Mein Baby & ich: Wo bleibt die Romantik?

Kolumne: Den Jahrestag feiern Redakteurin Julia Schulters und ihr Freund Felix in einem Restaurant. Natürlich mit dabei: Baby Merle

von Julia Schulters, aktualisiert am 03.03.2017

Baby-und-Familie-Redakteurin Julia Schulters ist bekennende Romantikerin


Blumen am Jahrestag, Candle-Light-Dinner – ich mag es ­gerne so richtig romantisch. Leider sieht mein Liebster die Sache mit der Romantik eher nüchtern. "Ist doch alles nur Kitsch und ­Klischee", findet Felix, wenn ich alle Jahre wieder subtil die Blumenvase entstaube und vergebens auf ein paar Rosen hoffe.

Diesmal aber fasste Felix anlässlich unseres ersten Jahres­tages mit Baby tatsächlich ­einen Restaurantbesuch ins ­Auge. Traditionelle Küche, modern interpretiert im Gasthof um die Ecke. Ich war hin und weg.

Kinderfreundliche Restaurants: Gibt es die wirklich?

Wir reservierten einen Platz, zwischen Stillmahlzeit Nummer fünf und sechs, im hinteren Restaurantbereich mit Kinderwagenstellplatz. Während wir Wiener Schnitzel mit Kartoffel-Gurken-Salat orderten, fegte Merle mit ihrem Kuschelfrosch mein Heißgetränk vom Tisch: Fenchel-Anis-Kümmel-Tee. Leicht bekömmlich und stillfreundlich. Nur ­leider nicht unsichtbar auf hellem Restaurantparkett. Upps.

Ins­tinktiv griff ich zu meinen saugfähigen Ersatz-Stilleinlagen aus dem Windelbeutel und robbte über den Boden, während die Kellnerin des ausgewiesen kinderfreundlichen Restaurants pikiert dreinschauend den Mopp ­holte. Merle quietschte vor Vergnügen, Felix meldete sich zum freiwilligen Windelcheck und verschwand samt Nachwuchs auf dem Herrenklo.

Merle's Stuhlfarbe? Ein Grund zum Anstoßen

Er kehrte an unseren Tisch zurück mit einer Nachricht, die unserem vierjährigen Beziehungsjubiläum stimmungstechnisch das i-Tüpfelchen aufsetzen sollte. "Er war orange", vermeldete mein Liebster stolz und referierte detailliert über Merles jüngsten Windelinhalt. Geformt, fest, etwas streng im Geruch. "Dann ist also was von der Karotte ange­kommen", entfuhr es mir euphorisch. Die Dame am Nachbartisch rümpfte die Nase. Wir stießen an.

Ein so romantisches Geschenk: Stillhütchen

"Hast du eigentlich die Stillhütchen sauber gemacht?", fragte ich Felix, während ich in der Tasche nach selbigen kramte. "Im Sterilisator", entgegnete Felix und kaute auf seinem Schnitzel. "Ich hab übrigens endlich dieses Bodenteil da mal eingebaut", schob er hinterher. "Das lag ja schon die ganze Zeit im Schrank herum." Ich, Sterilisations­beauf­tragte in unserem Haushalt, war schockiert. Felix‘ Umbaumaßnahme an unserem Multifunktions-Vaporisator hatte dazu geführt, dass meine Stillhütchen bei geringer Wärmezufuhr lediglich zwei Minuten schonend dampfgegart worden waren.

Ich war erbost. "Du bist schuld, wenn ­Merle krank wird", fauchte ich. "Und du hast ‘nen Hygiene­fimmel", fauchte Felix zurück. Wir zahlten. Am nächsten Vormittag haben wir uns wieder vertragen. Felix ließ diesmal sogar Geschenke sprechen: zwei neue Stillhütchen in ­Größe M. Er kann so romantisch sein!


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