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Schwangerschaftstagebuch: Geburt ohne Mann?

Eigentlich wollte unsere Autorin Julia Dettmer in Ruhe ihrem Babybauch beim Wachsen zusehen. Dann kam das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2. Folge #3: Geburt ohne Mann?

von Julia Dettmer, 15.05.2020
Illustration Schwanger Vorfreude

"Hast du eigentlich schon eine Nachsorge-Hebamme?", fragte mich meine Schwägerin als ich gerade in der elften Schwangerschaftswoche war. "Äh, nein, dafür ist es doch noch viel zu früh. Ich muss ja erst mal die kritische Phase überstehen", antwortete ich verdutzt und lachte über ihre Sorge, ich könnte am Ende ohne Hebamme dastehen. Mein Baby sah doch gerade erst aus wie ein Gummibärchen. Nun ja, das Lachen sollte mir schnell vergehen.

Hebammenpanik

Aus reiner Neugierde tippte ich "Nachsorge Hebamme München" in die Online-Suchmaske. Mir wurde etwas heiß, es gab etwa 600.000 Suchergebnisse und ich begann wie wild zu klicken. Meine Schwägerin hatte recht. Gleich auf den ersten Seiten tauschten sich andere werdende Mamas in Foren aus und klagten sich ihr Leid. Offenbar war es leichter, Zehnlinge zu gebären, als in der elften Woche eine Hebamme zu finden. Hätte mir das nicht mal jemand eher sagen können? Ich rief einige Hebammen an. Ergebnis: Zero. Keine hatte freie Kapazitäten. Stattdessen versorgten mich aber alle mit dem Hinweis, dass ich "ganz schön spät dran" sei. Danke, tschüss.

Rettung durch die beste Freundin

Die Rettung brachte meine beste Freundin: "Du beruhigst jetzt erst mal wieder, und dann rufst du meine an. Anna-Maria könnte genau dein Schlag Mensch sein. Vielleicht erlebst du ein Wunder und sie hat noch einen Platz frei." Ich guckte mir kurz Anna-Marias Website an, fand sie sofort ansprechend und wählte schließlich ihre Nummer. Das Wunder geschah und sie gab mir nach meinem verzweifelten Redeschwall einen Kennlern-Termin. Sogar live und in Farbe, denn damals im Februar gab es noch keine durch das neuartige Coronavirus bedingten Ausgangsbeschränkung.

Kennenlernen mit meiner Hebamme

Beim ersten Treffen wenig später war mir Anna-Maria gleich sympathisch. Sie strahlte Ruhe aus, wirkte mit ihrem bayerischen Dialekt und ihrer schwungvollen Art aber auch dynamisch. Sie warf einen Blick in meinen Mutterpass, notierte sich meinen Geburtstermin im September und dann quatschten wir einfach ganz locker ein Stündchen über dies und das – von den Möglichkeiten der Geburtsvorbereitung bis zur Angst, dass das Stillen nicht klappen könnte. Am Ende sicherte sie mir zu, dass sie mich bei allen Fragen vor der Geburt und danach auch daheim bei der Nachsorge unterstützen würde. Jackpot!

Tschüss Leichtigkeit – jetzt reden wir Corona-Tacheles!

So leichtfüßig das erste Gespräch verlaufen war, so schwer gestaltete sich das zweite. Mittlerweile hatte SARS-CoV-2 auch Deutschland nämlich total in Beschlag genommen und die Ausgangsbeschränkungen waren da. Ich bekam über Social-Media-Kanäle die Panik von werdenden Müttern mit, deren Geburtstermin unmittelbar bevorstand und die ihre Partner teilweise nicht mehr mit in den Kreißsaal nehmen durften. Alleine da durch zu müssen – eine Horrorvorstellung für mich! "So lange ist es bis September auch nicht mehr hin", schoss es mir durch den Kopf und meine Finger wählten wie automatisch die Nummer meiner Hebamme an.

Dann musste sich die Arme, die ich bisher ja nur einmal getroffen hatte, ganz schön viele Sorgen von mir anhören. Doch Anna-Maria blieb ruhig und schaffte es, auch mich zu beruhigen: "Aaalso, die Kurse können momentan zwar nicht live stattfinden, aber du findest meine ganzen Vorbereitungskurse auf meiner Website." Sie erzählte, dass Corona ihren Job komplett verändert habe. Eigentlich sei der Hebammenberuf ja ein handwerklicher, jetzt setze sie voll auf Digitalisierung wie viele Kolleginnen. Ein Segen für alle Bald-Mamas! Ich selbst hatte mich sowieso dafür entschieden, den Vorbereitungskurs in Ruhe alleine online zu machen und nicht in einer Gruppe.

Darf mein Mann mit zur Geburt?

"Wie ist das denn jetzt mit der Begleitperson?", hakte ich zögerlich nach. Dazu gebe es keine einheitliche Regelung in Deutschland, klärte Anna-Maria mich auf. Die Entscheidung, ob der Partner mitdürfe, und ob man während der Geburt einen Mund-Nasen-Schutz tragen müsse, sei von Klinik zu Klinik und Stadt zu Stadt unterschiedlich.

Dann stellte ich die Frage, die mir eigentlich schon die ganze Zeit unter den Nägeln brannte: "Meinst du, mein Mann kann im September dabei sein?" Die erleichternde Antwort von Anna-Maria: "Schlimmer wird es definitiv nicht mehr, weil die Maßnahmen ja nicht strenger werden können. Die Klinik, in der du entbinden willst, durften die werdenden Väter auch während des Lockdowns bei der Geburt dabei sein. Nur bei einem Kaiserschnitt im Operationssaal mussten sie draußen bleiben. Jetzt gehen wir mal davon aus, dass du keinen Kaiserschnitt brauchst und sich die Lage bis September nicht wieder verschlechtert." Danke für diese hoffnungsvolle Prognose, die mich doch sehr erleichterte.

Es ist ganz schön erstaunlich, wie stark das eigene Wohlbefinden plötzlich von äußeren Faktoren abhängt, wenn man schwanger ist. Ich nahm mir fest vor, mich nicht mehr verunsichern zu lassen und stattdessen schon mal mit dem Vorbereitungskurs zu beginnen. Nur zur Sicherheit.


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