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Schnuller – ja oder nein?

Wie von Zauberhand beruhigt so ein Nuckel Babys und gibt ihnen ein wohliges Gefühl. Wie Eltern den Schnuller sparsam dosiert einsetzen und ihr Kleines später sanft entwöhnen können

von Nele Langosch, 13.07.2020

Als mein Sohn etwa zwei Monate alt war, wollte er die ganze Zeit saugen. Nicht nur an der Brust. Zumindest wenn er satt war, war ihm auch der Oberarm recht. Manchmal saugte er so stark, dass ich dunkelrote Knutschflecke bekam. Ein Schnuller musste her, es war der Beginn einer innigen Beziehung. Mein Sohn liebt seinen Schnuller."Kinder bauen beim Saugen Spannung ab", erklärt Gudrun Schwarzer, Professorin für Entwicklungspsychologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Schon im Mutterleib nuckeln Babys an ihrem Daumen. Nach der Geburt lernen sie durch den Saugreflex, an der Brust zu trinken.

Kinder haben starkes Saugbedürfnis

Einige Kinder haben darüber hinaus ein starkes Saugbedürfnis. "Der Schnuller ermöglicht ihnen, sich selbst zu regulieren", erklärt Schwarzer. Besonders wenn Babys müde, aufgeregt oder verunsichert sind, tut ihnen der Nuckel gut. Auch wenn sie ihrem Bewegungsdrang nicht nachgeben können, etwa während langer Autofahrten, kann er helfen. Außerdem scheint es das Risiko für plötzlichen Kindstod zu senken, wenn der Schnuller zum Einschlafen gegeben wird, haben Studien gezeigt. Jedoch ist der genaue Wirkmechanismus unklar. Andererseits erhöht der Nuckel die Wahrscheinlichkeit für Mittelohrentzündungen.

Steffen Büchner, Kinder- und Jugendarzt in Güstrow

Auch Schreien muss mal sein

Damit die Milchproduktion in Gang kommt, wird teils empfohlen, den Nuckel erst einzusetzen, wenn das Stillen gut funktioniert. Ganz klar: Es geht beim Schnuller nicht darum, das Baby einfach ruhigzustellen. "Ein Kind darf seine Bedürfnisse auch durch Schreien äußern", sagt Steffen Büchner, Kinder- und Jugendarzt mit eigener Praxis in Güstrow. Vielleicht möchte es in diesem Moment gar nicht saugen, sondern etwas zu essen, eine warme Decke, hat Schmerzen oder will einfach ein bisschen kuscheln. "Das müssen Eltern lernen einzuschätzen", sagt Steffen Büchner. Außerdem reinigen Eltern den Schnuller regelmäßig. Der Kinderarzt empfiehlt, ihn mehrmals täglich abzuspülen, insbesondere wenn er auf den Boden gefallen ist, und ihn alle zwei Tage zu sterilisieren oder abzukochen. Je kleiner die Kinder, desto genauer müssen Eltern die Hygiene nehmen. Sobald der Sauger oder das Schild des Schnullers kaputtgehen, gehört ein neuer her.

Johanna Kant, Kinderzahnärztin in Oldenburg

Größe und Form sind entscheidend

Die meisten Saugteile bestehen heute aus transparentem Silikon und aus Latex. Entscheidend sind vor allem Größe und Form. "Je weniger Platz der Schnuller im Mund beansprucht, desto besser", sagt Johanna Kant, die als niedergelassene Kinderzahnärztin in Oldenburg arbeitet. Sie empfiehlt: Lieber bei der kleinen Schnullergröße bleiben, als ihn "mitwachsen" lassen.

Und: Besser flache als runde Modelle wählen, denn der Schnuller beeinflusst die Lage der Zunge im Mund. "Dadurch kann der Schluckvorgang nicht korrekt stattfinden. Die unnatürliche Zungenlage begünstigt, dass sich der Kiefer nicht richtig ausformt", sagt die Kinderzahnärztin. Eine mögliche Folge: Zahnfehlstellungen wie ein offener Biss. Um dem vorzubeugen, gewöhnen Eltern den Schnuller möglichst früh wieder ab. Vorteil: "Wenn die Zungenfunktion nicht beeinflusst wurde, kann sich eine Zahnfehlstellung innerhalb weniger Monate spontan zurückbilden", sagt Johanna Kant. Deshalb rät sie, den Nuckel noch im zweiten Lebensjahr loszuwerden.

Ab dem 1. Geburtstag nur noch eine Ausnahme

Auch Kinderarzt Büchner sagt: "Nach dem ersten Geburtstag sollte das Kind den Schnuller nur noch selten nutzen, etwa zum Einschlafen oder in Ausnahmesituationen. Ab dem zweiten Geburtstag sollte der Nuckel weg. "Den richtigen Zeitpunkt muss letztlich jede Familie für sich selbst finden. Wichtig ist, dass das Kind bisdahin gelernt hat, sich auch ohne Schnuller selbst zu beruhigen. Hier seien die Eltern gefragt, meint Entwicklungspsychologin Schwarzer. "Bieten Sie Ihrem Kind bei Unwohlsein andere Lösungen an, etwa Kuscheln mit dem Plüschhasen, gemeinsames Singen oder Musikhören."

Einige Kinder verlangen ganz von allein immer seltener nach dem Schnuller. Eltern können das unterstützen, indem sie keine Nuckel herumliegen lassen oder häufiger mit dem Kind schmusen. Anderen hilft es, sich mit einem Ritual bewusst vom Schnuller zu verabschieden. Dafür kann das Kind, sobald es dazu bereit ist, abends alle Schnuller auf die Fensterbank legen, wo die Schnullerfee sie über Nacht gegen ein Geschenk eintauscht. Oder es vergräbt die Nuckel in einem Topf mit Erde, und die Eltern legen (heimlich) ein paar Samen dazu. So wächst eine schöne "Schnullerblume" daraus. In vielen Städten gibt es zudem Bäume oder Sträucher, an die man die Schnuller hängen kann.

Mein Sohn ist nun fast eineinhalb Jahre alt und braucht den Schnuller nur noch zum Einschlafen oder wenn er sehr müde ist. Insgeheim hoffe ich, dass er sich den Nuckel selbst abgewöhnt. Wenn nicht, kenne ich abereinen schönen Schnullerbaum ganz in der Nähe.


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