Mein Baby & ich: Merle isst – gerne Fertigbrei

Kolumne: Nur das Beste für das Baby! Deshalb kocht Mama Julia Schulters den Brei selbst – doch Merle pfeift auf guten Geschmack

von Julia Schulters, aktualisiert am 03.03.2017
Mutter füttert Baby

Einmaliger Versuch: Julia Schulters füttert Baby Merle selbstgekochten Brei


Wenn Ernährungsgewohnheiten vererbt werden, dann wird unsere Tochter später einen großen Bogen um die Obst- und Gemüsetheken dieser Welt machen. Jeden­falls dann, wenn sie nach mir kommt. Ich ziehe ­jede Tiefkühl­­pizza einer aufwendig hergestellten Rote-Bete-Suppe vor und habe heute noch ein Problem mit Fruchtfleisch in frisch gepresstem Orangensaft.

Ehrlich, ich weiß um mein Laster. Und ja, ich schäme mich in Grund und Boden, wenn ich meinen Vanilleeis-­Spaghetti-Ketchup-Einkaufskorb an der Kasse neben Leuten ausleeren muss, die Vollkornbrot und Magerquark zu ihren Standard-Lebens­mitteln zählen.

Ist ungesunde Ernährung vererbbar?

Mein schlechtes Gewissen meldete sich deshalb sofort, als ich meiner Freundin Catrin – Hebamme und zweifache Natur­talent-Mutter – über Merles Beikosteinführung erzählte. Früh­karotte, fein ­püriert aus dem Gläschen. Merle hatte die ers­ten Löffelchen mit Begeisterung heruntergeschlungen. Catrin war geschockt. "Du kochst nicht selber?", entfuhr es ihr vorwurfsvoll. "Ähm, nö", antwortete ich kleinlaut und sagte etwas von strengen Lebens­mittel­kontrollen und Biogemüse-Qualität. Catrin belehrte mich, dass ich Merle auf diese Weise niemals an den natürlichen Geschmack selbst gekochter, gesunder Nahrung heranführen würde.

Ich war alarmiert. War ich vielleicht nur zu einem Ökotrophologen-Albtraum geworden, weil meine Mutter mir früher Fertigmenüs aus dem Glas serviert hatte? Na danke, Mama! Noch am selben Abend bestellte ich zwei Brei-Kochbücher, deren Kundenbewertungen mich restlos überzeugten. "So einfach und soooo gesund", schrieb Selbstkochermammi1985.

Viele Köche verderben den Brei? Eine reicht auch!

Merle und ich spazierten am nächsten Morgen aus dem Biomarkt mit einer Handvoll Kartoffeln, drei Möhren aus regionalem Anbau, ­einer Flasche Apfeldirektsaft und 750 Milliliter reinem Rapsöl. Ich setzte Merle in die Wippe, während ich das Gemüse bei schwacher Hitze schonend dampfgarte.

Dann begann ich zu pürieren. Fünf Minuten, zehn Minuten. Nach einer Viertelstunde überprüfte ich das Klingen-Messer-System meines Stabmixers, denn irgendeinen Grund musste es doch haben, dass diese verdammten Möhren immer noch nicht eine Merle-Mund-verträgliche Konsistenz aufwiesen. Ich pürierte weiter. Merle heulte – und lutschte frustriert an ihrem Lätzchen.

Gesundes Essen? Nur ohne Abstriche beim Geschmack!

30 Minuten später konnte ich ihr endlich stolz servieren: Kartoffel-Karotten-Brei à la Mutti. Farbe: orange, Konsistenz: Kleister mit Stückchen, Geschmack: geht so. Merle bedankte sich, indem sie mein Eigenwerk erst schimpfend und dann prustend auf meinem Pullover verteilte. In Geschmacksfragen diskutiert sie nicht: ganz die Mama.


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