Sprachkalender für Babys zum Download

Wie entwickelt sich die Sprache bei Ihrem Baby? Mit unserem Kalender können Sie es festhalten. Und an einer großen Studie teilnehmen, wenn Sie möchten
von Barbara Weichs, 04.12.2015

Ab etwa neun Monaten kommunizieren Kinder auch mit Gesten

plainpicture GmbH & Co KG/Kelly Davidson

Den Moment, in dem ihr Kind zum ersten Mal "Mama" oder "Papa" sagt, vergessen Eltern nie. Diese vier Buchstaben machen unendlich stolz: Mein Kind spricht! All das Quietschen und "dada" vorher war natürlich auch sehr nett. Aber unter Sprechen verstehen die meisten Eltern doch, wenn das Kind beginnt, Wörter zu formulieren, die eine Bedeutung haben. Nicht so Dr. Simone Pika. Die Diplom-Biologin leitet die Humboldt-Forschungs­gruppe "Entwicklung von Kommunikation" am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und ist überzeugt: "Babys haben ­ihre Sprache. Schon mit den ersten Lauten und Gesten teilen sie sich ihrer Umgebung mit. Wir verstehen sie nur nicht."

Machen Sie mit!

Die ersten Laute, die ersten ­Gesten: Für Eltern ist es später eine schöne Erinnerung, wenn sie solche Meilensteine notieren. Hier finden Sie einen ­Sprachkalender zur Entwicklung der Laute und Ges­ten. Baby und Familie hat ihn gemeinsam mit der Humboldt Forschungsgruppe "Entwick­lung von Kommunika­tion" am Max-Planck-Institut für Ornithologie gestaltet. Sie ­können ihn aufhängen und ­jeden kommunikativen ­Fortschritt Ihres Babys eintragen. Wenn Sie Lust haben, ­können Sie mit dem Kalender auch an der Studie ­­Kommunikative Meilensteine teil­nehmen. Die Forschungsgruppe um Dr. ­Simone Pika sucht Familien, die ein Baby er­­warten oder ­gerade eins bekommen haben. Die Anmeldung und weitere Informationen finden Sie unter www.orn.mpg.de/cgs


Der Sprachkalender zum Ausdrucken

Ist Brabbeln schon Kommunikation?

Bislang hat die Forschung ­diese frühe Vokalisationsphase vernachlässigt. Die ers­ten lautlichen Äußerun­gen eines Babys wurden lediglich als Vorbereitung aufs Sprechen gesehen. "Ich denke aber, ein ­Baby trainiert dabei nicht nur seinen Stimmapparat. Es verwendet die Laute und Gesten in einer bestimmten Situation und will darüber etwas ausdrücken", erklärt Pika. In einer Studie untersucht die Wissenschaftlerin deshalb nun diesen Weg, der zum ersten gesprochenen Wort führt.

Prof. Ulrike Lüdtke lehrt und forscht zum kindlichen Spracherwerb am Institut für Sonderpädagogik der Leibniz-Universität Hannover

W&B/Privat

Dafür vergleicht sie drei Modellgruppen:

1. prälinguistische Kinder in verschiedenen Kulturkreisen, also Kinder, bevor sie sprechen können.
2. Menschen­affen, weil sie mit uns sehr nah verwandt sind. In früheren Studien konnte ­Simone Pika zum Beispiel zeigen, dass Menschenaffen Ges­ten erlernen und diese gezielt einsetzen.
3. Raben, da diese in einem vergleichbar komplexen sozialen System leben wie wir.

"Es wird vermutet, dass es sich auf die Kommunikation auswirkt, mit wie vielen Individuen man interagiert", erklärt die Biologin. In ­ihren Forschungen konnte Simone Pika bereits be­obachten, dass Raben wie wir Menschen auch Zeige­gesten verwenden, wenn sie einen Art­genossen auf etwas aufmerksam machen wollen. "­Kommunikation ist ein weites Feld. Sie ­beginnt noch vor dem ersten Wort", sagt die Wissenschaftlerin.

Dr. Simone Pika leitet die Humboldt-Forschungsgruppe „Entwicklung von Kommunikation“ am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen

Patrick Brandt

Babys verständigen sich durch Schreien

Wichtigstes ­Verständigungsmittel der ­Kleinen anfangs ist das ­Schreien. Ob aus Hunger, Schmerzen oder Langeweile – "Ich brauche dich!" signalisieren damit schon Neugeborene ihren Eltern. Aber auch Lächeln, Gesichtsausdrücke und Gesten setzen sie ein. "Zu Beginn seines Lebens kommuniziert ein Baby mit all seinen Sinnen", sagt Prof. Ulrike Lüdtke. Sie forscht und lehrt am Institut für Sonderpädagogik der Leibniz-Universität Hannover zum kindlichen Spracherwerb. Schon im Mutterleib würden die Weichen dafür gestellt – etwa indem das Ungebo­rene die Stimmen seiner Eltern hört. Ohne zu hören, fängt kein Kind zu sprechen an. Wenn Eltern merken, dass ihr Nachwuchs nicht auf Geräusche reagiert, sollten sie deshalb den Kinderarzt darauf aufmerksam machen.

Laute zur Kontaktaufnahme

Im Alter von zwei bis drei Monaten kommt zum Schreien das erste Quietschen oder Brummen hinzu. "Schreien bedeutet immer ­eine Notlage. Diese ersten Laute zeigen Babys hingegen, wenn es ihnen gut geht", erklärt Pika. Und auch, so ist sie überzeugt, wenn sie Kontakt aufnehmen möchten. Weil sich Gehirn und Motorik beständig weiterent­wickeln, verändern sich die Vokalisationen zunehmend in Richtung erstes Wort. "Das Kind lernt zum einen zu verstehen, dass es sich besser mitteilen kann, wenn es sich mit seiner Stimme anders ausdrückt. Zum anderen verfeinert sich seine Mundmotorik, sodass es immer mehr ­Laute produzieren kann", sagt Ulrike Lüdtke. Dieser Prozess läuft individuell ab. Kein Grund zur Sorge also, wenn das eigene Baby noch eher stumm auf der Krabbeldecke liegt, während Gleichaltrige schon munter vor sich hin brabbeln.

Möglichst viel mit dem Baby sprechen

Sprechenlernen ist zudem kein rein biologischer Prozess. Ganz entscheidend kommt es darauf an, dass Eltern reagieren, wenn das Baby versucht zu kommunizieren. Instinktiv reden Erwachsene dabei in der Ammensprache: ­­Ihre Stimme wird höher, die Sprache betonter. Zusätzlich brauchen die Kleinen auch komplexeren sprachlichen ­Input und viele Wörter. "Eltern müssen keine Angst haben, dass sie ihr Kind damit überfordern. Es holt sich aus der Umgebungssprache, was es im nächsten Schritt lernt", erklärt Lüdtke. 

Gesten als wichtiges Kommunikationsmittel

Ab etwa neun Monaten können Eltern die ersten Gesten bei ­ihrem Nachwuchs beobachten. ­Eine ganz frühe Geste ist die ­Zeigegeste. Das Kind drückt damit zum Beispiel aus "Schau mal, da!". "Ges­ten scheinen wir intuitiver zu verstehen als Vokalisationen", sagt Simone Pika. In der Kommunikation nehmen sie deshalb einen wichtigen Stellenwert ein. Die Forscherin wird in ihrer Studie daher mit untersuchen, inwiefern es in der Entwicklung der Gestik Meilensteine gibt. Denn auch wenn die ersten Worte irgendwann kommen: Die Gesten bleiben. "Ges­ten sind neben der gesprochenen Sprache ein fester und gleichwertiger Bestandteil unserer Sprache. Ohne sie würde unserer ­Kommunikation oft die Farbe fehlen."


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