Welcher Schnuller ist der richtige?

Viele Kinder lieben ihn heiß und innig: ihren Nuckel. Doch ganz ohne ist er nicht. Deshalb gibt es hier Wissenswertes über den Beruhigungssauger

von Annett Zündorf, aktualisiert am 24.07.2018
Baby mit Schnuller

Ohne Schnuller geht es bei vielen Kleinkindern nicht


Es gibt Orte, da stehen sehr eigen­artige Gewächse. Bäume und Sträucher, die voller Nuckel hängen. Dabei handelt es sich nicht etwa um das Geheimversteck der Schnullerfee. Vielmehr haben findige Eltern die Bäume und Sträucher zu Schnullerbäumen umfunk­tioniert, damit die Kleinen ihren heiß ­geliebten Diddi, Schnulli oder Nuckel endlich hergeben.

Denn: War er anfangs ein Segen für die Eltern, weil er das Kind beruhigte, führen sie spätestens nach drei Jahren lästige Diskussionen mit ihrem Nachwuchs, damit der Schnuller endlich wegkommt. Der Beruhigungssauger ist dann längst vom nützlichen Tröster zum nervigen Dauer­begleiter mutiert. Denn selbst wenn ein Kind ihn eigentlich nicht mehr bräuchte, gibt es den Schnuller oft nur widerwillig her.

Warum mögen Babys den Schnuller so sehr?

"Der Saugreflex ist Babys angeboren. Saugen beruhigt", erklärt Dr. Florian Lang, Kinder- und Jugendarzt in Stuttgart. Trotzdem sollten Eltern ihren Neugeborenen nicht sofort einen Nuckel anbieten. "In den ersten Wochen stillen Babys ihr Saugbedürfnis im Idealfall an der mütterlichen Brust", sagt der Mediziner. Die muss sich nämlich mit ihrer Milchproduktion erst ein­pegeln. Ein Schnuller stört da nur. Daher sollten Eltern möglichst so lange, bis das Stillen gut läuft, auf einen Schnuller verzichten. Manche Krankenhäuser etwa verwenden gar keine Schnuller.

Welches Material und welche Form ist geeignet?

Das Material: Es gibt Schnuller aus Latex – sie werden aus dem natürlichen Rohstoff Kautschuk hergestellt, gut zu erkennen an dem beige-braunen Mundstück. Allerdings eignen sie sich nicht, wenn das Kind eine Latex­allergie hat. Die gängige Alternative: ein Schnuller aus Silikon.

Die Form: Saugstücke in Kirsch- oder Tropfenform – die einen werden mit dem Wörtchen "kiefergerecht" beworben, die anderen sollen der mütterlichen Brustwarze angepasst sein. Welche Form Eltern wählen, hängt von ihrem Geschmack ab. Wichtig ist, dass er die richtige Größe und das Kleine den Schnuller nicht permanent im Mund hat.

Wie lange ist Schnullern okay?

Dauernuckeln über einen langen Zeitraum lässt die Milchzähne schief wachsen. "Die Milchzähne werden beim Nuckeln nach vorn gedrückt. Je intensiver der Schnuller in Gebrauch ist, umso ausgeprägter entwickelt sich der Schiefstand. Das kann sich sogar auf die bleibenden Zähne auswirken", sagt Zahnarzt Dr. Thomas Breyer aus Meißen.

Schieben sich die oberen Frontzähne nach vorne, wird es Zeit, dem Kind den Nuckel allmählich abzugewöhnen. Im schlimmsten Fall kann sich ein lutsch­offener Biss ent­wickeln. "Er wirkt sich negativ auf die Sprach- und Gebiss­entwicklung aus", so der Zahnarzt. Ein lutsch­offener Biss muss kieferorthopädisch behandelt werden. Breyers Empfehlung: schon ab der U 5 mit sechs Monaten regelmäßig zur Zahnvorsorge gehen.

Wird das Schnullern nicht übertrieben, haben die Experten nichts dagegen einzuwenden. Das heißt: Zur Beruhigung und als Einschlafhilfe ist ein Nuckel in Ordnung. "Versuchen Sie nach einer Weile, den Schnuller zu entfernen, und ziehen Sie ihn auch nach dem Einschlafen vorsichtig aus dem Mund", sagt Breyer. Das ist nicht nur für die Entwicklung des Kiefers wichtig: Häufige Infekte und schlechtere Sprachentwicklung werden ebenfalls in Zusammenhang mit häufigem Nuckeln gebracht.

Wie reinige ich den Schnuller?

Fällt er nur kurz auf den Boden, reicht es, ihn mit heißem Wasser abzuwaschen. Ist er stärker verschmutzt, sollte man ihn für fünf Minuten in kochendes Wasser legen und so sterilisieren – auch vor dem ersten Gebrauch. Eltern kontrollieren zudem, ob das Saugstück rissig, brüchig, rau oder klebrig wird. Spätestens dann sollte das gute Stück ausgetauscht werden.

Ab dem ersten Geburtstag legen Eltern den Schnuller tagsüber immer öfter zur Seite – zum Beispiel beim Spielen. Spätestens wenn das Kind drei wird, sollten die Bemühungen, sich vom Nuckel zu trennen, verstärkt werden. Vielen Kindern hilft es, den Schnuller der Schnullerfee mitzugeben oder einem neuen Baby zu spenden. "Machen Sie keinen Stress. Klappt es beim ersten Mal nicht, versuchen Sie es etwas später erneut", sagt Kinderarzt Florian Lang.


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