Mein Baby & ich: Drama auf dem Spielplatz

Nirgendwo fühlt sich Merle wohler als auf dem Spielplatz. Und genau dort fürchtet Mama Julia Schulters, allmählich ihren guten Ruf zu verlieren …

von Julia Schulters, aktualisiert am 03.03.2017
Mein Baby & ich

Lieber mit Aufsicht auf die Rutsche: Merle und Mama Julia Schulters


Seitdem unsere Tochter ihre große Leidenschaft für Matsch und Sand entdeckt hat, verbringen wir im Schnitt drei Stunden pro Nachmittag auf dem Spielplatz: Ich schwöre, ich kenne mittler­weile jedes Kind im Sandkasten mit Namen und aktuellem Infekt­status und weiß, ob es per Kaiserschnitt oder natürlich geboren wurde. Und interessanterweise zweifle ich nirgendwo mehr an meinen Mutterqualitäten als auf der Sitzbank zwischen Motorradwippe und Elefantenrüssel-Rutsche.

Versagen als Spielplatz-Mutti?

Denn: 1. Merles Sozialverhalten im Hinblick auf das Verleihen von Schaufel und Eimer ist nicht nur ausbaufähig, sondern ehrlicherweise nicht vorhanden. 2. Merles grellgelbe Matschhose ist nicht nur die schmutzigste, sondern mit Abstand auch die hässlichste auf dem Spielplatz-Laufsteg. 3. Während andere Spielplatz-Muttis Butterbrotdosen voller fein gehobel­ter Apfelscheiben, Möhren-Sticks und selbst gebackener Dinkel-Muffins aus den Wickeltaschen zaubern, fische ich – wenn es gut läuft – zwei vertrocknete Tierkekse mit Sandhäubchen vom Vortag aus dem Jutebeutel.

Der Kleinen mal was zutrauen!

Neulich – ich hatte mich gerade angeregt mit meiner Spielplatzfreundin Ina über die Vorteile längenverstellbarer Schiebestangen bei ­Buggys ausgetauscht –, tippte mir Bea, übervorsorgliche Zwillingsmädchenmutter, auf die Schulter. "Du, ist das okay, dass die Merle ganz alleine die Rutsche hochklettert?" "Klar", antwortete ich und war gerade dabei auszuholen, wie wichtig es doch sei, Kindern auch mal was zuzutrauen, da tat es einen Rums – und meine Tochter lag rücklings auf dem Boden.

Pädagogisch wertvoll trösten? Nächstes Mal...

Ich eilte unter den vorwurfsvollen Blicken sämtlicher Spielplatzbesucher meiner Tochter zu Hilfe, die wie am Spieß schrie, sich aber ­weder durch gutes Zureden noch durch Beas Mini-Bio-Maiswaffeln beruhigen ließ. Und weil nun mal nichts anderes half, griff ich zum äußersten Mittel: "Merle, willst du auf Mamas Handy Videos anschauen?" "Jaaaaahaaaaaa", heulte mein Kind und war auf der Stelle geheilt. Während ich mit hochrotem Kopf unser Sandspielzeug einsammelte und unsere Tochter un­beaufsichtigt Zeichentrick-Äffchen-Videos auf der Bank streamte, entwendete ich Juri, anderthalb und wenig einsichtig, unser Eisförmchen, was dieser wiederum hysterisch kreischend verteidigte.

Bitteres Ende eines katastrophalen Nachmittags

Ja, ich würde das jetzt auch denken: Unvorsichtige Rabenmutter lässt ihr Kind von der Rutsche segeln, um es dann vor ihrem Handy zu parken und kleine Jungen im Sandkasten unglücklich zu machen. Kann ein Nachmittag schlimmer enden? Er kann. Noch am Spielplatztörchen entdeckte ich einen Aufkleber im Eisförmchen: Dieses Spielzeug gehört Juri.


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