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Kolumne: Die Sache mit dem „Sch“-Wort!

Kraftausdrücke und Schimpfwörter gehören bei Kindern auf dem Schulhof zum „guten Ton“. Unsere Autorin Sandra Schmid hört sie von ihrer Tochter auch immer häufiger – und bleibt gelassen

von Sandra Schmid, 17.10.2012
Flüstern

Wer kennt die coolsten Kraftausdrücke? Kinder finden sie oft unglaublich witzig


"Ach Mama, das sieht doch kacke aus!" – "Nein, das tut es nicht. Du brauchst eine Regenjacke. Und ob die nun blau oder grün ist, ist doch egal." – "Nein, ist es eben nicht. Blau ist scheiße!" Solche und ähnliche Gespräche führen meine sechsjährige Tochter Marlene und ich in letzter Zeit öfter. Schimpfwörter inklusive. Im Zuge solcher Kraftausdrucks-Konversationen erfahre ich dann auch, dass ihre ehemals beste Freundin jetzt eine "voll blöde Gans" ist, Jungs sich meistens als "große Arschgeigen" erweisen und Spinat neuerdings nach "Kuhscheiße" schmecken würde.

Auch der Mama rutscht das "Sch"-Wort mal raus

Seit einem guten halben Jahr haben sich Fäkal- und Schimpfwörtchen in die Alltagssprache meiner Tochter eingeschlichen. "Wo sie das wohl her hat?", fragt mein Vater bisweilen sehr süffisant. Ja, um ganz ehrlich zu sein: Ich will nicht die komplette Schuld auf ehemalige Kindergarten- und jetzige Schulfreunde schieben. Denn ich bin schon selbst auch jemand, der Missgeschicke häufig mit dem "Sch"-Wort kommentiert oder nicht funktionierende Computer mit Tiernamen belegt. Ich hoffte ja insgeheim, dass nach der Geburt meiner Tochter eine natürliche Wende zur wohlgeformten Schön-Sprache eintreten würde. Und ich war auch wirklich gewillt, Argwohn und Unmut mit Wörtern wie "Mist" oder "Quatsch" Ausdruck zu verleihen. Vor allem dann, wenn sich Marlene im gleichen Raum befindet. Aber Schei...benkleister, es hat nicht geklappt.

Was reimt sich auf "Arsch"?

Sei’s drum. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Schimpfen an sich ein nützlicher Kanal sein kann, um Aggressionen oder momentanen Frust abzubauen. Das sieht man in wissenschaftlichen Kreisen übrigens genau so. Das "Sch"-Wort löst erfahrungsgemäß so manchen Knoten im Hals. Deswegen verstehe ich meine Tochter auch so gut, wenn sie manchmal rustikaler in ihrer Wortwahl wird. Manchmal reicht ein "Liebe Mutter, das gefällt mir jetzt nicht so gut" einfach nicht aus. Dann muss es ein "Das ist doch voll scheiße!" sein. Und wenn Marlene und ihre Freundinnen in der Küche um mich rumtanzen und kichernd und glucksend alle Worte aufzählen, die sich auf "Arsch" und "Pups" reimen, bin ich die letzte, die geschockt dazwischen gehen würde. Vielleicht auch deswegen, weil ich weiß, dass sie auf eine geschockte Erwachsenenreaktion nur warten.

Schimpfen ist okay – andere beleidigen nicht

Aber natürlich: Es gibt Grenzen. Und ich bin mir trotz der wüsten Verbalattacken gegen meinen PC durchaus bewusst, dass ich eine Vorbildfunktion in Sachen Fluchen habe. Denn: Schimpfen und Granteln ist das eine. Jemanden beleidigen das andere. Es gab glücklicherweise noch nie den Fall, dass Marlene mich oder andere unflätig beschimpft hätte. Nur ein einziges Mal hat sie es versucht bei mir. Das war im Spielzeugladen, als ich "Nein" zu irgendeinem sündhaft teuren Plastikkrempel sagte. Da baute sich Marlene vor mir auf, stemmte die Hände in die Hüfte und sagte: "Du bist so was von peretant!!" – "Ich bin was?" – "PE-RE-TANT!!" – "Meinst du penetrant?" – "Äh, ja, genau...". Und dann, von ihrer Wut entleert, ganz sanft hinterher: "Mami, was heißt das eigentlich?"


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