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Klinikclowns: Lachen in Zeiten von Corona

Die Corona-Pandemie macht menschliche Nähe schwierig. Die Klinikclowns von ROTE NASEN Deutschland e.V. starteten deshalb ein virtuelles Angebot. Wie es funktioniert, erzählt der künstlerische Leiter Reinhard Horstkotte

von Kira Brück, aktualisiert am 07.05.2020
Klinikclownin Antonia Facebook Video

Clown Antonia (Marion Pletz) bei ihrer Online-Visite


Herr Horstkotte, wie haben Sie reagiert, als klar wurde, dass die Klinikclowns nicht mehr Kinder und andere Patienten auf den Stationen besuchen können?

Es war ein Schlag für uns! Wir wissen ja, wie sehr die Kinder immer auf uns warten. Durch die Auswirkungen des Coronavirus können wir unsere Arbeit nicht mehr so ausüben, wie wir es gewohnt sind: nah am Menschen. Aber uns zu fragen, was nicht mehr geht, bringt uns nicht weiter. Also haben wir online etwas auf die Beine gestellt. Jetzt, sofort – weil wir Flagge zeigen wollten. Normalerweise würde man sich ein halbes Jahr lang ein neues Format erarbeiten.

Was spornt die Roten Nasen an, nun per Internet Kinder zu besuchen?

Wir möchten unbedingt – auch in diesen besonderen Zeiten – die Idee des Clowns am Leben halten. Für uns ist der Clown eine tiefe philosophische Figur, die aus einer großen Freiheit heraus agiert. In der Tradition des Narren dürfen wir mit Konventionen brechen. Ein Kollege besuchte beispielsweise einmal einen jungen Krebspatienten, die Ärzte hatten ihm das Bein amputiert. Clown und Patient kannten sich schon sehr lange. "Sag mal, wo hast du denn dein Bein hin?", fragte der Clown. Er suchte es überall im Raum. Für einen Außenstehenden ist das natürlich eine makabre Vorstellung. Ein Kind kann aber nicht viel mit Mitleid anfangen. Es muss also Strategien entwickeln, mit der neuen Situation zurechtzukommen. Und wie wir alle wissen, hilft Lachen in schwierigen Zeiten am besten. Humor umarmt immer die Wahrheit. Auch und gerade, wenn es eine schmerzhafte ist.

Reinhard Horstkotte, künstlerischer Leiter der Klinikclowns ROTE NASEN Deutschland e.V.

Sie streamen zweimal täglich auf Facebook und Instagram Live-Visiten. Worum geht es da?

Wir Clowns zeigen immer wieder, wie wir die Welt in eine Fantasiewelt verändern können. Eine unserer Künstlerinnen hat etwa eine Visite von ihrem Badezimmer aus gefilmt, das hatte sie in ein Aquarium verwandelt mit Fischen aus Schwämmen. So konnte sie die Kinder an ihre eigenen Ressourcen erinnern: an ihre Fantasie, an das Spiel.

Gibt es ein Erlebnis mit den Online-Visiten, dass Sie besonders bewegt hat?

Ja, eine Krankenschwester auf der Kinderonkologie hat extra ihre Schichten getauscht, nur damit sie da ist, wenn wir online sind. Sie trägt ihr Handy von Zimmer zu Zimmer, weil sie es so wichtig findet, dass wir gerade jetzt kommen. Das hat mich sehr berührt.

Warum ist es so wichtig, das Angebot der Klinikclowns auch während des Corona-Shutdowns fortzusetzen?

Wir machen Patienten, vor allem den Kinder, und auch dem Klinikpersonal Mut, denn wir schenken eine unbeschwerte Zeit, in der sie an etwas anderes denken können als an die Krankheit. Es geht uns darum, den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine sind. Ich sage bewusst Menschen, nicht nur Kinder. Wir haben ja auch ein Programm für Senioren.

Gibt es eigentlich Unterschiede bei der Art und Weise, wie Sie für Senioren spielen?

Da wir an Demenz erkrankte Senioren besuchen, müssen wir langsamer und auch "größer" spielen. Einmal haben wir uns zum Beispiel mit großen Herzen auf hohe Leitern gestellt und unsere Musik verstärkt. Das Feedback ist bei Senioren nicht immer so stark wie bei Kindern. Wegen Corona setzten wir in den letzten Wochen verstärkt auf Balkonvisiten. Eine Firma sponserte uns eine Hebebühne, mit der wir direkt vor die Fenster gefahren sind. Senioren wie auch Pflegekräfte haben Tränen geweint vor Rührung. Da zählt allein die Geste, dass da jemand ist, der alles in Bewegung setzt, um ein bisschen Lachen in den tristen Alltag zu bringen.

Wie bringt man Kinder und Senioren per Live-Video zum Lachen?

Mit Geschichten, Witzen, Quatsch, Liedern und Musik. Also wie im richtigen Leben auch.
Man kann sich auch wunderbar die Technik zur Freundin machen und plötzlich aus dem Bildschirm kippen oder auf dem Kopf stehen. Kinder, Senioren und wir freuen uns und lachen, wenn wir sehen, dass der Clown Strategien entwickelt und aus jeder Situation das Beste macht. Plötzlich wird ein Kuscheltier zum besten Freund, der einen aufbaut, schimpft und manchmal auch wirklich frech ist.

Was ist virtuell anders als bei der "Visite" vor Ort?

Uns fehlt ganz viel! Der Augenkontakt, die Nähe, mal eine Hand auf die Schulter legen. Klar ist es für uns eigenartig, kein Gegenüber zu haben. Wir müssen uns auf die Kamera einlassen, das ist ganz anders, als live zu spielen. Und es ploppen technische Fragen auf wie: Bin ich vor der Kamera gut ausgeleuchtet? Aber wir wären nicht Clowns, wenn wir es nicht schaffen würden, diese neuen Medien für uns zu nutzen und unser Gefühl rüberzubringen.

Wie nehmen die Clowns über den Bildschirm Kontakt zu den Patienten auf?

Wir können nicht so sehr aufeinander eingehen, weil wir uns nicht gegenüberstehen. Und der Clown lebt ja vom Kontakt mit dem Publikum. Wir können aber auf die auf die Kommentare der Zuschauer reagieren und ebenso spontan sein und die Kinder miteinbeziehen, zu ihnen eine Beziehung aufbauen. In der Onkologie haben wir beispielsweise eine Visite über einen Messengerdienst: Eine Schwester nimmt das Handy und bringt es zu den Kindern, die freuen sich wie Bolle und lachen sich scheckig.

Bekommen sie Feedback von Kindern, die in der Klinik sind?

Allein, dass wir Poster geschickt haben, die auf unser Online-Angebot hinweisen, hat die jungen Patienten und das Klinikpersonal begeistert. Weil wir ihnen damit zeigen: Wir denken an euch – auch wenn wir vorerst nicht mehr persönlich vorbeikommen dürfen. Und ja, die Kinder schreiben uns, wie toll sie die virtuelle Visite finden und dass wir weitermachen sollen. Bei all dem, was gerade passiert, war das endlich eine gute Nachricht für sie: Die Clowns sind weiter da!

Wäre es denkbar, das Angebot auch nach Corona fortzusetzen?

Das Gute an der Krise ist, dass sich unsere Zielgruppe vergrößert hat, weil alle gerade Sehnsucht nach Lachen haben. Wir erreichen Menschen, die sonst nicht auf uns aufmerksam geworden wären. Deshalb wollen wir die virtuelle Visite fortführen, auch wenn vielleicht nicht in dieser hohen Schlagzahl.

Clowns in Zeiten von Corona

Auch die Clinic-Clowns Hannover stellen Videos ins Netz, um ihre Patienten weiterhin zum Lachen zu bringen In Hamburg können Angehörige bei den Klinikclowns sogar einen kleinen Gruß für ihre Familienmitglieder bestellen. Die Leipziger Klinikclowns treten im Freien vor dem Krankenhaus auf, um Präsenz zu zeigen. Via Live-Videovisiten sind die bayerischen Klinikclowns für ihre Patienten da. Und in sogenannten Walkacts traten sie vor Krankenhäusern, Seniorenheimen und Hospizen unter anderem in München, Nürnberg und Bamberg auf.

Weitere Informationen unter dachverband-clowns.de.


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