{{suggest}}


St. Martin, Nikolaus, Weihnachtsfeiern: Was geht jetzt noch?

Die zweite Welle der Corona-Pandemie ist da und wird wahrscheinlich auch die Vorweihnachtszeit gehörig überschatten. Größere Veranstaltungen zu St. Martin, Nikolaus und im Advent sind abgesagt. Wie Sie mit Ihren Kindern trotzdem wunderschöne Feste feiern können

von Julia Dettmer, 05.11.2020

"It's the most wonderful time of the year", sang in den 1960er Jahren Andy Williams. In diesem Jahr ist leider alles anders, denn wegen des neuartigen Coronavirus ist heiteres Beisammensein in größeren Gruppen nicht möglich. Mund-Nasen-Bedeckung tragen ist häufig Pflicht, Abstand halten gehört zum guten Ton und am besten bleibt man einfach zuhause, um sich und andere keiner unnötigen Gefahr auszusetzen. Auch in den Kindertagesstätten und Kindergärten stehen die neuen Hygieneregeln an erster Stelle.

Feierliche Vorweihnachtszeit – die aktuelle Lage

Das beeinträchtigt viele Feierlichkeiten, die die Vorweihnachtszeit so besonders machen und für Kinder eine große Bedeutung haben: Der Laternenzug zum St. Martinsfest am 11. November, die Nikolausfeier am 6. Dezember, die Advents- und Weihnachtsfeiern zum Jahresende.

Wir haben in verschiedenen Einrichtungen und Institutionen nachgefragt, wie sie trotz Covid-19 gelingen können – und sind auf tolle Konzepte gestoßen.

St. Martin – was wenn der Laternenzug ausfällt?

Am 11.11. wird im Kirchenjahr dem heiligen St. Martin von Tours gedacht. Traditionell finden dann überall nach Einbruch der Dunkelheit Martinsumzüge statt, bei denen die Kinder stolz ihre selbstgebastelten Laternen zur Schau tragen dürfen. Dazu singen sie bekannte Lieder wie "Ich geh mit meiner Laterne" oder "Laterne, Laterne".

In der Kindertagesstätte "Die wilden Hummeln" in Darmstadt kann das Fest jetzt nur in abgespeckter Version stattfinden. "Da wir eine große Einrichtung sind, haben wir beschlossen das Laternenfest ohne Eltern zu feiern", sagt Einrichtungsleiterin Nadine Sliva. "Auf Gruppenebene werden Laternen gebastelt und am 11.11. findet unsere Feier am Vormittag statt. Es wird ein Frühstück mit Kinderpunsch und Brezeln geben und anschließend versammeln wir uns im Garten, um mit allen Kindern der Einrichtung gemeinsam Lieder zu singen." Das Einüben der Lieder im Morgenkreis müsse aber leider ausfallen. Das Singen in geschlossenen Räumen erhöht aufgrund der entstehenden Aerosole das Ansteckungsrisiko.

Patricia Kaminski, Einrichtungsleiterin des Wintershall Kinderhauses in Kassel, feiert ebenfalls eingeschränkt: "Vor Corona gab es einen großen Laternenumzug mit Familien und Freunden mit anschließendem Martinsspiel und Stockbrot am Martinsfeuer. In der Pandemie werden schon Laternen gebastelt, Lieder draußen gesungen und gehört sowie die St. Martins-Geschichte gelesen. Allerdings ohne Eltern, nicht am Abend und nur in den Gruppen."

Wenn der Martinsumzug ganz abgesagt wird, hat Anne Herter vom Kindermissionswerk "Die Sternsinger" Lösungen parat: "Wir bieten verschiedene Materialien an, mit denen sich Kitas, Schulen, Gemeinden und auch Familien zu Hause mit den anstehenden Festen im Kirchenjahr auseinandersetzen und diese trotz Corona feiern können."

Die Aktion für St. Martin ist zum Beispiel "Teile dein Licht!". Sie ruft dazu auf, sinnbildlich ein Licht mit anderen Menschen zu teilen. "Wir laden dazu ein, eine zusätzliche Laterne oder ein Licht zu basteln und dieses rund um Sankt Martin einem anderen Menschen oder einer Einrichtung, wie beispielsweise einem Seniorenheim, zu schenken. Wir wollen damit gemeinsam ein Zeichen der Hoffnung und Verbundenheit setzen und so die Botschaft des Heiligen Martin ganz konkret werden lassen: Nicht wegsehen, sondern mit unseren Mitmenschen teilen, was wir haben", erklärt Herter.

Damit der Martinsumzug für die Kleinen nicht ganz ins Wasser fällt, empfiehlt sie, dass Familien einfach auf ihren eigenen kleinen Martinsumzug gehen. Das Ziel kann das Zuhause der Großeltern oder anderer Personen sein, denen es in dieser Zeit nicht so gut geht. Vielleicht können die Besuchten vom Fenster aus den Martinsliedern lauschen. Ein schönes Zeichen kann es sein, eine Laterne dort zu lassen und so ein Licht der Verbundenheit mit anderen zu teilen.

Nikolaus- und Adventsfeiern – fröhlich feiern mit der Familie

Auch zahlreiche Nikolaus- und Advents- oder Weihnachtsfeiern fallen dieses Jahr ins Wasser. Julian Heese, Referent für christliches Brauchtum im Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, sieht in der Unterbrechung der Traditionen aber auch die Chance, die Botschaft dieser Feiertage noch einmal neu für sich zu entdecken. Wichtig sei, dass Eltern ihren Kindern deutlich machen, dass trotz Corona diese Feste nicht abgesagt seien. Am Nikolaustag könne die Nikolauslegende vorgelesen werden.

Auf www.weihnachtsmannfreie-zone.de gibt es jede Menge Materialien zum Download, die den 6. Dezember retten können, zum Beispiel einen Nikolaus-Bastelbogen und viele Lieder, Gedichte und Geschichten. Heese erklärt außerdem noch, warum sich gerade der Nikolaustag für kontaktlose Rituale eignet: "In der wohl bekanntesten Legende des heiligen Nikolaus wirft dieser in drei aufeinanderfolgenden Nächten jeweils einen Klumpen Gold durch ein geöffnetes Fenster von drei armen Mädchen. Schon in den Legenden entdecken wir also kontaktlose Hilfe des Nikolaus. Daher kommt das sogenannte Einlegebrauchtum, bei dem der Nikolaus den Kindern ein paar Süßigkeiten im Stiefel oder in den Schuhen hinterlässt." Auch ein Besuch des Nikolaus an der Haustür – auf Distanz – sei in Corona-Zeiten möglich. Zudem falle in diesem Jahr der Nikolaustag auf einen Sonntag, weshalb einige Kirchengemeinden den Besuch des Heiligen Nikolaus in ihren Sonntagsgottesdienst einbauen würden, um so auf die erprobten Hygienekonzepte zurückgreifen zu können.

Basteln, Adventskranz, Weihnachtspost – viele Rituale passen trotzdem

Laut Heese passen viele bekannte Rituale auch unter Pandemie-Bedingungen gut zur Gestaltung der Adventszeit. Er erklärt: "Zugleich geben solche Rituale den Kindern Halt und Orientierung in diesen turbulenten Zeiten. Vom gemeinsamen Entzünden der Kerzen am Adventskranz Sonntag für Sonntag, über das Basteln von Christbaumschmuck bis hin zum schrittweisen Aufbau der Weihnachtskrippe während der Adventszeit gibt es zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten." Warum nicht auch einmal wieder mit den Kindern einen Brief schreiben oder ein adventliches Bild malen? Viele Menschen freuen sich besonders in der Adventszeit über Post, insbesondere dann, wenn ein persönliches Treffen an Weihnachten nicht möglich ist.

Kreative Ideen sind auch in den Kirchengemeinden gefragt. So schildert Annika Lukas, Sprecherin der Evangelische Kirche in Deutschland: "Für die kommenden Feste gibt es viele Ideen in den Kirchengemeinden vor Ort, die unter Einhaltung der Hygiene-Maßnahmen dafür sorgen, dass Familien dennoch eine besinnliche Zeit haben. So plant beispielsweise die Gemeinde St. Markus in Hamburg-Hoheluft ein Krippenspiel quer durch den Stadtteil. Auf zehn Balkonen stehen Konfirmanden, die dem Publikum auf dem Bürgersteig kurze Teile des Krippenspiels präsentieren sollen." Auf www.kirche-von-zu-hause.de stehen auch hier digitale Angebote für Familien bereit.

Not macht erfinderisch – dieses Sprichwort trifft gerade wohl den Nagel auf den Kopf. Also: Mit ein bisschen Kreativität kann die Weihnachtszeit auch in diesem Jahr wunderschön für Familien werden.


Können Sie sich vorstellen, Ihre Eizellen einfrieren zu lassen?
Zum Ergebnis
Haben Sie den Geburtsmonat Ihres Kindes geplant?
Zum Ergebnis