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Wozu brauchen Kinder Stofftier oder Schmusetuch?

Kinder vergöttern sie, mehr als jedes andere Spielzeug. Warum Teddybär und Co. für die Entwicklung der Kleinen eine so große Rolle spielen und was die flauschigen Gefährten Eltern über ihr Kind verraten

von Stephanie Arndt, aktualisiert am 27.03.2019
Kuscheltier

Mehr als ein normales Spielzeug: Stofftiere werden für Kinder oft zu Komplizen und Vertrauten


Mit spitzen Fingern hielt die Dame im roten Mantel mir ein klatsch­nasses, schmutziges Stoff­taschentuch hin und fragte: "Suchst du das hier?" Ich höre mich verweint jubeln: "Mein Nucki-Tuch, mein Nucki-Tuch!"

Bis heute – immerhin 39 Jahre später – breitet sich bei dieser Erinnerung ein warmes Glücksgefühl in meinem Bauch aus. Damals hatte ich das ausrangierte, heißgeliebte Schnupftuch meines Vaters – mein Nucki-Tuch – bei einem Spaziergang im Park verloren. Und mit ihm, das war meinen Eltern klar, meinen Glauben, jemals wieder einschlafen zu können. Entsprechend verzweifelt waren sie ausgeschwärmt, um mein Nucki-Tuch zu suchen. Nach dem erlösenden Fund lag ich, ein paar Stunden später, zufrieden mit meinem frisch gewaschenen Nucki-Tuch im Bett.

Kraft tanken mit dem Kuscheltier

Was für mich das Nucki-Tuch war, ist für die meisten Kinder das geliebte Kuscheltier. "Für viele Kinder spielt das Kuscheltier in den ersten Lebensjahren eine wichtige Rolle", sagt Pädagoge Dr. Volker Mehringer von der Universität Augsburg. Warum das so ist, liegt vermutlich zum Teil an der Persönlichkeit des Kindes, möglicherweise auch an gesellschaftlichen Gegebenheiten: "In Kulturen, in denen der Nachwuchs lange und engen Körperkontakt zur Mutter hat, scheinen Kuscheltiere weniger bedeutsam zu sein", so Mehringer.

"Findet die Ablösung von der wichtigsten Bezugsperson früh statt, steigt das Interesse. Eventuell kompensieren Kinder dann mithilfe des kuscheligen Lieblings die Trennung." Denn in stressigen Momenten springt bei den Kleinen automatisch das Bindungssystem an, und sie brauchen etwas Vertrautes, das sie mit den Eltern oder dem Zuhause verbinden: "Häufig hilft es dann, wenn sie ein paar Minuten mit der Robbe oder dem Einhorn kuscheln und neue Kraft tanken", weiß Mehringer.

Mehr als nur ein Spielzeug

Deshalb werden Kuscheltiere psychologisch auch als Übergangs­objekte bezeichnet. Sie sind viel mehr als ein normales Spielzeug und verwandeln sich häufig in enge Vertraute, Geheimnisträger und Komplizen. "Kinder erfahren durch Kuscheltiere, dass es auch ein Nicht-Ich gibt. Sie lernen, dass sie über ein Objekt herrschen können und entscheiden zum Beispiel, wann sie es wollen und wann nicht", erklärt Mehringer.

Und später testen Teddy & Co. dann auch gerne Grenzen aus, die sich Kinder nicht zu überschreiten trauen. Steht Mama etwa mit vorwurfsvollem Blick und leerer Gummi­bärchen­tüte im Kinderzimmer, ertönt voller Überzeugung: "Das war ich nicht, das war Flauschi!" "Für Eltern kann diese innige Beziehung auch eine gute Möglichkeit sein, ein Stück in die Seele ihres Kindes zu schauen", sagt Mehringer und ermutigt Eltern, das Spielverhalten des Dream-Teams oft und genau zu beobachten. "So können Erwachsene erfahren, was ihren Nachwuchs beschäftigt – und bei Bedarf gezielt eingreifen."

Eine Liebe fürs Leben

Wen Kinder übrigens zu ihrem Kuschel-Star wählen, ist unterschiedlich. "Die Form, ob Puppe, Tier oder Tuch, scheint für viele Kinder unerheblich zu sein. Wichtig ist vor allem, dass das Objekt schön weich ist", sagt Mehringer, selbst zweifacher Vater. "Tiere und Puppen haben langfristig natürlich einen höheren Spielwert und sind altersübergreifender."

Und wann ist es Zeit, dass Kind und Kuscheltier getrennte Wege gehen? "Diesen Moment gibt es nicht, und es sollte ihn auch nicht geben!", stellt Mehringer klar. "Ich rate Eltern davon ab, ihr Kind vom Kuscheltier zu entwöhnen – etwa weil es dafür zu alt erscheint."

In der Regel verliert das Lieblingsobjekt von selbst an Bedeutung, ungefähr im Grundschulalter. Lassen Heranwachsende Pu­schel und Linchen irgendwann links liegen, empfiehlt der Experte, die Spiel­gefährten in einer Kindheitskiste auf­zubewahren. "Auch wenn ein Kuscheltier irgendwann nicht mehr cool ist, würde ich es nicht wegwerfen. Nicht selten wird ihm dann nachgetrauert", so Mehringer.


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