Detox: Was ist dran am Trend?

Detox ist in aller Munde. Säfte, Tees und Snacks – es gibt immer mehr Produkte, die helfen sollen, den Körper zu entschlacken und zu entgiften. Nur, stimmt das wirklich?
von Marian Schäfer, 24.10.2017

Besonders grüne Smoothies gelten oft als Detox-Getränk

istock/petrenkod

Auf den ersten Blick wirkt der Tee wie eine gewöhnliche Kräutermischung: Brennnesseln sind auf der Packung zu sehen, ein paar Blätter grüner Tee und etwas Zitronengras. Besonders scheint nur der Preis: 9,99 Euro für 70 Gramm. Über dem Produkt­namen vorne prangt in strahlenden Lettern das Wort "Detox" – und auf der Rückseite das Versprechen "wunderbarer Leichtigkeit". Entgiftend, entschlackend, harmonisierend soll der Tee sein.

Das sollen Detox-Produkte bewirken

Detox, was die Abkürzung von detoxification, also Entgiftung, ist, boomt. Neben Detox-Tees gibt es zum Beispiel auch Detox-Säfte, ganze Detox-Diäten und -Kuren, Detox-Gesichtscremes, allerlei Detox-Pülverchen und -Tabletten und sogar Pflaster, die man sich zum "Detoxen" unter die Füße klebt. Online finden sich Fotos solcher Verbände, die braungelb angelaufen sind, so viel Gift und Schlacken sollen sie aus dem Körper ­ihrer Anwender gezogen haben.

Denn das ist das Versprechen von Detox-Produkten: dem Körper zu helfen, sich von schädlichen Stoffwechsel- und Giftstoffen zu befreien, die angeblich in ihm entstehen oder vermeintlich über die Umwelt oder mit dem Essen aufgenommen werden. Detox-Theo­rien erinnern einen an Hochöfen, in denen sich bei der Verarbeitung von Eisenerz zu Stahl tatsächlich Schmelzrückstände ("Schlacken") bilden. Die lagern sich ab und behindern irgendwann die Brennprozesse. Dann muss entschlackt werden.

Prof. Holger Barth ist Toxikologe am Universitätsklinikum Ulm und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Toxikologie

/Universität Ulm

Natürliche Entgiftung des Körpers

Aber gilt das auch für unseren Körper? "Die Meinung, es würden sich durch Stoffwechselprozesse, Ernährung oder Umwelteinflüsse Giftstoffe oder ‚Schlacken‘ in ihm anreichern, ist abwegig", sagt Professor Holger Barth, Toxikologe am Universitätsklinikum Ulm und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Toxikologie. "Ein gesunder Körper, der nicht durch die Aufnahme entsprechender Mengen toxisch wirksamer Substanzen wie Giftgase oder Schwermetalle vergiftet wird, hilft sich wunderbar selbst", stellt Barth klar.

Zwar ist auch in der Medizin oft von Entgiftung durch Leber und Nieren die Rede. Im Grunde genommen leitet der Begriff aber in die Irre, da unser Organismus alles tut, damit Gifte gar nicht entstehen. "Essen wir etwas, wird die Nahrung über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Viele ihrer Bestandteile werden vom Darm ins Blut abgegeben und in der Leber in zahlreichen Stoffwechselprozessen so verarbeitet, dass Inhaltsstoffe, die auf Dauer dem Körper schaden könnten, über den Urin einfach ausgeschieden werden", sagt Barth.

Im Ernstfall: Medikamente statt Detox-Tee

Selbst mit vielen problematischen Stoffen wird der Körper bis zu einem gewissen Punkt fertig. Beispiel Alkohol. Einmal aufgenommen, wird er in Kohlen­dioxid (das wir ausatmen) und Wasser (das wir ausscheiden) umgewandelt. "Wenn Sie aber in kurzer Zeit so viel Alkohol trinken, dass der Prozess nicht mehr mit dem Abbau fertig wird, kommt es zu einer akuten Alkoholvergiftung", sagt Barth. "Es besteht akute Lebensgefahr, und Sie brauchen nicht irgendein Detox-Mittel, sondern eine notärztliche Behandlung mit ­etablierten Medikamenten." Detox-Mittel könnten auch nicht die Folgen eines chronischen Alkoholmissbrauchs mildern, so Barth. Genau so sei es bei Menschen mit einem Nierenleiden. "Wird deshalb ihr Blut nicht mehr effektiv gereinigt, brauchen sie – ab einem gewissen Grad – eine ­­Dialyse."

Antje Gahl ist Ökotrophologin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn

W&B/Privat

Kein Ausgleich für einseitige Ernährung

Nicht falsch verstehen: Tees, in denen Brennnesseln, grüner Tee oder Zitronengras verarbeitet sind, können guttun. Aber nicht wegen einer Entgiftungswirkung, sondern weil sie etwa die Durchblutung oder Verdauung fördern. "Detox-Säfte und -Smoothies enthalten oft viele gute Nährstoffe", sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. "Das tun aber auch Säfte und Smoothies, die nicht detox und oft günstiger sind."

Gahl kritisiert vor allem, dass oft der Eindruck erweckt würde, man könne durch Detox-Produkte schlechte Gewohnheiten, etwa eine einseitige Ernährung, leicht ausgleichen. "Viel wichtiger und entscheidend ist ein gesundheitsfördernder Lebensstil, also, sich bewusst und ausgewogen zu ernähren und sich ausreichend zu bewegen." Für prob­lematisch hält sie zudem, dass vor allem im Internet vermehrt Detox-Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden, die bestimmte Stoffe in hohen Dosen enthalten. "Da rate ich zur Vorsicht, weil man nie weiß, inwiefern Wechselwirkungen zu Medikamenten oder andere Effekte auftreten können", sagt sie.

Auch Holger Barth stimmt diesen Argumenten zu. "Die meis­ten dieser Detox-Produkte nützen nix, schaden aber dem Geldbeutel. Die Leute sollten ihr Geld lieber für gutes Essen ausgeben", so Barth.


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