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Debatte über Schulöffnungen: Was spricht dafür, was dagegen?

Wie und wann sollten Schulen und Kindergärten in der Corona-Pandemie wieder öffnen? Diese Frage wird in der Politik derzeit stark diskutiert. Einige Fragen und Antworten

von Katharina Redanz, dpa, 29.05.2020

Wie und wann sollten Schulen und Kindergärten in der Corona-Pandemie wieder öffnen? Diese Frage zählt derzeit zu den am meisten diskutierten in der Politik. Immer mehr Bundesländer planen inzwischen eine schrittweise Rückkehr zum Regelbetrieb – obwohl es
bisher keine gesicherten Erkenntnisse über die Ansteckungsgefahr von Kindern gibt. Gleichzeitig warnen Experten vor den Auswirkungen auf Kinder, wenn sie wochenlang nicht zu Schule gehen. Es gilt, verschiedene Punkte gegeneinander abzuwägen. Einige Fragen und Antworten.

Wie ansteckend sind Kinder im Bezug auf SARS-COV-2?

Aufgrund einer relativ dünnen wissenschaftlichen Datenlage lässt sich die Frage derzeit nicht abschließend beurteilen. Einer Untersuchung des Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité zufolge, die Ende April veröffentlicht wurde, sind Kinder vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene. Die Wissenschaftler bestimmten in Proben von 3712 Infizierten die Menge an Sars-CoV-2-Viren. Das Ergebnis: Im Wesentlichen gebe es keine nachweisbaren Unterschiede in der Zahl der Viren bei den verschiedenen Altersgruppen.

Drosten selbst allerdings wies bereits auf mögliche Schwächen der Studie hin. Auch andere Experten äußerten Kritik. So sei etwa die Zahl der untersuchten Kinder und Jugendlichen in der Studie relativ klein.

Forscherinnen und Forscher von der Uni Genf kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie Drosten. In einer ersten, noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Veröffentlichung beschreiben sie, dass ihren Untersuchungen zufolge symptomatische Kinder aller Altersstufen eine vergleichbare Virusmenge wie Erwachsene tragen und sie innerhalb des frühen Stadiums der Krankheit "infektiöses Virus ausstoßen". Die Übertragung des Virus durch Kinder sei deshalb plausibel.

Gibt es auch Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen?

Ja. Forschern von verschiedenen Universitätskliniken in Baden-Württemberg zufolge spielen Kinder bei der Übertragung des Erregers nur eine untergeordnete Rolle. Sie würden anscheinend nicht nur seltener krank, sondern seien wohl auch seltener infiziert als Erwachsene, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu ersten Ergebnissen aus der Studie. Die Studie werde aber noch weiter ausgewertet. Das federführende Universitätsklinikum Heidelberg wollte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur vor der offiziellen Vorstellung der Ergebnisse nicht weiter äußern.

Forschern in China zufolge scheint es zudem einen deutlichen Unterschied beim Ansteckungsrisiko von Kindern und Erwachsenen zu geben. Laut ihren Ergebnissen sind Kinder nur ein Drittel so anfällig, sich zu infizieren, wie Erwachsene zwischen 15 und 64 Jahren.

Wie viele Kinder haben sich bislang in Deutschland mit dem Sars-Cov-2-Virus infiziert?

Angaben des Robert-Koch-Instituts zufolge (Datenstand 27.5.) ist der Anteil von Kindern und Jugendlichen unter den knapp 180 000 nachgewiesenen Corona-Fällen in Deutschland gering. Den Angaben nach infizierten sich bis Ende Mai rund 3600 Kinder unter 10 Jahren, das entspricht rund 2 Prozent aller Infizierten. Knapp 8000 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren steckten sich nachweislich mit dem Virus an (4,4 Prozent).

Was für psychische Auswirkungen hat es auf Kinder, wochenlang nicht zur Schule zu gehen?

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat vor gravierenden Folgen für Kinder und Jugendliche gewarnt, wenn Schulen und Kitas nicht bald wieder vollständig öffnen. Das Fehlen der gewohnten Lehr- und Lernumgebung wirke sich einschneidend auf das soziale Zusammenleben aus, sagte Präsident Thomas Krüger der "Welt" (Donnerstag). "Es ist ein schwerer Eingriff in ihre Lebenswelt, in ihre Grundrechte und beeinträchtigt ihre psycho-soziale Entwicklung."

Wie schlimm ist es, wenn Kinder Unterricht verpassen?

"Es ist für Kinder ein ganz großer Einschnitt, wenn der normale Unterricht in der Schule nicht stattfindet", sagt Kai Maaz, geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt der dpa. Dabei seien unterschiedliche Perspektiven zu beachten: Zum einen könne der Unterricht zuhause niemals auf so einem Niveau stattfinden wie in der Schule, wo ausgebildete Lehrkräfte sich ausschließlich damit beschäftigen, den Kindern etwas beizubringen. Fachlich entstünden nun bei manchen Kindern wahrscheinlich größere Lücken. Diese seien aber – wenn jetzt richtig reagiert werde – noch aufzuholen.

Hinzu komme, dass man in der Schule nicht nur Fachliches lerne. "Schule ist auch der Ort, an dem man soziale Kompetenz lernt, sich streitet, sich behauptet." All dies falle derzeit weg.


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