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Stark durch die Krise: 5 Tipps

Eine große Stärke des Menschen ist seine Anpassungsfähigkeit, auch Resilienz genannt. Erschüttern Krisen unser Leben, schaffen wir es meistens, uns neu auszurichten. Eine Anleitung

von Kira Brück, 08.12.2020

Das Jahr 2020 wird uns wohl immer in Erinnerung bleiben. Auf den Corona-Lockdown im Frühling folgte ein wenig Entspannung im Sommer, in dem wir alle hofften: Corona ist geschafft! Doch mit dem Herbst kam die Pandemie mit voller Wucht zurück. Es scheint, als hätten uns die Einschränkungen ab Mitte März nur auf etwas viel Größeres vorbereitet. Unsicherheit und Ängste machen sich wieder breit. Aber wie damit gut umgehen?

Zugegeben: Krise macht keinen Spaß. Die positive Nachricht ist aber: Wir müssen uns nicht fürchten, denn mit schweren Krisen zurechtzukommen, können wir lernen. Diese Anleitung in fünf Schritten hilft dabei.

1. Die Angst nicht wegschieben

Es ist normal, in einer noch nie da gewesenen Situation Angst zu haben. Wir können nicht steuern, ob ein Gefühl kommt. Was wir aber entscheiden können, ist, wie wir mit der Angst umgehen. "Wenn Gefühle da sein dürfen, gehen sie auch relativ schnell wieder. Wenn ich sie aber leise köcheln lasse und immer ein biss­chen wegdrücke, können sie mich sehr lange begleiten und behindern", sagt Jan Spreemann, psychologischer Psychotherapeut aus München.

Der Leiter des Zentrums für Entwicklung und Psychotherapie ist Vater ­dreier Töchter im Alter zwischen zwei und acht Jahren. Er hat während des Lockdowns selbst erlebt, wie fordernd der Alltag für Eltern ist. Er rät, ­­Ängste zuzulassen und den Austausch mit Vertrauten zu suchen. Man dürfe ruhig zum Ausdruck bringen, dass man keinen Schimmer habe, wie man die nächsten Wochen durchstehen soll. "Wenn man sich zeigt, werden sich die anderen auch zeigen. Das tut gut", sagt der Experte.

2. Das Superhelden-Gedankenspiel

Es ist gemein, aber unser Gehirn funktioniert so: Wenn es uns mies geht, erinnern wir uns besonders gut an Situationen, in denen es uns auch früher schlecht ging. Und eben nicht an die Zeiten, in denen wir uns besonders kompetent gefühlt haben. Was also tun? "Erinnern Sie sich daran, welche schwierigen Situationen Sie schon gemeistert haben – vielleicht ein Er­lebnis aus dem Job oder das Verarbeiten einer Trennung. So machen Sie sich Ihre eigenen Stärken wieder bewusst", rät Jan Spreemann. Es gehe darum, gezielt die Bereiche im Gehirn zu aktivieren, die unsere Superhelden-Leistungen abgespeichert haben.

3. Akkus aufladen mit Self Care

Wenn man in einer Hochdrucksitua­tion ist, geht es vor allem darum, zu funktionieren. Viele verinnerlichen dann: Wenn ich fertig bin mit Funk­­tionieren, tue ich mir etwas Gutes. Aber man ist halt nie fertig. "Pausen sind existenziell. Es klingt banal, aber oft sind es die einfachen Dinge wie genügend Schlaf und ein voller Magen. Wenn ich nicht auf mich selbst achte, etwa das Frühstück weglasse, bin ich schon mittags ausgelaugt", sagt Psychotherapeut Spreemann. Einmal in der Woche etwas für sich selbst zu tun, etwa Sport – dem sollte man bei allen Schwierigkeiten eine hohe Priorität verleihen.

4. Mit den Kindern reden

Unsicherheit, Geldsorgen, Angst vor Ansteckung: Wie erklärt man das einer Dreijährigen? "Ich beobachte, dass Eltern häufig bemüht sind, alles von den Kindern fernzuhalten, bis sie irgendwann selbst nicht mehr können", sagt Spreemann. Dabei wäre es viel schlauer, die Kinder mit ins Boot zu holen, damit sie verstehen können, warum der Alltag für ihre Eltern gerade so fordernd ist. Das Wichtigste sei, dass Eltern Sicherheit und Stabilität geben und signalisieren: "Ich bin da. Du kannst dich auf mich ver­lassen." Mit diesem Gefühl können Kinder Krisen­situa­tionen gut meistern.

5. Raus aus der Komfortzone

Angst kann etwas Gutes sein, kein Scherz! Denn bleiben wir in unserer Komfortzone, verpassen wir auch Chancen, zu wachsen. Im Grunde bewegen uns Krisen dazu, uns zu verändern und weiterzuentwickeln. "In existenziellen Krisen geraten Themen wie die Karriere oder das neue Auto in den Hintergrund. Es bleibt Raum, sich mit grundlegenden Fragen zu beschäftigen. Das kann dazu führen, dass man sein Leben anders betrachtet", sagt Spreemann. Zudem können Krisen ein optimales Zeitfenster sein, Lebensthemen aufzuarbeiten, weil sie genau jetzt hochkommen. Jan Spreemann rät, sich hierfür therapeutische Unterstützung zu holen.


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