: Wenn das Kind weniger Luft schluckt, bekommt es auch weniger Blähungen. Schon seit längerem gibt es Fläschchen und Sauger, die mit dieser Anti-Kolik-Wirkung beworben werden. Durch ein Ventil im Sauger oder im Flaschenboden soll für einen Druckausgleich in der Flasche gesorgt und das Kind damit vor den krampfartigen Bauchschmerzen geschützt werden. Aber: Koliken können auch andere Ursachen haben. "Eine Kolik ist eine sehr komplexe Angelegenheit", erklärt Kinderarzt Voitl. Natürlich spiele die Luftzufuhr eine Rolle, aber auch das Essverhalten der noch stillenden Mutter oder Umstellungen im Magen-Darm-Trakt. Und das könne kein Ventil beeinflussen.

Weitere Ideen vom Nuckelmarkt: Sauger, welche die Funktionen der Mutterbrust imitieren. Eine spezielle Technik lässt das Baby beim Nuckeln erst ein Vakuum aufbauen, damit die Milch fließen kann – wie bei Mama an der Brust. Außerdem gibt es mittlerweile Flaschen mit einem integriertem Refill-Plastikbeutel, der sich beim Trinken zusammenzieht und somit ebenfalls das Stillen nachahmen soll. Die Andockflächen sind breiter und brustähnlich geformt. Vorteile dieser Neuerungen: Je mehr die Techniken dem realen Stillvorgang ähneln, um so einfacher kann es sein, die Säuglinge von der Brust an die Flasche (und manchmal auch wieder zurück) zu gewöhnen.

Welche Saugergröße brauchen wir?

Beim Sauger gibt es grundsätzlich drei Größen:

  • Größe 1: meist für Säuglinge von null bis sechs Monaten
  • Größe 2: meist für Kinder von sechs bis 18 Monaten
  • Größe 3: meist für Kinder ab 18 Monaten

Die Einstufung der Altersklassen kann je nach Hersteller variieren. Beachten Sie am besten beim Kauf die Angaben auf der Packung.

Lochgrößen werden nach Durchlässigkeit ebenfalls in drei Größen gegliedert:

  • Größe S (= Small) für dünnflüssige Nahrung wie Muttermilch oder Tee
  • Größe M (= Medium) für Folgemilch
  • Größe L (= Large) für Folgemilch und Brei, auch Breisauger genannt

Trotz dieser Größenangaben und Lochgrößen ist das Trinkverhalten eines Kindes natürlich eine sehr individuelle Sache. Deswegen rät der Experte, die Saugergröße speziell auf das Kind abzustimmen.


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