Sprechen lernen: So unterstützen Sie Ihr Kind

Ihr Kleines fängt an zu sprechen, manchmal hakt es aber noch? Viele Anfangsprobleme geben sich mit der Zeit. Late Talker, Lispeln, Verhaspeln: So können Eltern ihr Kind fördern
von Daniela Frank, aktualisiert am 14.11.2016

Psst – wichtig ist, dass die Verständigung klappt

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"Babababaa", "Mumumumuh" brabbelt das Baby vor sich hin. In sich versunken testen Kinder schon früh Laute und wie sie sie bilden können. Aus den Silbenreihen werden irgendwann Wörter mit Bedeutung. "Auto" sagt das Kleinkind und zeigt mit dem Finger auf das rote Spielzeugauto. "Ja, das ist ein Auto", antworten Mama oder Papa. "Der Spracherwerb findet statt, wenn man gemeinsam die Aufmerksamkeit auf etwas Drittes richtet", sagt Christine Schütz, Diplom-Psychologin und Logopädin am Sozialpädiatrischen Zentrum der Uniklinik Heidelberg. Sprechen lernen passiert also in der Regel wie von selbst, wenn das Kind Zeit mit der Familie oder in einer Gruppe verbringt, in der viel gesprochen wird. Dennoch kann diese Entwicklung schneller oder langsamer ablaufen, manchmal ist sie auch gestört.

Spielen unterstützt den Spracherwerb

Eltern können einiges tun, um ihr Kleines beim Sprechenlernen zu unterstützen. "Ideal sind Symbolspiele", sagt Schütz. "Dabei tun Eltern und Kind zum Beispiel so, als würde eine Puppe schlafen oder als würden sie etwas kochen." Bei größeren Kindern werden aus dem "So-tun-als-ob" dann Rollenspiele – zum Beispiel spielen sie mit Gleichaltrigen "Mutter, Vater, Kind" und nehmen die entsprechenden Rollen ein. Neben dem gemeinsamen Spielen ist es wichtig, dass Eltern im Alltag viel sprechen, zum Beispiel während der Mahlzeiten am Tisch. "Eltern sollten auch regelmäßig wiederkehrende Gelegenheiten, wie das Wickeln, zum Sprechen oder für Sprachspiele nutzen", sagt Schütz.

Sprechen soll Spaß machen

Außerdem entscheidend: Dem Kind zuhören und ihm Zeit geben, sich zu äußern. Auf keinen Fall sollten Eltern die Sätze ihres Kleinen vorzeitig vervollständigen. Auch direktes Korrigieren ist nicht sinnvoll. "Das kann ihm die Freude am Sprechen nehmen", sagt Schütz. Besser ist die sogenannte korrigierte Rückmeldung: Spricht das Kind noch holprig, wiederholen Eltern am besten das Gesagte frei und spielerisch. Sagt das Kleine zum Beispiel "Ato ham", können Mama oder Papa antworten "Du willst das Auto haben? Hier ist das Auto." So zeigen sie dem Kind, dass sie es verstanden haben. Das verschafft ihm ein Erfolgserlebnis. "Das ist viel wichtiger als die korrekte Aussprache", sagt Schütz. "Wenn es sein muss, können Eltern ruhig auch mit Händen und Füßen kommunizieren." Außerdem sollten Eltern das Kind nicht zum Nachsprechen auffordern oder abfragen, zum Beispiel: "Sag doch mal der Tante, wie das heißt, was du in der Hand hältst."

Kinderarzt hat Sprachentwicklung im Blick

Lernt das Kind langsamer sprechen als Gleichaltrige oder spricht es anfangs undeutlich, machen sich viele Eltern Sorgen. In der Regel ist das aber kein Grund zur Panik. Der Kinderarzt überprüft in den Vorsorgeuntersuchungen, wie die Entwicklung des Kleinen verläuft. Spricht das Kind etwas später oder weniger, schließt er zunächst aus, dass eine Hörstörung vorliegt. Denn diese kann den Spracherwerb beeinträchtigen. Ist körperlich alles in Ordnung, reicht es in manchen Fällen, abzuwarten. Je nach Störungsbild ist eine Behandlung beim Logopäden erst später sinnvoll – beim Lispeln lohnt sie sich zum Beispiel meist erst ab fünf Jahren. Andere Sprechstörungen sollten jedoch früher behandelt werden.

Wie Eltern Ihre Kinder unterstützen können

Eltern, deren Kleines später spricht als andere, etwas lispelt oder sich häufig verhaspelt können es speziell fördern. Diese Tipps helfen:

  • Late Talker: Etwa 15 bis 20 Prozent aller Kinder beherrschen mit zwei Jahren noch weniger als 50 Wörter. Diese Jungen und Mädchen zählen zu den sogenannten "Late Talkern" – den "späten Sprechern". Einige von ihnen holen das von alleine gut auf – es ist also nicht unbedingt Grund für eine Therapie. Der Kinderarzt wird untersuchen, ob das Hörvermögen und die sonstige Entwicklung des Kindes normal sind. Denn eine Behandlung kann auch abhängig davon sein, ob hier Beeinträchtigungen vorliegen. Eltern können ihr Kleines in jedem Fall wie oben beschrieben unterstützen: Beim Essen oder Wickeln viel und spielerisch sprechen. Außerdem empfiehlt Expertin Schütz: Zusätzlich zehn Minuten pro Tag spielen oder gemeinsam ein Buch anschauen.
  • Lispeln: Die meisten Kinder gehen durch eine Phase, in der sie etwas lispeln. Eltern können dann mit ihnen Seifenblasen machen, Fruchtgummischlangen durch den Mund einsaugen, Luftballons aufblasen oder andere Pustespiele machen. "Das trainiert die Mundmotorik", sagt die Expertin. "Solche Maßnahmen sollte man aber sehr dosiert und spielerisch einsetzen – und im Zweifel den Rat einer Fachfrau einholen."
  • Verhaspeln/Stottern: Wenn Kinder sich noch nicht flüssig ausdrücken können, verhaspeln sie sich häufig. Das kann sich anhören wie ein Stottern – und heißt daher Entwicklungsstottern. Meist tritt es etwa zwischen zwei und fünf Jahren auf und dauert maximal sechs Monate. Was Eltern tun können: Abwarten, dem Kind Zeit geben, bis es fertig gesprochen hat. "Auf keinen Fall sollten Eltern das Kind frühzeitig unterbrechen", sagt Schütz. Normalerweise wiederholt das Kind die Silben beim Entwicklungsstottern locker. Hält das Stottern länger an, belastet es das Kind stark oder treten während des Sprechens Spannungen und Blockaden auf, sollten die Eltern das Problem mit dem Kinderarzt besprechen.

Hilfe von außen: Logopäde oder Pädaudiologe

Liegt eine Sprechstörung vor, stellt der Kinderarzt üblicherweise eine Überweisung zum Logopäden oder Pädaudiologen aus. Die Pädaudiologie ist ein Teilgebiet der Medizin, das sich mit Hörstörungen und der akustischen (auditiven) Wahrnehmung bei Kindern sowie mit Störungen der Sprech- und Sprachentwicklung befasst. "Ist es noch zu früh dafür und fühlen sich die Eltern trotzdem unsicher, können sie sich an eine HNO-Klinik mit Pädaudiologen, eine HNO-Schwerpunktpraxis mit Logopädin oder ein Sozialpädiatrisches Zentrum überweisen lassen", sagt Schütz.

Logopädie-Lehranstalten, logopädische Praxen oder andere Institute bieten auch spezielle Elterntrainings an. "Dabei können sich Eltern mit anderen austauschen und ein sprachförderndes Verhalten einüben", sagt Schütz. Die Trainings sind teilweise kostenlos. Kostenpflichtige Kurse werden manchmal von der Krankenkasse übernommen – vorher fragen lohnt sich. Auch Kindergärten oder Krippen bieten mittlerweile oft kürzere Kurseinheiten an.


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