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Corona: Wie sinnvoll sind Selbsttests für Kinder?

Zahlreiche Bundesländer haben Schülern das Selbsttesten verordnet. Doch Kinderärzte sehen diese Strategie mit Skepsis

von Christian Parth, aktualisiert am 24.03.2021

Der Start der vollmundig angekündigten Selbsttest-Kampagne an Schulen geriet vielerorts zur Improvisation. Im nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach etwa, eine Stadt vor den Toren Kölns, waren die vom Land versprochenen Tests zum geplanten Beginn der Aktion am vergangenen Mittwoch noch gar nicht eingetroffen. Die Kommune sprang eigenen Angaben zufolge ein und versorgte die Schulen mit 37000 Selbstschnelltests. Die Bereitschaft zur Teilnahme sei allerdings eher durchwachsen gewesen: Ein Drittel der Schüler und Lehrer der weiterführenden Schulen nahm an den Selbsttests nicht teil. Sämtliche 20 Grundschulen haben abgewunken, weil sie sich offenbar von der Kurzfristigkeit überrumpelt fühlten.

Behörden setzen auf Eigenverantwortung

Mit der zunehmenden Rückkehr in den Präsenzunterricht haben viele Bundesländer die Schulen mit in ihre Teststrategie aufgenommen. Dabei setzen die Kultusbehörden auf Eigenverantwortung. Die Kinder sollen sich je nach Testverfügbarkeit mehrmals die Woche in der Schule und unter Aufsicht eines Lehrers selbsttesten. "Die Corona-Selbsttests sind ein zusätzlicher Baustein für den Infektionsschutz. Sie helfen uns dabei, das Recht auf Bildung und den Gesundheitsschutz umzusetzen", sagte etwa NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Ihr bayrischer Amtskollege Michael Piazolo schrieb in einem Brief an die Eltern, er sei "überzeugt, dass regelmäßige und kontinuierliche Testungen den Schulbetrieb in diesen Zeiten deutlich sicherer machen können".

In der Kritik

Doch es gibt auch Kritik. Gerade Kinder- und Jugendärzte zeigen sich wenig begeistert von der Selbsttest-Strategie. "Ausgehend von allgemein anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen der Screening- und Infektionsdiagnostik erscheint es angesichts fehlender Daten zur Validität von Antigenschnelltests gerade bei asymptomatischen Kindern zum jetzigen Zeitpunkt weder gerechtfertigt noch angemessen, diese Tests flächendeckend in Schulen und Kitas einzusetzen", heißt es in einem Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Bei Anwendung der Schnelltests sei zu erwarten, dass die Zahl falsch negativer und falsch positiver Ergebnisse "inakzeptabel" hoch sei und dies "weit mehr Schaden als Nutzen" anrichte, warnen die Verbände in ihrem Papier.

Befürchtung bestätigt

Denn ein Antigenschnelltest kann auch falsch positiv sein. Zur Bestätigung ist daher anschließend immer ein PCR-Test durch medizinisches Fachpersonal notwendig. In Bergisch Gladbach zeigte sich zum Beispiel: Von 6262 Tests waren laut Pressestelle der Stadt 36 positiv. Von diesen 36 wiederum konnten durch die PCR-Testung lediglich zwei als positiv bestätigt werden. Und umgekehrt: Ein negatives Testergebnis ist nur eine Momentaufnahme. Eine Übertragung des Virus auf andere Menschen ist damit nicht automatisch ausgeschlossen – wie auch eine Studie des renommierten Cochrane Instituts zeigt.

Für Kinder (unter Aufsicht) geeignet

Die Ministerien betonen, dass die Selbsttests auch für Kinder geeignet seien. Allerdings nur unter Aufsicht. "Laientests sind in der Regel für die Eigenanwendung von Personen ab 18 Jahren empfohlen", schreibt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände auf Anfrage. "Bei Kindern und Jugendlichen können sie von einem Erziehungsberechtigten oder unter deren Anleitung vom Kind selbst durchgeführt werden."

Immer mehr Anbieter

Der Anbietermarkt füllt sich allmählich. Am 24. Februar dieses Jahres hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin-Produkte (BfArM) die ersten drei Selbstschnelltests zugelassen. Inzwischen ist die Liste auf 20 angewachsen (Stand 24. März). Der Großteil sind nasale Tests. Das tiefe Bohren in die Nase bis in den Rachen ist hier nicht nötig. Es reicht ein Abstrich im vorderen Nasenbereich. Auch Tests aus Speichel ("Spucktests") sind inzwischen von der Behörde zugelassen worden. Aber auch hier gibt es bei der Probenentnahme und Testdurchführung einiges zu beachten. Ob beispielsweise Grundschüler das – selbst unter Anleitung - korrekt umsetzen können, bleibt fraglich. Auch wenn etwa in Bergisch Gladbach aufgrund der ausgebliebenen Lieferung der selbst organisierte Spucktest zur Anwendung kam, setzt das Land auf einen der zugelassenen Nasal-Tests.

Unterschiedliche Lösungen

In der Regel sollen die Schüler sich zwei Mal pro Woche selbst testen. Was den Ort der Durchführung angeht, haben die Länder unterschiedliche Lösungen gefunden. Während einige die Testung unter Lehreraufsicht gleich morgens in der Schule vornehmen sollen, bekommen etwa die Schüler in Berlin und Brandenburg die Testkits mit nach Hause und müssen der Schule dann ein negatives Ergebnis vorlegen. Bei Laientests für Kita-Kinder geben sich die meisten Länder zurückhaltend. In NRW hat sich die Landesregierung dagegen entschieden. Wissenschaftler hätten nicht dazu geraten, zum jetzigen Zeitpunkt alle Kinder in Kitas zu testen, sagte Familienminister Joachim Stamp. Es liefen aber lokale Studien mit noch nicht für den Massengebrauch zertifizierten Spucktests bei Kindern. In Sachsen seien Tests für Kita-Kinder derzeit ebenfalls kein Thema, teilte das Kultusministerium mit. Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt dagegen hat 300.000 Tests für Kita-Kinder angekündigt. Bis Ostern soll dort jedes Kind einmal, nach den Feiertagen dann zwei Mal wöchentlich von den Eltern getestet werden.  

Sind die Tests freiwillig?

Doch was passiert eigentlich, wenn Eltern oder Kinder den Test ablehnen? Generell sind die Testungen freiwillig. Allerdings haben die einzelnen Länder unterschiedliche Verfahren eingesetzt. In NRW beispielsweise gilt die Widerspruchslösung, das heißt Erziehungsberechtigte oder volljährige Schüler müssen per Formular ihr Veto einlegen. In Bayern und Sachsen müssen vorab Einverständniserklärungen unterschrieben werden. Wer sich allerdings nicht testen lassen will, hat mitunter mit Konsequenzen zu rechnen. In Sachsen etwa dürfen die Schüler dann nicht mehr am Präsenzunterricht teilnehmen.


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