Fit bleiben trotz erkälteter Kinder

Wie schützen sich Eltern vor einer Erkältung, wenn die Kinder ständig husten und schniefen? Sechs häufig empfohlene Tipps im Check

von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 25.10.2018
Joggerin

Dem Infekt davonlaufen: Ausdauersport unterstützt das Immunsystem


Hilft es, auf gesunde Ernährung zu achten?

Eine Wunderwaffe gegen Erkältungen sind selbst hoch dosierte Vitamine und andere Mikronährstoffe leider nicht. So scheint Vitamin C vor allem dann eine schützende Wirkung zu entfalten, wenn jemand extremen körperlichen oder klimatischen Bedingungen ausgesetzt ist. Doch immerhin gibt es Hinweise darauf, dass eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C und dem Spurenelement Zink die Dauer eines Infekts um etwa einen Tag verkürzen kann.

Der Mikronährstoff Selen soll außerdem dazu beitragen, die Aktivität der körpereigenen Abwehrzellen zu erhöhen. "Reichlich Vitamin C steckt in Paprika oder Kiwi. Nüsse und Eier liefern Selen, und Zink können Sie dem Körper durch Hülsenfrüchte zuführen", sagt Dr. Michael Deeg, Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Freiburg. "Generell gilt: Eine ausgewogene Ernährung mit vielen frischen Produkten trägt in jedem Fall zu einer besseren Immun­abwehr bei."

Hilft es, in die Sauna zu gehen?

Erst schwitzen, dann ins kalte Becken tauchen – das soll die Körperabwehr in Position bringen. "Das stimmt, denn durch die unterschiedlichen Temperaturreize trainiert man die Thermoregulation des Körpers", sagt ­­Deeg. Die Blutgefäße weiten und verengen sich bei abwechselnd zugeführter Wärme und ­Kälte. Mit der Zeit sorgt das dafür, dass Haut und Schleimhäute gut durchblutet bleiben. Erreger haben es schwerer, anzugreifen.

"Der Zusammenhang von regelmäßi­gen Saunagängen und verringerter Infektneigung wurde schon in Studien der ehemaligen DDR nachgewiesen", sagt Prof. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde am Berliner Immanuel-Krankenhaus. "Ebenso güns­tige Effekte auf das Immunsystem sind bei anderen naturheilkundlichen Maßnahmen wie Wassertreten, Wechselduschen oder Kneipp-Güssen belegt."

Hilft es, in Bewegung zu bleiben?

Es lohnt sich, trotz Schmuddelwetter auf die Beine zu kommen. "Moderates körperliches Ausdauertraining verbessert den Immunschutz nachweislich", sagt Michael Deeg. "Wer in gemäßigtem Tempo mehrmals die Woche eine halbe Stunde joggt, Rad fährt oder schwimmt, übersteht die Erkältungszeit mit größerer Wahrscheinlichkeit ohne Symptome." Übers Ziel hinausschießen sollten Sie dabei nicht. Denn ein zu straffes Trainingsprogramm, körperliche Überforderung oder mangelnde Erholungsphasen können das Abwehrsystem schwächen.

Hilft es, häufig die Hände zu waschen?

Etwa 90 Prozent aller Viren und Bakterien fangen wir uns über die ­Hände ein, unter anderem an Türklinken. "Da wir uns unbewusst häufig ins Gesicht fassen, finden die Erreger schnell eine Eintrittspforte", erklärt Deeg. Regelmäßiges gründliches Händewaschen ist ­also sinnvoll. "Vor allem, wenn man im Tagesverlauf viel Kontakt zu anderen Menschen hat, lässt sich die Keimverbreitung so sehr wirksam eindämmen", sagt Michalsen.

In Studien zeigte sich: Fünfmal am Tag mit Seife und warmem Wasser circa 20 Sekunden lang die Hände reinigen, reduziert das Erkältungsrisiko um die Hälfte. Und dazu sollte man auch seine Kinder anhalten. Wichtig: die Seife nicht nur auf den Handflächen, sondern auch zwischen den Fingern verteilen, hinterher gut abtrocknen.

Hilft es,  Licht und Luft zu tanken?

Das ist immer eine gute Idee. "In der dunkleren Jahreszeit kann Tages­licht die Stimmung positiv beeinflussen. Es verbessert auch die Hormonsituation, die wichtig für das Immunsystem ist", sagt ­Michalsen. Im Winter ist die ­­Lichtstärke jedoch gering, dadurch bildet der Körper weniger ­Vitamin D. "Ein niedriger Vitamin-D-Pegel steht in Verbindung mit gesteigerter Infektanfälligkeit", erklärt der Experte für Naturheilkunde.

Im Ideal­fall haben sich die Speicher während des Sommers aufgeladen, sodass der Körper nun von den Reserven zehren kann. Fetter Seefisch wie Makrele oder Lachs sind die bes­ten Vitamin-D-Lieferanten im Winter. Falls sich im Blutbild ein deutliches Defizit zeigt, kann der Arzt Zusatzpräparate verschreiben. Doch nicht nur aufs Licht kommt es an – auch die berühmte frische Luft trägt zum Gesundbleiben bei. "Heizungsluft trocknet die Atemwege aus und macht sie anfälliger. Deshalb sollten wir ­jede Gelegenheit nutzen, uns draußen einer höheren Luftfeuchtigkeit auszusetzen", rät Deeg.

Hilft es, sich warm einzupacken?

Wie oft nervte uns Mutti im Winter mit der Wollmütze und den kratzigen dicken Strümpfen! "Streng genommen gibt es zwar keine Studie, die eine Erkältung auf Kälteeinwirkung, etwa am Kopf oder den Füßen, zurückführen kann", sagt Michalsen. "Allerdings legen alle traditionellen medizinischen Heilsysteme wie TCM, Ayurveda oder die europäische Naturheilkunde großen Wert darauf, zur Infektabwehr insbesondere die Füße warm zu halten und eine Kopfbedeckung zu tragen. Die Erfahrung spricht für einen positiven Effekt."

Der HNO-Arzt Deeg erklärt zusätzlich, was Schal oder Mütze bewirken können: "Kühlen Ohren, ­Nase oder Hals aus, entsteht eine lokale Minder­durchblutung. Dann sinkt die Bereitschaft des Körpers zur Bekämpfung von Viren oder Bakterien, die ja meist über die oberen Atemwege eintreten." Kälte kann also indirekt zu Triefnase, Ohrenentzündung oder Schluckbeschwerden beitragen.


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