Selbst anziehen: Wie lernen Kinder das?

Die Schuhe ziehen sich Babys oft schon selbst aus. Aber bis es mit Knöpfen und Reißverschlüssen klappt, müssen Kinder viel üben

von Annett Zündorf, aktualisiert am 21.01.2016

Anziehen will gelernt sein. Kinder wollen es meist schon früh selbst probieren


Ein freudiges Kreischen, ein kurzes Ziehen und schwupp, schon hält das Baby den Strumpf in der Hand, den Mama gerade mühevoll über die kleinen, widerspenstigen Zehen gezogen hat. Gut so. Denn dieses Ausziehen ist der erste Mini-Schritt der Jüngsten, das Anziehen zu lernen.

Stolpersteine auf dem Weg dahin gibt es viele: enge Strumpf­hosen, Knöpfe, Gürtel, dicke Jacken, Fingerhandschuhe, Schleifen und Reißverschlüsse. Erst mit Schulbeginn können die meisten Kinder jedes Teil ihrer Kleidung selbst an- und ausziehen, öffnen und schließen.

Mit einem Jahr üben Kinder das Ausziehen

"Das Ausziehen geht dabei am leichtesten", erklärt Sylke Knoll, stellvertretende Leiterin der ­Kita Seidelhaus in Jena. Schon nach dem ersten Geburtstag versuchen manche Knirpse, Schuhe und Strümpfe selbst von den Füßen zu ziehen, auch wenn das oft noch nicht gelingt.

Mit zwei klappt Hose hoch- und runterziehen

Kurz vor dem zweiten Geburtstag zerren sie an ihrer Hose, um sie nach unten zu ­ziehen. "Die Motorik ist meist aber noch nicht ausreichend ausgebildet", sagt Knoll. Die Hose hoch- und runterziehen, das lernen Kinder erst allmählich zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag. T-Shirts können viele schon selbst über den Kopf bugsieren. Die wichtigste Elternhilfe dabei: "Reden, reden, reden", sagt Knoll. "Begleiten Sie jeden Schritt mit Worten. ‚Jetzt nehmen wir das linke Bein und stecken es in die Hose, jetzt das rechte. Und jetzt zieh sie nach oben‘."

Die richtige Kleidung macht's leichter

Voller Stolz präsentiert sich der Nachwuchs, wenn er es endlich zum ersten Mal schafft, ­allein in die Kleidung zu schlüpfen. Trotzdem werden noch viele Monate T-Shirts linksherum getragen, landen zwei Beine in einem Hosen­bein, zeigen sich auf dem Fußspann die Strumpf-Fersen. Dann gilt: nicht meckern, sondern loben, was das Kind schon geschafft hat. Leichter tut sich das Kleine auch mit der richtigen Kleidung: Hosen mit einem Stoffbund sind für den Anfang einfacher als Jeans mit Knopfverschluss. Dehnbare Stoffe helfen, Arme und Kopf leichter durch die richtigen ­Löcher zu schieben. Und auch wenn nach dem Windelabschied Hosen auf einmal zu weit sind – mit Gürteln können die Kleinen nicht umgehen.

Diese praktischen Tipps helfen:

- Um T-Shirts auszuziehen, lassen Sie das Kind unter den Arm fassen und das Shirt so dehnen, dass es den Arm herausziehen kann. Den Rest bekommen die Kleinen dann alleine hin.

- Zeigen Sie immer wieder, wie Ihr Kind mit beiden Daumen in die Strümpfe fassen und sie so auseinanderziehen kann, damit die Zehen alle auf einmal hineinpassen.

- Legen Sie T-Shirts und Hosen richtig herum vor das Kind. Aufdrucke und Schildchen helfen zu erkennen, wie herum das Kleidungsstück getragen werden muss.

- Tauschen Sie Bodys gegen Hemd und Slip, sobald Ihr Kind selbst auf die Toilette geht.

- Und für kleine Verweigerer: Kinder sind meist motivierter bei der Sache, wenn sie sich ihre Kleidung mit aussuchen dürfen.

Im Kindergartenalter kommen die Verschlüsse dran

Mit etwa dreieinhalb Jahren haben viele ­ihre Kleidung im Griff. Nur bei den Details hapert es noch: Reißverschlüsse, Steckverschlüsse, Knöpfe. Auch hier bringt üben und reden die Kleinen weiter. Manchen Kindern helfen Bücher, die verschiedene Verschlüsse zum Öffnen und Schließen bieten. An der Kleidung erleichtern große Knöpfe und ein Zipper den Anfang. "Spätes­tens mit fünf Jahren wollen Kinder alles alleine schaffen", so Knoll. "Da heißt es, genug Zeit einplanen." Anziehen dauert einfach ein bisschen.

Das berühmte Schleifen­binden können Kinder kurz vor Schuleintritt üben. Auch wenn es heute nicht mehr allzu viele Schuhe mit Schnürsenkeln gibt – die Feinmotorik ist in diesem Alter da. Um ihren Schützlingen den komplizierten Ablauf zu erleichtern, fädelt Knoll eine Schnur durch ein Stück Holz oder Pappe. Wer seine Schuhe selbst binden kann, hat meist auch kein Prob­lem mit "Entenfüßen" mehr. "Manche Kinder ziehen die Schuhe sehr ­­lange falsch herum an. Stellen Sie so lange die Schuhe immer richtig herum vor das Kind", rät Knoll. Auch ein kleiner Hinweis auf einem Schuh kann nützlich sein. Auf keinen Fall sollten die Kleinen mit "Entenfüßen" herumflitzen. Das tut weh und schadet der Fußentwicklung.

Dicke Winterkleidung: Mehr Hilfe nötig

Der Winter bleibt lange eine Herausforderung. Wer zwei Pullover und einen ­­dicken Schneeanzug trägt, schafft es kaum noch, bis zu den Füßen zu kommen. Da müssen die ­Eltern auch bei den Größeren noch helfen. Gut, wenn dann nicht auch noch Fingerhandschuhe und komplizierte Mützen auf ungeduldige Kleine lauern.


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