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Coronavirus: Ausgerechnet jetzt in die Kinderklinik?

Eine notwendige Operation oder Behandlung in der Klinik bedeutet bei Kindern immer Stress für die ganze Familie. Doch wie läuft der Krankenhausaufenthalt während der Corona-Pandemie ab?

von Tanja Eckes, 22.04.2020

Ob Fahrradunfall oder chronische Erkrankung: Müssen Kinder ins Krankenhaus, löst das grundsätzlich viele Ängste und Sorgen aus. Nicht nur Schmerzen oder Narkose belasten die kleinen Patienten. Sie fürchten sich vor der fremden Umgebung, vor Untersuchungen mit komischen Instrumenten, vor dem medizinischen Personal und natürlich davor, von Mama und Papa getrennt zu sein. Zwar sieht seit den 1980er Jahren die "Europäische Charta für die Rechte des Kindes im Krankenhaus" vor, dass Kinder ihre Eltern oder eine andere vertraute Begleitperson in der Klinik bei sich haben dürfen und dass eine Mitaufnahme über Nacht ermöglicht werden soll. Aber wie lässt sich diese Vorgabe umsetzen, jetzt, da die Corona-Pandemie unseren Alltag beherrscht?

Ausnahmezustand wegen SARS-CoV-2

Weil plötzlich viele neue Regelungen gelten und alte außer Kraft gesetzt sind, fragen sich viele Eltern zu Recht: Darf ich mein Kind denn jetzt überhaupt in die Klinik begleiten? Können die Geschwister oder Oma und Opa zu Besuch kommen? Und muss ich mit meinem Liebling mit Mund-Nasen-Schutz kuscheln? "Tatsächlich stellt die momentane Situation alle vor besondere Herausforderungen", bestätigt Dr. Heidrun Thaiss, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Zum Schutz der Patientinnen und Patienten, aber auch der Mitarbeitenden gelten derzeit in Kinderkliniken eingeschränkte Besuchsregelungen, über die jeweils lokale Hygienevorgaben und das zuständige Gesundheitsamt entscheiden." Eine bundesweite Vorgabe besteht also nicht, von Klinik zu Klinik wird über Besuche oder Übernachtung der Mutter oder des Vaters im Einzelfall entschieden. Grundsätzlich gilt aber: "Eine Begleitperson wird nur symptomfrei zugelassen, darf also weder Husten noch Fieber haben. Zudem muss sicher sein, dass sie keinen Kontakt zu COVID-19-Patienten hatte", so Heidrun Thaiss. Doch auch wer noch symptomfrei ist, könnte mit dem Virus infiziert sein und andere anstecken. Davon gehen Forscher zum jetzigen Zeitpunkt aus. "Daher sind in einigen Kliniken aktuell Begleitpersonen und Besuche grundsätzlich untersagt." Nach jetzigem Wissensstand bestehe ein erhöhtes Infektionsrisiko, wenn die Kinder ein geschwächtes Immunsystem haben oder durch Vorerkrankungen zur Risikogruppe zählen. Das kann im schlimmsten Fall bedeuten, dass sogar die Eltern für die Zeit des Klinikaufenthalts nur sehr eingeschränkt Kontakt zu ihrem Kind haben dürfen.

Die Umstände individuell abwägen

Sabrina Oppermann, Vorsitzende des gemeinnützigen "Aktionskomitees Kind im Krankenhaus" erhält gerade viele Rückmeldungen von betroffenen Eltern und hat erfahren: "Ob Mama oder Papa dabeibleiben dürfen, liegt aktuell im Ermessensspielraum der Klinik und hängt stark von den Umständen ab. Ist das Kind zwei oder zwölf Jahre alt? Wird ein Beinbruch behandelt oder steht eine Knochenmarkstransplantation an? Das macht bei der Strenge der Hygienevorgaben natürlich einen Unterschied." Gerade bei Kindern unter zehn Jahren oder bei kleinen Patienten mit geistiger Beeinträchtigung, so die Einschätzung von Sabrina Oppermann, versuchen aber Klinik- und Pflegedienstleitungen weiterhin, trotz Ausnahmezustand eine Mitaufnahme eines Elternteils unbedingt möglich zu machen.

Sie rät betroffenen Familien vor allem dazu, im Vorfeld sämtliche Optionen zusammen mit den Ärzten durchzugehen: Lässt sich eine Behandlung oder ein Eingriff doch aufschieben? Wäre ambulante Versorgung eine Alternative? Und können Mutter oder Vater sich sozusagen in "Klinik-Quarantäne" begeben, also für die Dauer des Aufenthaltes auf jeglichen Kontakt zur Außenwelt – und damit auch auf Besuch anderer Familienmitglieder – verzichten?

Regeln als Schutz, nicht als Schikane sehen

Wie wichtig sämtliche Vorsichtsmaßnahmen sind, auch wenn sie unbequem und beängstigend erscheinen, betont Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz, Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin: "Natürlich ist es traurig, dass Geschwister, Großeltern oder auch Kindergarten- und Schulfreunde momentan nicht zu Besuch kommen können. Allerdings sollte man sich klar machen, wie wichtig diese Schutzmaßnahmen für alle Beteiligten sind. In vielen Kliniken  besteht ohnehin schon ein Mangel an Pflegepersonal und Schutzausrüstung, und der Betrieb kann nur aufrecht erhalten werden, wenn sich niemand infiziert."

Zu diesen Maßnahmen zählt auch: Eltern dürfen sich nicht mit dem Übernachten abwechseln, um die Anzahl der Außenkontakte überschaubar zu halten. Und unnötige Ausflüge in Supermarkt und Drogerie oder ständige Rauchpausen im Freien sollte man sich sparen. "Es gibt die Empfehlung, sich nur so kurz wie möglich in den Fluren aufzuhalten. Gemeinschaftsräume und Spielbereiche sollten zum Schutz vor Ansteckung gar nicht aufgesucht werden", ergänzt Heidrun Thaiss. Das bedeutet viel Zeit auf engstem Raum, dazu noch mit einem kranken Kind, und verlangt allen Beteiligten einiges ab. Je nach gesundheitlicher Verfassung und Alter des Kindes können Brettspiele, CDs, Basteleien, Mal- oder Lesebücher die Zeit ein wenig verkürzen.

Hohe Hygienestandards

Falls das Okay für die Mitaufnahme gegeben wurde, sind manche Eltern dennoch beunruhigt. Was, wenn man sich ausgerechnet im Klinikumfeld jetzt selbst mit dem Corona-Virus ansteckt? Hans-Iko Huppertz kann beruhigen: "Es wird alles getan, um das Risiko zu minimieren. Zum Beispiel wurden fast überall Klinikeingänge eigens für COVID-19-Patienten eingerichtet, während Nichtinfizierte auf anderem Weg in die Klinik gebracht werden." In der Regel müssen Begleitpersonen Mund-Nasen-Schutz tragen, sobald sie das Zimmer oder die Station kurz verlassen. Beim Schmusen mit dem eigenen Kind ist das aber normalerweise nicht nötig.

Dass das medizinische Personal momentan nur "vermummt" auftritt, kann einigen Kindern natürlich zusätzlich zur ungewohnten Situation in der Klinik Angst machen. "Es ist eine Gratwanderung zwischen psychischer Belastung der Eltern und Kinder und dem Gesundheitsschutz aller", bestätigt Sabrina Oppermann. "Da können Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und therapeutische Mitarbeiter aber viel auffangen, wenn sie genau erklären, warum die Schutzkleidung notwendig ist. Ich weiß, dass teilweise ein lachender Mund auf die Maske gemalt wird, um Kindern die Angst zu nehmen." Oppermann rät Eltern, möglichst unaufgeregt mit dem Thema der strengen Hygienemaßnahmen umzugehen. Das helfe den Kindern ebenfalls, sich zu entspannen. Grundsätzlich variieren aber auch hier von Klinik zu Klinik die Bestimmungen. Am besten erkundigen Sie sich vor dem Aufenthalt noch mal ganz gezielt nach den jeweiligen internen Regelungen.

Weitere Informationen zum Coronavirus gibt es für Familien auch auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.kindergesundheit-info.de/coronavirus-elterninformationen/. Kontakt zum "Aktionskomitee Kind im Krankenhaus" können Sie über www.akik.de aufnehmen.


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