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Wie das Sauberwerden in der Kita gelingt

Irgendwann wollen Kinder ohne ihre Windel loswackeln. Zu Hause lässt sich das oft gut managen. Aber wie gelingt die Phase des Trockenwerdens in Krippe und Kindergarten?

von Andrea Schmidt-Forth, 01.07.2019
Kinder WC

Früh übt sich – aber wie gelingt das Trockenwerden in der Kita?


Schon mal was von Ausscheidungsautonomie gehört? Fachleute benutzen diesen stelzigen Begriff und meinen damit, dass ein Kind selbstständig zur Toilette gehen kann, um dort alles "erwartungsgemäß zu erledigen". Der Begriff signalisiert, dass es dabei weniger um Erziehung zur Sauberkeit geht, wie man früher dachte, sondern mehr um die Kompetenz des Kindes. Im Alltag bedeutet das, das Kleine gut zu beobachten, Anzeichen zu lesen und dem Kind die Möglichkeit zu geben, auf die Toilette zu gehen. Doch wie funktioniert das im Betreuungsalltag in der Kindertagesstätte, wo die Erzieherinnen auf zehn und mehr Kinder gleichzeitig achten sollen? Diese und weitere typische Elternfragen beantworten Dr. Gabriele Haug-Schnabel, Leiterin der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen aus Freiburg, und Andrea Bass, Leiterin einer Krippe in Augsburg:

Beim Elternabend wurde angeregt, in der Krippe die Kinder auf den Topf zu setzen. Ist das sinnvoll?

Dr. Gabriele Haug-Schnabel sagt: "Vielleicht kursiert da und dort noch der Gedanke, dass man Kinder damit schneller sauber bekomme. Aber das macht man heute nicht mehr. Denn das Kind muss erst eine gewisse körperliche Entwicklung durchlaufen, den Harndrang wahrnehmen, um dann aus eigenen Stücken und ohne Aufforderung zur Toilette gehen zu können. Eine Schweizer Vergleichsstudie zur Sauberkeitserziehung ergab: Egal ob man die Kinder mit einem Jahr ‚topfte‘ oder wartete, waren alle im Durchschnitt mit 28 Monaten stabil trocken. Auch amerikanische Studien be­legen, dass Kinder meist gegen Ende des zweiten Lebensjahres für erste Schritte Richtung Ausscheidungsautonomie bereit und zugänglich sind. In Europa und Amerika wird die Mehrzahl der Kinder im dritten Lebensjahr trocken. Die meisten Kinder können zuerst den Darm kontrollieren, dann die Blase tagsüber und zuletzt die Blase in der Nacht. Jedes Kind hat sein eigenes Entwicklungstempo und lebt in seinem eigenen Umfeld. Bis ins höhere Kindergartenalter ist es auch völlig normal, wenn zwischendrin noch einmal etwas danebengeht."

Mein Kind kommt ins zweite Krippenjahr, und ich frage mich: Wie kann das funktionieren, wenn zehn Kinder im gleichen Alter auf die Toilette müssen?

Andrea Bass sagt: "Keine Sorge, das geht spielerisch nebenbei. Kinder wollen lernen und schauen sich dabei in der Kita viel voneinander ab. Geht ein Kind schon selbstständig, kommt ein anderes beispielsweise mit auf die Toilette. In unseren Wickel­räumen gibt es jeweils zwei Mini-Klos. Die sind gerade mal so hoch wie ein Topf, sodass sich auch die Kleineren problemlos daraufsetzen können. Sehen wir, dass ein Kind Interesse daran zeigt, sprechen wir es an, ob es uns begleiten möchte, sobald wir ein jüngeres Kind wickeln gehen. Wir helfen dann auch beim Abputzen und Händewaschen – das gehört zwingend zur Hygieneerziehung dazu. Eltern können ihr Kind unterstützen, indem sie ihm Kleidung anziehen, die es selbst gut runter- und raufziehen kann – also Hosen mit Gummizug und Leggings."

Mein Kind (3) ist noch nicht trocken. Bekommen wir jetzt keinen Kindergartenplatz?

Andrea Bass sagt: "Kein Kindergarten darf deshalb ein Kind abweisen. Eltern brauchen keine Angst zu haben, wenn bei der Anmeldung danach gefragt wird, ob ihr Kind schon alleine zur Toilette geht, und wenn man ihnen Tipps gibt, wie sie ihr Kind dabei unterstützen können. Es ist normal, wenn Kindergärten ein Interesse daran haben, dass möglichst viele Kinder schon selbstständig auf die Toilette gehen. Die Gruppen sind dort mit 25 Kindern doppelt so groß wie in der Krippe bei vergleichbarer Personalausstattung. Außerdem liegen zwischen der Anmeldung und dem Start noch einige Monate. In dieser Zeit meistern fast alle Kinder diesen Schritt. Und die anderen schaffen es bald nach dem Kindergarteneintritt."

Mein Kind (2 ½) will keine Windel mehr. Die Erzieherinnen ziehen ihm aber immer eine an, wenn sie mit der Gruppe nach draußen gehen. Was kann ich tun?

Andrea Bass sagt: "Ich gehe mal davon aus, dass meine Kolleginnen tun, was sie können, um Ihr Kind beim Trockenwerden zu unterstützen. Doch eine Eins-zu-eins-Betreuung wie zu Hause können Kitas nicht bieten. Da bitte ich alle Eltern um Verständnis. Manchmal fehlt es auch schlicht an Personal, etwa wenn Erzieherinnen Urlaub haben, krank oder auf Fortbildung sind. Oder es ist im Winter schier nicht möglich, die Kinder rechtzeitig aus ihren dicken Anzügen auszupacken, wenn sie Pipi machen müssen. Da reicht einfach die Zeit zu reagieren nicht, weil die Kleinen noch nicht sehr lange einhalten können. Im Sommer ist das schon wieder leichter, mit Kindern, die gerade trocken werden, ohne Windel rauszugehen."

Unser Kind ist den ganzen Tag in der Kita. Müssen wir zu Hause dann überhaupt noch was machen?

Dr. Gabriele Haug-Schnabel sagt: "Sauberkeitserziehung sollte stets Teamwork sein. Tauschen Sie sich dazu regelmäßig mit den Fachkräften über Gewohnheiten und Fortschritte Ihres Kindes aus. Kinder müssen sich wohlfühlen, damit es klappt. Krisen oder Veränderungen im Alltag können zu Rückfällen führen, etwa wenn das Kind ein Geschwisterchen bekommt oder ein Umzug ansteht. Sprechen Sie Veränderungen beim Betreuungspersonal an."

Zu Hause ist das Kind trocken, in der Kita passieren immer wieder Unfälle. Woran liegt das?

Andrea Bass sagt: "Das passiert meiner Erfahrung nach meist bei Kindern, die neu in der Kita sind. Da ist alles aufregend, viele Reize stürmen auf das Kind ein. Manche trauen sich noch nicht, den Betreuern zu sagen, dass sie mal müssen, oder sie vergessen es schlicht beim Spielen. Doch das gibt sich in der Regel nach der Eingewöhnungszeit. Manchmal haben Kinder auf dem stillen Örtchen auch nicht die nötige Ruhe, weil zum Beispiel andere Kinder sie dort stören. Vielleicht würde es helfen, wenn eine Betreuerin das Kind zur Toilette begleitet und bleibt, bis es fertig ist. Oder sie könnte ein älteres Kind anleiten, das jüngere zu begleiten, wenn kein Betreuer mitgehen kann."


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