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Immer nur zur Mama – ist das normal?

Es gibt Phasen, da wollen die lieben Kleinen nur einen Menschen: ihre Mama. Ob Baby oder größeres Kind – Papa ist dann einfach nicht angesagt. Geht das auch anders?

von Annett Zündorf, aktualisiert am 20.01.2021
Umarmung Mutter Kind

Mama bevorzugt? Das kann anstrengend sein – und die Beziehung belasten


Das erste Jahr mit dem Baby läuft in vielen Familien mit klassischer Rollenverteilung so ab: Die Mama versorgt tagsüber das Kind und beschäftigt sich mit ihm. Wenn abends oder am Wochenende auch der Papa sich um das Baby kümmern und Zeit mit ihm verbringen möchte, klappt das vielleicht nicht immer reibungslos. Es schreit, lässt sich nicht beruhigen und ins Bett bringen. Nur Mama und niemand sonst darf es trösten.

Fixiert auf den betreuenden Elternteil

Vorab: Das passiert natürlich genauso auch in jedem anderen Familien- und Betreuungsmodell immer dann, wenn ein Elternteil die vornehmliche Bezugsperson und der andere Elternteil weniger zuhause ist. Denn es ist eine völlig ­normale Entwicklungsphase im Leben eines Babys. Fast alle bevorzugen irgendwann einen Elternteil. Heidrun Beese, Erzieherin und Familientherapeutin beim AWO-Kreisverband Magdeburg, erklärt: "Kinder ­­wollen den Elternteil, der sich um sie kümmert. Das ist oft die Mutter, muss es aber nicht unbedingt sein." In einigen Kulturen gibt es diese Fixierung auf die Mutter nämlich nicht.

Dipl.-Psych. Anna Dintsioudi

Gelassen bleiben und Kind ernst nehmen

Anna ­Dintsioudi, ­Entwicklungspsychologin vom Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung in Osnabrück, ergänzt: "Be­treuen ­normalerweise Großeltern, Geschwis­ter, ­­Onkel oder Tanten das Baby, verlangt es nicht unbedingt ausschließlich nach der Mutter." In Deutschland verbringt aber immer noch oft die Mutter die meiste Zeit mit dem Kind, ­gerade im ers­ten Jahr. Kommt dann die Phase, in der das Baby besonders stark auf sie fixiert ist, heißt es gelassen bleiben und den Kleinen liebevoll begegnen. Auf keinen Fall sollten Eltern etwas erzwingen. "Sonst produzieren Sie nur eine Gegen­reaktion", sagt Anna Dintsioudi. "Nehmen Sie die Angst des Kindes ernst!"

Heidrun Beese

Bindung auch zur anderen Bezugsperson stärken

Und ein klein wenig lässt sich auch vorbeugen. Heidrun ­Beese erklärt: "Gerade wenn ein ­Baby sehr klein ist, lassen manche Mütter niemanden zwischen sich und ihr Kind. Dann ist der Vater schnell außen vor." Verbringt er von Anfang an regel­mäßig Solo-­Zeit mit dem ­Baby, wächst die Bindung zwischen den beiden. "Fällt es ­einer Mutter schwer, das ­Baby loszulassen, hilft es manchmal, wenn zum Beispiel die Hebamme dem Vater zeigt, wie alles geht", so Beese. Mit älteren Babys kann der Elternteil, der weniger Kontakt mit dem Kind hat, zudem gemeinsame Kurse besuchen, zum Beispiel PekiP oder Baby­schwimmen. Diese werden häufig auch am Wochenende angeboten, so dass es sich mit den Arbeitszeiten vereinbaren lässt.

Phasen können bis zur Pubertät auftreten

Die meisten Kinder ­entwachsen der ersten "Nur-die-Mama-­Phase" mit etwa einem Jahr. Aber schon kurze Zeit später, wenn die Kleinen losziehen und die Welt ­erobern, kommt sie oft wieder. "Besonders häufig sehen wir eine solche Fixierung bis zum vierten Lebensjahr. Aber bis zur Pubertät können immer wieder Mama- oder Papa-Phasen auftreten", sagt Beese. Nach einer Trennung, einer Mutter- oder Vater-Kind-Kur oder einem Urlaub mit einem Elternteil, wenden sich Kinder dem zu, der ihr Bedürfnis nach Wärme und ­­Sicherheit in erster Linie erfüllt.

Paar sollte sorgsam mit Situation umgehen

Will das Kind immer nur ­Mama, weil sie so toll spielt, oder Papa, weil er so schön tröstet, steigt das Potenzial für Stress zwischen den Eltern. "Paare müssen einen gemeinsamen Weg finden, mit dieser Situation umzugehen", sagt Heidrun Beese. Kontraproduktiv wirken Sprüche wie "Ich mach das schon, das Kind will ja eh nicht zu dir". Das verletzt unnötig – und löst das Problem nicht. Besser: sich zunächst gemeinsam kümmern, also sich zum Beispiel zusammen zum Spielen mit dem Sprössling auf den Boden setzen. Ist das Kind entspannt, kann sich ein Teil langsam zurückziehen, um dem anderen Elternteil Zeit mit dem Nachwuchs zu geben und für sich eine kurze Auszeit zu nehmen.

Vorliebe kann sich schnell umkehren

Und irgendwann passiert auch das: Gerade bei älteren Kindern ist dann Mama oder Papa manchmal out. Die Hauptbezugsperson kümmert sich zwar immer noch genauso, aber er oder sie ist eben immer da. Da wird der andere Elternteil dann interessanter, wenn dieser Zeit hat.

Auch wenn Eltern ­eigentlich gleichberechtigt sind, zeigt Beeses Erfahrung, dass in Familien mit kleinen Kindern die Rollen häufig sehr klassisch aufgeteilt werden. Die Beraterin warnt: "Bleiben Sie im Gespräch und reden Sie über Ihre Gefühle. Eifersucht darf zwischen Eltern nicht entstehen. Eltern sein hat nichts mit Konkurrenzkampf zu tun." Sie rät, öfter mal die Rollen zu tauschen. Oder die ganze Familie kocht gemeinsam. Das gilt zwar nicht für Babys, aber schon Zweijährige können Quark rühren oder mit Hilfe etwas schneiden. Wenn die ganze Familie öfter etwas zusammen unternimmt oder einfach nur kuschelt und Bücher liest, sind schnell auch wieder Mama und Papa gleich beliebt.


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