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Schwangerschaftstagebuch: Dreh dich, Schätzchen!

Eigentlich wollte unsere Autorin Julia Dettmer in Ruhe ihrem Babybauch beim Wachsen zusehen. Dann kam das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2. Folge #10: Dreh dich, Schätzchen!

von Julia Dettmer, 21.08.2020
Protagonistin hochschwanger

Wie kann man eine Schwangere am besten in Panik versetzen? Man sagt ihr in Woche 35, dass das Baby noch "falsch rum" liegt. Bei mir lief das wie folgt ab: Guter Dinge spaziere ich zu meiner Ärztin und freue mich darauf, Teile meines Schätzchens (es passt beim Ultraschall nicht mehr ganz aufs Bild) in Aktion zu sehen.

"Hm, nach wie vor Beckenendlage. Langsam muss er sich drehen", diagnostiziert meine Ärztin. "Aber er hat doch noch Zeit?", frage ich verwundert. Schließlich sind es bis zum errechneten Termin noch fünf Wochen. Sie erklärt mir, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Drehung ab jetzt immer mehr abnimmt, weil es im Bauch immer enger wird. Ich soll mich entspannen, gut auf das Baby einreden und mich mal mit den Möglichkeiten einer Wendung beschäftigen, gibt sie mir mit auf den Weg und streicht mir sanft über den Arm.

Mit einem mulmigen Gefühl verlasse ich diesmal die Praxis. Ich möchte doch so gerne natürlich entbinden. Nur ungefähr fünf Prozent der Kinder drehen sich vor der Geburt nicht mit dem Kopf ins Becken, sondern liegen bis zum Schluss mit dem Po im Becken der Mutter. Warum ausgerechnet meins? Bei der ersten Geburt würde ich mir eine natürliche Entbindung aus Beckenendlage ehrlicherweise nicht zutrauen. Außerdem bieten sie nicht alle Geburtskliniken an – auch meine nicht.

Brücke, Taschenlampe, moxen – hilft das was?

Meine erste Anlaufstelle ist wieder einmal meine Hebamme Anna-Maria. Sie erklärt mir ein paar Methoden, mit denen man versuchen kann, das Baby dazu zu bewegen, sich zu drehen: Taschenlampe, indische Brücke, Moxen, Glöckchen. Ich verbringe also fortan zwanzig Minuten pro Tag in der sogenannten "indischen Brücke" und hoffe, dass diese Haltung mit hochgelagerter Hüfte das Baby zum Purzelbaum animiert. Ich leuchte mit einer Taschenlampe meinen unteren Bauch an und hoffe, dass mein Kind dem Licht folgt. Außerdem moxen wir. Das heißt, Anna-Maria wedelt mit einer Art Räucherstäbchen an meinen kleinen Zehen herum. Ich – bekennende Nicht-Esoterikerin – tue mich schwer damit zu glauben, dass diese Methoden Erfolg zeigen werden.

Natürlich will ich möglichst nichts unversucht lassen und meinem Kleinen jede erdenkliche Hilfestellung geben. Nur eine Sache probiere nicht: Ich packe mir kein Glöckchen in die Unterhose!

Letzte Möglichkeit: Äußere Wendung

Aber nichts passiert. Gar nichts. Ich spüre weiterhin das Köpfchen direkt unter meinem Rippenbogen. Auch wenn ich noch so sehr in die indische Brücke gehe, mich moxen lasse oder mental versuche, auf das Kind einzuwirken. Jeder Tag beginnt mit dem Gedanken an die "falsche Lage" meines Babys und ich merke, wie ich immer unentspannter werde. Dabei ist genau das sicher nicht förderlich. "Vielleicht sitzt das Kleine es aus – bis du dich mal entspannst", mahnt Anna-Maria. Punkt für sie.

Die letzte Möglichkeit ist eine sogenannte "Äußere Wendung". Dabei bewegt ein erfahrener Geburtshelfer manuell das Kind aus der Steißlage in die Schädellage. Das Ganze findet in der Klinik statt und zwar mit dem Geburtshelferteam auf Abruf, falls es zu Komplikationen oder einem Notkaiserschnitt kommt. Ein zweiminütiges YouTube-Video, bei dem die kurze Prozedur Erfolg hatte, motiviert mich, auch diesen Schritt zu versuchen. Der Druck, den der Arzt mit den Händen ausübt, sieht groß aus, aber wenn es klappt – und die Wahrscheinlichkeit ist 50/50 – geht es schnell.

Die Chancen stehen gut

Ich habe diese Woche sowieso meinen Termin zur Geburtsanmeldung in der Klinik, da kann ich gleich alles besprechen, nehme ich mir vor. Nervosität macht sich breit. Wir fahren los. In der Klinik angekommen gibt es erst mal lange Gesichter: Ich habe vergessen zu fragen, ob mein Mann überhaupt mit zur Untersuchung darf. An der Pforte wird er wegen der Hygienevorschriften aufgrund der Corona-Pandemie natürlich abgewiesen, also laufe ich alleine zum Termin.

Was die wohl sagen? "Ihr Kind hat noch genug Platz, wir haben ausreichend Fruchtwasser, die Plazenta liegt hinten, also nicht im Weg. Ich denke, die Chancen für eine äußere Wendung stehen gut", befindet die Klinikärztin nach dem Ultraschall. Jetzt wird alles streng getaktet. Ich bekomme einen Termin für Woche 37, bei dem wir den genauen "Wendungs-Score" ermitteln – also einen Wert, der die Wahrscheinlichkeit auf eine erfolgreiche Wendung angibt.

Erfolgreiche Wendung oder Kaiserschnitt – es bleibt spannend

Wenn der Score reicht, findet in Woche 38 die Wendung statt. Und wenn nicht? Dann muss ich mich wohl langsam auf einen Kaiserschnitt einstellen. Die Klinik rät mir nämlich von einer Steißgeburt in meinem Fall ab. Ich stelle mir vor, wie das Köpfchen am Ende stecken bleibt, während der Rest schon draußen ist, mir wird schlecht.

Im Kopf gehe ich das Szenario Kaiserschnitt durch. Plötzlich spüre ich, dass ich mich entspanne. Wenn die äußere Wendung nicht klappt, habe ich wirklich alles für eine natürliche Geburt getan und kann mich auf die Sectio einlassen. Irgendwie wurde die dann ja auch von der Natur herbeigeführt, oder?

Was dann geschah, hätte ich dann nicht erwartet. Davon aber beim nächsten Mal.


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