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Wie gefährlich ist COVID-19 für mein Kind?

SARS-CoV-2, das neuartige Coronavirus, macht auch vor den Kleinen nicht halt. Allerdings haben Kinder meist eher leichte Symptome und einen milden Krankheitsverlauf. Was Eltern trotzdem wissen sollten

von Stephanie Arndt, 16.04.2020

Die Hoffnung, die neue Lungenerkrankung Covid-19 könnte Kindern nichts anhaben, währte leider nicht lange. Laut Robert-Koch-Institut waren am 15. April 2020 in Deutschland knapp 1000 Kinder unter fünf Jahren erkrankt, 2455 Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren. "Glücklicherweise sind die Symptome überwiegend mild. Nur sehr wenige Kinder müssen stationär aufgenommen oder sogar intensiv-medizinisch versorgt werden", beruhigt Prof. Dr. Johannes Hübner, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, der bisher zehn kleine Corona-Patienten behandelt hat.

Symptome ähneln einem grippalen Infekt

Husten und Fieber zählen zu den häufigsten Beschwerden bei Kindern, auch Erbrechen und andere Symptome beobachten Mediziner. Da es derzeit noch keine Medikamente oder eine Impfung gegen SARS-CoV-2 gibt, werden Kinder – wie Erwachsene – symptomatisch behandelt. Zum Beispiel mit gewichts- und altersentsprechend dosierten fiebersenkenden Mitteln. "Je nach Schwere dauert die Erkrankung zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen", so Hübner, Leiter der Abteilung für pädiatrische Infektiologie am Dr. von Haunerschen Kinderhospital am Klinikum der Universität München. Er geht von drei Faktoren aus, die die leichten Verläufe erklären:

  • Die Kinder sind generell gesünder und leiden weniger unter Grunderkrankungen.
  • Möglicherweise ist ihr Immunsystem besser gewappnet, weil es häufiger mit Infekten zu kämpfen hat und sich eventuell schon vermehrt Anti-Körper gebildet haben. 
  • Es könnte sein, dass ein bestimmter Andock-Punkt für Viren bei ihnen noch nicht so stark ausgeprägt ist.
Audio: Prof. Dr. Reinhard Berner vom Uniklinikum Dresden spricht im Podcast „Klartext Corona“ mit Dr. Dennis Ballwieser über schwere COVID-19-Verläufe bei Kindern

Viele Fragen bleiben unbeantwortet – noch

Während bei den älteren Erwachsenen in Deutschland mehr Männer vom Virus betroffen sind, gibt es bei Kindern kaum Geschlechtsunterschiede. Ähnlich ist die Lage bei der Frage, ob auch das Alter eine Rolle spielt, ältere Kinder also stärker gefährdet sind. "Mit Stand heute können wir sagen, dass das Kindsalter vermutlich einen Schutz darstellt: Je jünger, desto harmloser verläuft die Infektion. Dafür sind vermutlich Antikörper verantwortlich, die eine Art Nestschutz darstellen", sagt Kinder- und Jugendarzt und Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie Hübner und ergänzt: "Aussagen sind derzeit Momentaufnahmen. Wir kennen COVID-19 erst seit etwa drei Monaten. Dafür wissen wir schon viel, aber längst nicht alles." Auch bei der Frage, warum es vereinzelt zu Todesfällen von Kindern kam – in Deutschland ist bisher ein Kind gestorben – wünscht sich der Experte mehr Zeit und seriöse Aufklärung: "Oft sind die Hintergründe nicht lückenlos aufgeklärt, etwa ob das Kind eine Grunderkrankung hatte."

Therapien und Medikation fortsetzen

Doch was können Eltern tun, wenn ihr Kind chronisch krank ist – etwa Asthma oder Allergien hat? Dann rät die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. die Therapie und Medikation weitgehend unverändert beizubehalten. Dies gelte für alle Krankheitsbilder. Unter anderem um eine Verschlechterung der Beschwerden zu verhindern, was einen Arztbesuch nach sich ziehen könnte – und somit das Infektionsrisiko erhöhen würde. Dr. Stefan Schwarz, Kinder- und Jugendarzt mit Spezialisierung für Asthmaerkrankungen in Neudrossenfeld pflichtet den Empfehlungen bei: "Ich habe bisher keine Erfahrung gemacht, dass die bei uns betreuten chronisch kranken Kinder häufiger an COVID-19 erkrankt wären oder unter schweren Verläufen gelitten hätten. Aber bei Grunderkrankungen eine gewissen Vorsicht walten zu lassen, würde ich dennoch klar empfehlen."

Vor dem Arztbesuch anrufen

Er appelliert an Eltern, bei einem Corona-Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 oder einer nachgewiesenen Infektion vorher in der Praxis anzurufen. "Die Situation um Schutzkleidung ist nach wie vor sehr schwierig. Wir möchten die komplette Schutzausrüstung nur anziehen, wenn es tatsächlich notwendig ist." Am Telefon wird Eltern erklärt, wie sie empfangen werden. So können sie ihren Nachwuchs auf den ungewohnten Anblick vorbereiten. "Die Kinder reagieren deutlich entspannter, als ich befürchtet habe. Ich sage ihnen gleich zu Anfang, dass ich mich ein bisschen verkleidet habe. Das akzeptieren die meisten und sind nicht verschreckt", erzählt Schwarz. Im Alltag tragen er und sein Team inzwischen immer FFP2-Masken.

Im Akutfall ruhig bleiben

Und wenn das Kind wirklich an COVID-19 erkrankt ist? Wie sieht es mit den bekannten Hygieneregeln aus und müssen die Kinder daheim von den Eltern mit Mund-Nasen-Schutz und Gummihandschuhen versorgt werden? Schwarz: "Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dann die ganze Familie bereits infiziert hat, ist sehr groß. Entsprechend stünde die ganze Familie unter Quarantäne. Innerhalb eines Haushaltes entspricht es nicht der Lebenswirklichkeit, als Eltern bei kranken Kindern auf Abstand zu gehen – ganz im Gegenteil. Sie brauchen noch mehr Zuneigung und Nähe. Da die meisten Eltern jung sind, zählen sie auch nicht zur Risikogruppe und sollten sich keine allzu großen Sorgen machen." Die Anweisungen des behandelnden Arztes und des zuständigen Gesundheitsamtes sollten aber befolgt werden.

Johannes Hübner geht davon aus, dass sich grundsätzlich im Verhalten etwas geändert hat: "Wir werden auch in den nächsten Monaten vorsichtiger sein. Und uns zum Beispiel überlegen, auf Großveranstaltungen zu gehen." Einer Maskenpflicht steht der stellvertretende Klinikdirektor zwiegespalten gegenüber: "Ab einem gewissen Alter ist das sicher auch für Kinder kein Problem. Persönlich hoffe ich aber, dass wir in Zukunft nicht alle immer damit herumlaufen müssen."


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