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Wann kommt die Corona-Impfung für Kinder?

Endlich gibt es die ersten Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. Doch Kinder werden vermutlich nicht so bald damit geimpft werden. Warum das so ist

von Christian Parth, aktualisiert am 14.01.2021

Seit die ersten Impfstoffe in verschiedenen Ländern zugelassen wurden, ist klar: Kinder werden damit erst einmal nicht geimpft. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) sprach die Zulassung des ersten Impfstoffs für Europa ab 16 Jahren aus. Ein Impfstoff für Kinder sei derzeit nicht geplant, schreibt das Robert Koch-Institut auf seiner Website.

Impfstoff zunächst für Risikogruppen

Derzeit liege der Fokus darauf, "diejenigen zu schützen, die am schwersten an Covid-19 erkranken", so die Pressestelle des Robert-Koch-Instituts (RKI) auf Anfrage von Baby und Familie. "Das sind bei Covid-19 insbesondere ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, aber auch bei jüngeren Erwachsenen wurden schwere Verläufe und langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen erfasst." Das RKI geht aber davon aus, dass schon die flächendeckende Impfung von Erwachsenen auch einen positiven Effekt auf die Kinder haben wird. Wenn das Infektionsgeschehen insgesamt zurückgedrängt werde, könnten auf diese Weise auch Kinder geschützt werden.

Erprobung zuerst an Erwachsenen

Impfungen für Erwachsene und Kinder können sich unterscheiden, beispielsweise in der Dosis, der Applikationsart oder der Anzahl und dem Abstand der notwendigen Impfungen. Impfstoffe müssen vor ihrer Anwendung ein eigenes klinisches Prüfungsprogramm durchlaufen, bis sie schließlich für die Verwendung zugelassen werden können. Sie müssen dabei nicht nur ihre Wirksamkeit, sondern auch ihre Sicherheit und Verträglichkeit unter Beweis stellen. "Impfstoffe, die nicht ausschließlich für das Säuglings- und Kleinkindalter entwickelt werden, prüft man zuerst an Erwachsenen", stellt das Paul-Ehrlich-Institut fest.

Denn kleine Kinder sind gerade für die erste Erprobung eines Impfstoffs eher ungeeignet. "Fast alle Teile des Immunsystems sind erst am Ende des Kleinkindalters, also mit fünf Jahren, vollständig ausgebildet", sagt Prof. Hans-Iko Huppertz, Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ). "Und auch dann gibt es immer noch Antigene, mit denen der Körper noch keine Erfahrungen gesammelt hat."

Erste Impfstofftests an Minderjährigen

Dennoch ist Huppertz der Meinung, man solle mit Kinderstudien beginnen, wenn Phase-II-Untersuchungen, also die Testung an mehreren hundert Personen, bei Erwachsenen gut funktionieren würden. Der Impfstoff könnte dann beispielsweise erst einmal an Heranwachsenden im Alter von 14 bis 18 Jahren getestet werden, weil deren immunologische Entwicklung der von Erwachsenen ähnlich sei. Bei Impfstofftests an Kindern müsse sichergestellt sein, dass in den Studien bei Erwachsenen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten sind, mahnt Kinderarzt Huppertz.

Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. werden mehrere Impfstoffe bereits an Minderjährigen in Studien erprobt.

Kinder weniger anfällig für schwere Verläufe

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hält die Vorgehensweise, den Fokus zunächst auf gängige Risikogruppen zu legen, für den richtigen Weg. "SARS-CoV-2-Impfstoffe erst mal nur für diese Bevölkerungsgruppen zu entwickeln, ergibt auch Sinn, da bisher meist Erwachsene schwer erkranken und die Sterblichkeit mit zunehmendem Alter stark ansteigt", sagt Kinder- und Jugendarzt Herbert Grundhewer. Der Berliner Mediziner ist Mitglied der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen an der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin.

Tatsächlich gelten Kinder als weniger anfällig für schwere Verläufe. Ob Kinder und Jugendliche allerdings auch weniger ansteckend sind, darüber ist sich die Forschung noch immer uneins. "Die Infektiosität im Kindesalter wurde bisher selten untersucht und kann daher nicht abschließend bewertet werden", heißt es vom RKI.

Angesichts der erneuten Kita- und Schulschließungen forderte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), jedoch Anfang Januar gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Es braucht so schnell wie möglich auch geeignete Vakzine für Kinder und Jugendliche. Die Testung und Zulassung sollte daher mit Hochdruck vorangetrieben werden."

Gibt es einen neuen Impfstoff, bewertet die Ständige Impfkommission (STIKO) das Präparat und spricht gegebenenfalls eine Empfehlung aus. Dabei ist es auch möglich, dass die STIKO nur für bestimmte Risikogruppen wie Senioren über 70 Jahre oder Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen eine Impfempfehlung erteilt. Gerade für eine breite Akzeptanz bei den Eltern sei es laut RKI wichtig, dass der Stoff ein "sehr gutes Sicherheitsprofil" aufweise. "Das Vertrauen der Menschen in die Wirksamkeit und Sicherheit ist entscheidend für die Impfbereitschaft", teilt das RKI mit. "Ist dieses Vertrauen gegeben, dann hoffen wir, dass auch viele Eltern ihre Kinder impfen lassen."


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