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Wann kommt die Corona-Impfung für Kinder?

Die Welt hofft auf die baldige Zulassung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. Doch selbst wenn es zeitnah einen gibt, werden Kinder vermutlich erst einmal nicht damit geimpft werden

von Christian Parth, 09.11.2020

Die Lage spitzt sich zu. Mit jedem Tag, an dem neue noch höhere Infektionszahlen gemeldet werden, wächst die Hoffnung, bald einen Impfstoff präsentieren zu können, um die Pandemie endlich unter Kontrolle zu bringen. In über 195 Projekten weltweit forschen Pharmafirmen derzeit unter Hochdruck an einem wirksamen Impfschutz gegen Covid-19, darunter auch mehrere deutsche. In Deutschland rechnen Experten mit der Zulassung von Impfstoffen Ende 2020, Anfang 2021.

Impfstoff zunächst für Risikogruppen

Was allerdings meist nicht thematisiert wird: Sollte es einen Impfstoff geben, wird er wahrscheinlich zunächst vor allem Erwachsenen vorbehalten sein. Derzeit liege der Fokus darauf, "diejenigen zu schützen, die am schwersten an Covid-19 erkranken", so die Pressestelle des Robert-Koch-Instituts (RKI) auf Anfrage von Baby und Familie. "Das sind bei Covid-19 insbesondere ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch bei jüngeren Erwachsenen wurden schwere Verläufe und langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen erfasst." Das RKI geht aber davon aus, dass schon die flächendeckende Impfung von Erwachsenen auch einen positiven Effekt auf die Kinder haben wird. Wenn das Infektionsgeschehen insgesamt zurückgedrängt werde, könnten auf diese Weise auch Kinder geschützt werden.

Erprobung zuerst an Erwachsenen

Impfungen für Erwachsene und Kinder können sich unterscheiden, beispielsweise in der Dosis, der Applikationsart oder der Anzahl und dem Abstand der notwendigen Impfungen. Impfstoffe müssen vor ihrer Anwendung ein eigenes klinisches Prüfungsprogramm durchlaufen, bis sie schließlich für die Verwendung zugelassen werden können. Sie müssen dabei nicht nur ihre Wirksamkeit, sondern auch ihre Sicherheit und Verträglichkeit unter Beweis stellen. Beim Corona-Impfstoff für Erwachsene befinden sich derzeit mehrere Stoffe in der dritten und letzten klinischen Phase. "Impfstoffe, die nicht ausschließlich für das Säuglings- und Kleinkindalter entwickelt werden, prüft man zuerst an Erwachsenen", stellt das Paul-Ehrlich-Institut fest.

Denn kleine Kinder sind gerade für die erste Erprobung eines Impfstoffs eher ungeeignet. "Fast alle Teile des Immunsystems sind erst am Ende des Kleinkindalters, also mit fünf Jahren, vollständig ausgebildet", sagt Prof. Hans-Iko Huppertz, Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ). "Und auch dann gibt es immer noch Antigene, mit denen der Körper noch keine Erfahrungen gesammelt hat."

Erste Impfstofftests an Minderjährigen

Dennoch ist Huppertz der Meinung, man sollte dann mit Kinderstudien beginnen, wenn Phase-II-Untersuchungen, also die Testung an mehreren hundert Personen, bei Erwachsenen gut funktionieren würden. Der Impfstoff könnte dann beispielsweise erst einmal an Heranwachsenden im Alter von 14 bis 18 Jahren getestet werden, weil deren immunologische Entwicklung der von Erwachsenen ähnlich sei. Bei Impfstofftests an Kindern müsse sichergestellt sein, dass in den Studien bei Erwachsenen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten sind, mahnt Kinderarzt Huppertz.

Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. werden ein Impfstoff aus Großbritannien, einer aus Indien und mehrere chinesische Impfstoffe bereits an Minderjährigen in Studien erprobt – zum Teil jedoch in früheren Phasen als die entsprechenden Studien mit Erwachsenen sind.

Kinder weniger anfällig für schwere Verläufe

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hält die Vorgehensweise, den Fokus zunächst auf gängige Risikogruppen zu legen, für den richtigen Weg. "SARS-CoV-2-Impfstoffe erst mal nur für diese Bevölkerungsgruppen zu entwickeln, ergibt auch Sinn, da bisher meist Erwachsene schwer erkranken und die Sterblichkeit mit zunehmendem Alter stark ansteigt", sagt Kinder- und Jugendarzt Herbert Grundhewer. Der Berliner Mediziner ist Mitglied der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen an der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin.

Tatsächlich gelten Kinder als weniger anfällig für schwere Verläufe. Ob Kinder und Jugendliche allerdings auch weniger ansteckend sind, darüber ist sich die Forschung noch immer uneins. "Die Infektiosität im Kindesalter wurde bisher selten untersucht und kann daher nicht abschließend bewertet werden", heißt es vom RKI.

Sollte es irgendwann einen Impfstoff geben, wird die Ständige Impfkommission (STIKO) das Präparat bewerten und gegebenenfalls eine Empfehlung aussprechen. Es ist auch möglich, dass die STIKO nur für bestimmte Risikogruppen wie Senioren über 70 Jahre oder Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen eine Impfempfehlung erteilt. Gerade für eine breite Akzeptanz bei den Eltern sei es laut RKI wichtig, dass der Stoff ein "sehr gutes Sicherheitsprofil" aufweise. "Das Vertrauen der Menschen in die Wirksamkeit und Sicherheit ist entscheidend für die Impfbereitschaft", teilt das RKI mit. "Ist dieses Vertrauen gegeben, dann hoffen wir, dass auch viele Eltern ihre Kinder impfen lassen."


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