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Selbst anziehen: Wie lernen Kinder das?

Die Socken ziehen sich Babys oft schon selbst aus. Aber bis das Anziehen mit Knöpfen und Reißverschlüssen klappt, müssen Kinder viel üben

von Annett Zündorf und Daniela Frank, aktualisiert am 27.02.2019
Lernen, sich selber anzuziehen

Anziehen will gelernt sein. Kinder wollen es meist schon früh selbst probieren


Ein freudiges Kreischen, ein kurzes Ziehen und schwupp, schon hält das Baby den Strumpf in der Hand, den Mama gerade mühevoll über die kleinen, widerspenstigen Zehen gezogen hat. Gut so. Denn dieses Ausziehen ist der erste Mini-Schritt der Jüngsten, das Anziehen zu lernen.

Stolpersteine auf dem Weg dahin gibt es viele: enge Strumpf­hosen, Knöpfe, Gürtel, dicke Jacken, Fingerhandschuhe, Schleifen und Reißverschlüsse. Erst mit Schulbeginn können die meisten Kinder jedes Teil ihrer Kleidung selbst an- und ausziehen, öffnen und schließen.

Schon Babys üben das Ausziehen

Das Ausziehen geht dabei am leichtesten. "Ungefähr mit sieben Monaten fangen Babys an, mit ihren Füßen zu spielen", sagt Ellen Schneider, Physiotherapeutin aus Bühl. "Ab dann ziehen sich viele die Socken aus." Zwischen dem achten und elften Lebensmonat erkennen Babys immer öfter den Zusammenhang: Welcher Gegenstand ist wofür? "Holt man die Socken hervor, wackeln sie dann zum Beispiel mit den Füßen", sagt Schneider. Im Anschluss, etwa ab dem 11. Lebensmonat, helfen viele Kinder beim Anziehen schon mit. "Sie heben zum Beispiel den Arm, wenn der Pulli angezogen wird und drücken ihn durch, um in den Ärmel zu schlüpfen", erklärt Schneider. Die Physiotherapeutin empfiehlt, dass Eltern jeden Schritt beim Anziehen kommentieren: "Erst ziehen wir den Body über den Kopf, jetzt kommt der linke Arm dran, jetzt der rechte."

Mit zwei klappt Hose hoch- und runterziehen

Etwa ab dem 13. Lebensmonat zerren Kinder an ihrer Hose, um sie nach unten zu ­ziehen. Die Motorik ist anfangs aber noch nicht ausreichend ausgebildet. "Die meisten schaffen das Ausziehen mit etwa 20 Monaten", sagt Schneider. "Das läuft ungefähr parallel zur Sauberkeitsentwicklung." Danach lernen sie Stück für Stück das Anziehen. Die Hose hoch- und runterziehen, das können Kinder erst allmählich zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag. T-Shirts können viele schon früher selbst über den Kopf bugsieren. "Für Jacken gibt es einen Trick", sagt Schneider. Eltern können die Jacke so vor das Kind legen, dass die Kapuze zwischen den Knöcheln liegt. Dann könne sich das Kind nach vorne beugen, die Arme in die Ärmel tauchen und sich wieder aufrichten. "Das schaffen viele schon mit etwa zwei Jahren – die Jacke normal um den Rücken herum anziehen klappt meist erst viel später."

Die richtige Kleidung macht's leichter

Vor Stolz platzen die Kleinen, wenn sie es endlich zum ersten Mal schaffen, ­allein in die Kleidung zu schlüpfen. Trotzdem werden noch viele Monate T-Shirts linksherum getragen, landen zwei Beine in einem Hosen­bein, zeigen sich auf dem Fußspann die Strumpf-Fersen. Dann gilt: nicht meckern, sondern loben, was das Kind schon geschafft hat. Leichter tut sich das Kleine auch mit der richtigen Kleidung: "Sie sollte so wenig Verschlüsse wie möglich haben", sagt Schneider. "Zum Beispiel lieber Hosen mit einem breiten Stoffbund wählen." Dehnbare Stoffe helfen, Arme und Kopf leichter durch die richtigen ­Löcher zu schieben. "Es gibt auch für größere noch Oberteile, die an den Schultern überlappen, sodass der Kopf besser durchpasst", sagt Schneider. Und wenn nach dem Windelabschied Hosen auf einmal zu weit sind – mit Gürteln können die Kleinen nicht umgehen.

Diese praktischen Tipps helfen:

  • Um T-Shirts auszuziehen, lassen Sie das Kind unter den Arm fassen und das Shirt so dehnen, dass es den Arm herausziehen kann. Den Rest bekommen die Kleinen dann alleine hin.
  • Zeigen Sie immer wieder, wie Ihr Kind mit beiden Daumen in die Strümpfe fassen und sie so auseinanderziehen kann, damit die Zehen alle auf einmal hineinpassen.
  • Legen Sie T-Shirts und Hosen richtig herum vor das Kind. Aufdrucke und Schildchen helfen zu erkennen, wie herum das Kleidungsstück getragen werden muss.
  • Tauschen Sie Bodys gegen Hemd und Slip, sobald Ihr Kind selbst auf die Toilette geht.
  • Und für kleine Verweigerer: Kinder sind meist motivierter bei der Sache, wenn sie sich ihre Kleidung mit aussuchen dürfen. "Wollen sie dann trotzdem keine der vorgeschlagenen Klamotten anziehen, sondern lieber im Schlafanzug oder Tütü in den Kindergarten, können Eltern sie auch einfach mal lassen", sagt Schneider. Die Wechselklamotten am besten in einer Tasche mitgeben. "Kinder erziehen sich auch gegenseitig." Sie hat erlebt: Beim Abholen tragen die Kleinen meist die Sachen aus der Tasche.
Lifehack Activity Board

Im Kindergartenalter kommen die Verschlüsse dran

Mit etwa dreieinhalb Jahren haben viele ­ihre Kleidung im Griff. Nur bei den Details hapert es noch: Reißverschlüsse, Steckverschlüsse, Knöpfe. Auch hier bringt üben und reden die Kleinen weiter. Manchen Kindern helfen Bücher, die verschiedene Verschlüsse zum Öffnen und Schließen bieten. "Ich setze bei mir in der Praxis sogenannte Montessori-Rahmen ein", sagt Schneider. "Das sind kleine, mit Stoff bespannte Holzrahmen, auf denen Kinder zum Beispiel mit Druckknöpfen oder Reißverschlüssen üben können." Die Rahmen lassen sich leicht selbst herstellen – genau wie sogenannte Activity-Boards, bei denen viele verschiedene Verschlüsse auf einer Tafel angebracht sind. An der Kleidung erleichtern große Knöpfe und ein Zipper den Anfang. Spätes­tens mit fünf Jahren wollen Kinder alles alleine schaffen. Da heißt es, genug Zeit einplanen. Anziehen dauert einfach ein bisschen.

Das berühmte Schleifebinden können Kinder kurz vor Schuleintritt üben. Auch wenn es heute nicht mehr allzu viele Schuhe mit Schnürsenkeln gibt – die Feinmotorik ist in diesem Alter da. Um den komplizierten Ablauf zu erleichtern, können Eltern eine Schnur durch ein Stück Holz oder Pappe fädeln. Wer seine Schuhe selbst binden kann, hat meist auch kein Prob­lem mit "Entenfüßen" mehr. Manche Kinder ziehen die Schuhe sehr ­­lange falsch herum an. Eltern stellen die Schuhe dann am besten immer richtig herum vor das Kind. Auch ein kleiner Hinweis auf einem Schuh kann nützlich sein. "Ich zerschneide dazu einen Sticker und klebe eine Hälfte in den linken Schuh und eine in den rechten", erklärt Schneider. Auf keinen Fall sollten die Kleinen mit "Entenfüßen" herumflitzen. Das tut weh und schadet der Fußentwicklung.

Komplizierte Kleidung: Mehr Hilfe nötig

Der Winter bleibt lange eine Herausforderung. Wer zwei Pullover und einen ­­dicken Schneeanzug trägt, schafft es kaum noch, bis zu den Füßen zu kommen. Da müssen die ­Eltern auch bei den Größeren noch helfen. Gut, wenn dann nicht auch noch Fingerhandschuhe und komplizierte Mützen auf ungeduldige Kleine lauern.


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