Mein Baby & ich: Mit Merle im Flugzeug

Beim Fliegen ist Mama Julia Schulters ein ganz schöner Angsthase. Zum Glück sorgt Tochter Merle für jede Menge Ablenkung
von Julia Schulters, aktualisiert am 03.03.2017

Redakteurin Julia Schulters hat ein Mittel gegen Flugangst gefunden: Tochter Merle

W&B/Stephan Höck

Das Beste an einem Flug mit Baby ist, dass Angsthasen wie ich keine Zeit haben, sich über Luftlöcher und verdächtige G­eräusche Gedanken zu machen. Sogar der technische ­Defekt, der unseren Abflug nach Palma de Mallorca um ­eine halbe Stunde verzögerte, berührte mich dieses Mal kaum. Wichtiger erschien mir die Frage, wie zwei Obstgläschen, Merles Trinkflasche und ­eine Handvoll Bilderbücher in die Sitztasche passen sollten.

"Merle brüllte, ich errötete"

Während mein Liebster – Längenmaß 1,93 Meter – die Wickel­tasche im Fußraum neben der Schwimmweste verstaute­ und mit ange­zogenen Beinen auf dem Mittelsitz Platz nehmen konnte,­ entwirrte ich den ­Eltern-Baby-Gurt. "So, wir setzen uns jetzt hin", sagte ich zu ­Merle. Die zog es aber vor, nur an den Füßen angeschnallt auf meinem Schoß zu stehen und Sicherheitskarte und Kotztüte über die Schulter unseres Vordermanns fallen zu lassen. "Tschuldigung", stammelte ich durch den Spalt zum Vordersitz und bemühte mich ­erfolglos, zwei steife­ Babybeine zum Einknicken zu bewegen. Merle brüllte, ich errötete.

Feuchttücher-GAU mit Folgen

Zum Glück eroberte unser Sitznachbar – Kinderfreund und laut ­T-Shirt Bierkönig von Mallorca – das Herz unserer Tochter mit ­seinem Strohhut im Sturm. In den sortierte Merle nun abwechselnd ihren Schnuller und zwei angelutschte Dinkelkekse ein und aus – zur Freude­ der Kabinenbesatzung sitzend. Die gute Laune hielt, bis wir die Reise­flughöhe erreicht hatten und Merle sich ihrer Verdauung widmete. "Ich finde die Feuchttücher nicht", rief ich panisch und wühlte mit einer Hand zwischen Klapptisch und Oberschenkeln in der Wickeltasche.

Schließlich quetschten wir uns samt Wickeltasche und Baby am Bierkönig vorbei und schoben eine Stewardess samt Servierwagen ­zurück in ihre Teeküche. Während Felix eine halbe Rolle fusseliges Klo­papier anfeuchtete, versuchte ich unsere strampelnde Tochter auf dem ausklappbaren Miniwickeltisch zu bändigen – und brachte dabei ­eine Vorrats­dose Wundschutzcreme zu Fall, deren Inhalt nun den Bord­toilettenboden weiß befleckte.

Ankunft: Schwitzend, aber glücklich

Wir schafften es gerade noch bis zum Aufleuchten der Anschnall­zeichen, Merles Popo und den Boden gleichermaßen zu reinigen – und landeten schweißgebadet auf mallorquinischem Boden. Unsere Tochter hatte sich, kurz bevor das Fahrwerk aufsetzte, ins Land der Träume verabschiedet. Den Kopf an meine Brust gelehnt, die Beinchen auf eine Plas­tikpackung gebettet, die irgendwo zwischen Fenstersitz und Flugzeugwand klemmte: einem Paket Feuchttüchter, sensitiv, ohne Alkohol.


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