Schon im Kindergarten schreiben lernen?

Oft interessieren sich schon Kindergartenkinder für Buchstaben. Sollen Eltern dann schon das Schreibenlernen fördern?

von Claudia Jacobs, aktualisiert am 21.07.2017

Buchstabensalat: Manche Vierjährige interessieren sich schon fürs Schreiben


A, E, I, O, U – manche Kinder interessieren sich schon früh für die geheimnisvollen Zeichen aus der Welt der Erwachsenen. Wenn Kindergartenknirpse mit ersten Schriftbeweisen (Lia mak Lili) nach Hause kommen, mischt sich die freudige Überraschung häufig mit einer gewissen Ratlosigkeit: Dürfen, sollen, müssen Eltern den frühen Lern­eifer fördern?

Eltern sollten nicht ‚Schule‘ spielen

Beruhigend zunächst für alle Eltern: Lesen und schreiben lernen Kinder in der Grundschule. ­Keine Lehrerin erwartet, dass ein Kind schon beherrscht, was ihm eigentlich erst beigebracht werden soll. Aber: Wenn sich bereits Vierjährige wissbegierig und neugierig zeigen, spricht alles dafür, sie auf ihrem aufregenden Weg in das Reich der Schriftsprache zu unterstützen. Bleibt nur die Frage nach dem Wie. "Auf keinen Fall sollten Eltern ‚Schule‘ spielen", sagt die Pädagogik-Professorin Erika Brinkmann aus Schwäbisch Gmünd.

Der Ratschlag der Expertin: auf die Fragen der Kinder reagieren, indem man zum Beispiel die Buchstaben und Wörter aufschreibt, die sich das Kind wünscht. Oder indem man einzelne Wörter vorliest, wenn das Kind fragt: "Was steht da?" Bei einzelnen Buchstaben gilt die Regel: den Buchstabenlaut nennen, nicht den Buchstabennamen, ­also "b" statt "be". Mütter und Väter dürfen ihre Kinder auch dazu anregen, auf die Schrift in ihrer Umwelt zu achten – etwa durch Zeigen auf Schilder: "Schau mal, da steht ..." oder "Ich schreibe den Einkaufszettel. Was brauchen wir?"

Korrekte Schreibweise kommt später

Fantastisch: Kinder, die erste Wörter und Sätze aufschreiben, haben das wichtigste Prinzip unserer alphabetischen Schrift verstanden. Sie "übersetzen" gesprochene Sprache in Buchstaben und achten dabei darauf, was sie beim Sprechen im Mund spüren und wie es klingt. Ein großartiger Schritt! Jetzt braucht es Erwachsene, die dem Kind signalisieren: "Toll! Ich kann lesen, was du geschrieben ­hast!" Manchmal können die Großen aber das Geschriebene von Kindern nicht gleich entschlüsseln. Da hilft es, sich alles erstmal laut vorlesen zu lassen. Um die korrekte Schreibweise von Buchstaben und Wörtern müssen sich Eltern keine Sorgen machen: Ihr werden sich die Kinder dann mit der richtigen Unterstützung durch die Schule nähern.

Kind bei Interesse experimentieren lassen

Sich viel mit Kindern unterhalten, gemeinsam singen und Sprachspiele machen – grundsätzlich können Eltern nichts Besseres tun, um das phonemische Verständnis ihrer Kinder zu fördern. Hilfreich überdies für den Schriftspracherwerb: im Kinderzimmer ein Plakat aufhängen mit großen Buchstaben und einem jeweils passenden Anlautbild (T = Tiger). Interessierte Kinder können sich damit selbstständig die Laute der Buchstaben erschließen und anfangen, erste Wörter aufzuschreiben. Idealerweise gehören dazu in jeden Haushalt unterschiedliches Papier und Stifte, damit Kinder malen und mit Schrift experimentieren können, wann immer sie Lust dazu haben. Viele Kinder freuen sich, wenn sie schon vor der Schule ein Mäppchen geschenkt bekommen. Die Stifte sollten gut in die kleinen Hände passen: Bewährt haben sich dicke, dreieckige Bunt- und Bleistifte mit weichen Minen.

Macht jedem Kind Freude: wenn Eltern ihm helfen, Wörter und Bilder nach seinen Wünschen auszuschneiden, selbst zu malen, aufzukleben, aufzuschreiben. Mütter und Väter können immer wieder ihre Dienste anbieten, nach dem Motto: "Soll ich dir das aufschreiben?" Auch eine gute Idee: mit dem Kind ein schönes Kästchen basteln für seine Lieblingswörter, die man ihm nach und nach auf kleinen Karten schenkt. Oma, Opa, Tanten und Freunde können Briefe oder E-Mails schreiben. Selbstverständlich wird – mit Hilfe – jede Post beantwortet.

Vorlesen vermittelt Freude am Lesenlernen

Wichtiger als Erstlesebücher zu kaufen ist laut Expertin Brinkmann das Vorlesen. Ein einziger Genuss: gemütlich mit Mama und Papa zu kuscheln und gemeinsam in ­eine Geschichte einzutauchen. Eltern sollten dabei mit dem Finger zeigen, welches Wort sie gerade lesen, rät Brinkmann. So erfahren Kinder beiläufig, dass Schrift Bedeutung trägt, dass man oben links beginnt und am Zeilen­ende wieder nach links in die nächste Zeile springt. Aber vor allem sollen Kinder erleben, dass es Freude macht, sich von Geschichten fesseln zu lassen, und es sich deshalb lohnt, selbst lesen zu lernen.

Jetzt ist Schluss: Woran merken Eltern, dass sie nicht mehr fördern, sondern ihr Kind nerven? Erika Brinkmann: "Wenn es keine Lust und vor allem keine Fragen mehr hat, ist es genug."

Starthilfe durch Computer oder Tablet

Gerade wenn es um die Verbindung von Schrift und gesprochener Sprache geht, sind digitale Geräte gute Lernpartner. Spiele, bei denen man Laute vergleichen oder Buchstaben zuordnen soll, helfen beim Einstieg ins Lesen- und Schreibenlernen. Auch Programme, die nach­sprechen, was ein Kind eingetippt hat, sind wichtig: Sie spiegeln dem Kind zurück, welche Laute es aufge­schrieben hat. So merkt es zum Beispiel, dass "TMT" noch nicht "Tomate" heißt.


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