So wichtig ist Springen für die Motorik

Beim Springen stärken Kinder ihre Muskelkraft und schulen den Gleichgewichtssinn. Unser Experte erklärt, warum Hüpfen gesund ist

von Stefanie Becker, aktualisiert am 23.06.2017
Mädchen springt auf dem Trampolin

Juhu! Beim Springen auf dem Trampolin spüren Kinder Leichtigkeit


Warum springen Kinder vor Glück?

Kleine Kinder erfahren sich über Bewegung, sie lernen dar­über ihren Körper und ­ihre Umwelt ­kennen. "Bewegung sorgt dafür, dass wichtige Verbindungen im Gehirn der Kinder entstehen", sagt Prof. Dr. med. Oskar Jenni vom Kinderspital Zürich. Bis ins Vorschulalter hinein agieren Kinder noch völlig ganzheitlich. Insofern drücken sie ihre Gefühle auch über Bewegung aus, sie springen eben vor Freude oder stampfen mal vor Wut mit den Füßen auf.

Warum sind wir in der Lage zu springen?

Weil unser Körper eine wunderbare Konstruk­tion ist. Wirbelsäule, Hüft- und Kniegelenk ermög­lichen die Bewegung; Muskeln, Bänder, Sehnen stützen, mobilisieren Kräfte und federn sie ­wieder ab. Und unsere Füße mit ihren je 26 Knochen – immerhin ein Viertel aller Körperknochen –, 60 Muskeln und 214 Sehnen halten uns im Gleichgewicht und ma­­chen uns bereit für den Absprung. Auch die Arme helfen beim Austarieren des Sprungs mit.

Wie weit und wie hoch können Menschen springen?

8,95 Meter – das ist der Weltrekord im Weitsprung bei Männern. Bei Frauen beträgt er 7,52 Meter. Der weltweite Rekord im Hochsprung: 2,45 Meter bei den Männern und 2,09 Meter bei den Frauen.

Wann können Kinder springen?

Jedes Kind entwickelt sich anders, deshalb gibt es nur Richtwerte. Kinder machen etwa zwischen 16 und 22 Monaten erste Mini-Hüpfer mit beiden Beinen. Mit ­rund 36 Monaten können sie beidbeinig von der untersten Treppenstufe hüpfen. Ungefähr ein Jahr später schaffen sie es, mit beiden Beinen circa 30 Zentimeter nach ­vorne zu hüpfen.

"Mit fünf Jahren können fast alle Kinder sicher auf einem Bein hüpfen", sagt Oskar Jenni, der dies mit seinem Team in einer Studie herausgefunden hat. "Kommen die Kinder in die Schule, haben sie die wichtigsten motorischen Meilensteine erreicht", so Jenni. "Sie verfeinern jetzt ihre Fähigkeiten, springen weiter oder höher."

Wie schaffen Kleine den Absprung?

Ob Mauer oder Kletterbogen – wenn Kinder von etwas herunter­springen wollen, sollten Eltern auf ­eine alters­angepasste Höhe achten, rät Dr. Axel Kupfer von der Sporthochschule Köln. Nur: Die ist je nach Kind verschieden. In der Regel wissen die Kleinen aber ganz gut, was sie sich zutrauen können. Zögert das Kind, sollten Eltern es daher nicht drängen.

Liegt die Absprunghöhe über schulterhoch, ist ein weicher Untergrund zum Abfedern wichtig, zum  Beispiel ein Sandkas­ten. Tipp: das Kind da­zu anhalten, auf beiden Füßen zu landen, das hilft ihm, ein Gespür dafür zu entwickeln, was es meis­tern kann. "Einfacher und sicherer sind erste Sprünge von Erhöhungen aus der Hocke heraus", sagt Kupfer. Das senkt den Körperschwerpunkt ab und verringert so die Fallhöhe.

Warum ist Hüpfen gesund?

Kinder heben aus purem Spaß an der Bewegung ab. Sie inte­ressiert herzlich wenig, dass es auch ihrer Fitness guttut. So wirkt Springen positiv auf das Herz-Kreislauf-­System, die Koordination, das Gleichgewicht. Eine Heidelberger Studie zeigte, dass ausgeprägte Sprung­bewegungen bei Erwachsenen depressive Symptome lindern konnten.

Trampolin – genial oder gefährlich?

Zunächst einmal: "Es ist ein unheimlich schönes Sportgerät, weil Kinder sich ­­gerne darauf bewegen, und das immer wieder. Freiwillig!", sagt der Sport­­wissenschaftler Axel Kupfer. Beim Springen spüren die Kleinen Leichtigkeit, ja fast einen Moment Schwerelosigkeit.

"Das hilft zum Beispiel auch überge­­wichtigen Kindern. Weil der Faktor Gewicht ein wenig wegfällt, ­können sie auf dem Trampolin koordinativ mit normal gewichtigen Kindern mithalten", erklärt der Experte. "Sie können genauso gestreckt springen oder mal ins Sitzen, mal ins Stehen kommen. Das wirkt sehr motivierend."

Und das Verletzungsrisiko? Gibt es. Deshalb sollten Eltern auf jeden Fall darauf achten, dass das Trampolin mit einem Sicherheitsnetz umspannt ist, damit das Kind nicht herausfallen kann. Und: immer nur ein Kind springen lassen, nicht mehrere gleichzeitig! Das verhindert, dass die Kinder aufeinanderfallen oder gegeneinanderprallen und sich verletzen. Kupfer rät zudem: "Sobald das Kind müde ist, sollte es ein paar Minuten Pause einlegen. Eltern erkennen den Moment daran, dass ihr Kind beim Springen den Kopf ein wenig schlackern lässt oder die Hüfte nach vorne geht. Dann fehlt die Kraft, die Muskelspannung zu halten."

Hüpf doch mal: Spiele zum Springen üben

Kästchen springen: mit Kreide Kästchen auf den Boden malen und nummerieren (1 bis 9). Nun hüpft das Kind auf einem Bein von Kästchen zu Kästchen. Liegen zwei Kästchen nebeneinander, macht es ­einen Grätschsprung, sodass in jedem Kästchen ein Bein steht. Bei der höchsten Zahl umdrehen und zurückhüpfen.

Hüpf, Känguru: Alle ­Kinder stellen sich nebenein­ander auf. Auf ein Zeichen hin hüpfen sie beidbeinig so schnell es geht zur Ziellinie.


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