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Corona-Lockerungen: Wann starten die Schwimmkurse wieder?

Wegen der Corona-Pandemie mussten auch die Schwimmbäder schließen. Sind Babyschwimmen und Kinderschwimmkurse nun bald wieder möglich? Und wie sicher ist das Planschen?

von Marlen Schernbeck, 20.05.2020

Stolz das Seepferdchen-Abzeichen in den Händen zu halten – diesen Moment können viele Kinder kaum erwarten. Doch seit März sind die Schwimmbäder in ganz Deutschland geschlossen, und damit auch die Schwimmkurse nach hinten verschoben.

Interview Experte Alexander Gallitz: Präsident des Deutschen Schwimmlehrerverbands

Bis wann genau, sei vielerorts noch unklar, sagt der Präsident des Deutschen Schwimmlehrerverbands Alexander Gallitz. Er ist zudem Franchisegeber einer großen Schwimmschule mit mehreren Standorten europaweit. "In Bayern warten wir jeden Tag auf neue Informationen", so Gallitz. Seine Kolleginnen in Nordrhein-Westfalen hingegen könnten voraussichtlich bereits Ende Mai wieder starten.

Länder entscheiden über Lockerung

Wann die Bäder-Beschränkungen gelockert werden, entscheiden die einzelnen Länder – und die gehen unterschiedliche Wege, wie die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e.V. berichtet. Konkrete Starttermine liegen in einigen Ländern bisher vor allem für die Freibäder vor. In Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin dürfen sie zum Beispiel noch im Mai öffnen, in Bayern frühestens im Juni. Andere Länder machen hierzu noch keine Angaben.

Diese fehlen oft zudem für die Hallenbäder. Während sie in NRW ab dem 31. Mai wieder öffnen dürfen, und ab Pfingsten in Baden-Württemberg Schwimmkurse und -unterricht möglich sein sollen, ist die Hallenbad-Situation in den meisten Ländern derzeit noch ungewiss.

Infektionsrisiko im Wasser gering

Doch ist das Schwimmen in Corona-Zeiten überhaupt sicher? Experten sind sich weitgehend einig: Das Infektionsrisiko im Wasser ist, sofern der auch außerhalb des Wassers geltende Mindestabstand eingehalten wird, äußerst gering – sowohl in Schwimmbädern als auch in Badeseen. "Das Virus wird im Wasser stark verdünnt", erklärt Dirk Bockmühl, Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve. "Um sich zu infizieren, muss man eine bestimmte Anzahl an Viruspartikeln aufnehmen, eine sogenannte infektiöse Dosis. Das wird durch die Verdünnung verhindert", so Bockmühl.

Das Umweltbundesamt konstatiert: Neben der Verdünnung werde das Wasser in Frei- oder Hallenbädern filtriert und chemisch behandelt, Bakterien und Viren somit inaktiviert. Vor allem gegen sogenannte behüllte Viren – wie die Coronaviren – seien die Desinfektionsverfahren wirksam.

Prof. Dr. Dirk Bockmühl: Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve

Knackpunkt: Abstand halten

Der Knackpunkt liegt stattdessen bei den Hygiene- und Abstandsregeln. Sie stellt die Badbetreiber vor immense Herausforderungen. "Einige Maßnahmen sind im Schwimmbad schwer oder gar nicht umzusetzen. Man kann im Wasser ja keinen Mundschutz aufsetzen", so Dirk Bockmühl. Auch Abstand zu halten, könnte je nach Beckengröße zu einem schwierigen Unterfangen werden.

Um die Bäder überhaupt öffnen zu dürfen, müssen die Betreiber daher ein ausgefeiltes Hygienekonzept vorlegen. Eine Orientierung bietet der "Pandemieplan Bäder", den die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) veröffentlicht hat und der konkrete Maßnahmen für den Badbetrieb während der Corona-Pandemie liefert. Ein zentraler Punkt: die Anzahl der zugelassenen Badegäste muss stark reduziert werden, um den nötige Abstand im Wasser und auf den Liegeflächen zu gewährleisten.

Auch Alexander Gallitz hat mit seinem Team ein solches Konzept für seine Schwimmschule erarbeitet, um die Kurse für Babys, Kinder und Erwachsene bald wieder aufnehmen zu können. "Unsere Gruppen sind mit maximal sechs Kindern ohnehin klein. Anstatt des Schwimmlehrers geht ein Elternteil mit dem Kind ins Wasser – im Abstand von mindestens 1,5 Metern zu den anderen Teilnehmern. Der Schwimmlehrer zeigt die Übungen am Beckenrand und trägt einen Mundschutz", fasst er das Konzept zusammen. Umgezogen werde sich in Einzelkabinen, geduscht zu Hause. In gleicher Weise sei auch das Babyschwimmen möglich.

Vorsicht beim Baden in Seen

Bleiben die Bäder jedoch noch für längere Zeit geschlossen, fürchtet Alexander Gallitz um die Wassersicherheit von Kindern und Erwachsenen. "Schwimmen muss regelmäßig geübt werden. Nun fällt es bereits seit einigen Monaten aus. Wenn die Leute das erste Mal zum Beispiel im See baden gehen, sind da plötzlich zusätzlich Strömungen – und das kann schnell gefährlich werden", so Gallitz. Es sei davon auszugehen, dass sich dieses Jahr besonders viele Familien an Naturgewässern tummeln, wenn der Zugang zu den Freibädern eingeschränkt ist.

Einen gewaltigen Ansturm auf Seen, Flüsse und Meere diesen Sommer erwartet auch die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Die Abstandsregeln zu kontrollieren, ist dort noch schwieriger als in Freibädern. Noch dazu werden viele der natürlichen Badestellen nicht von Wasserrettungsorganisationen beaufsichtigt. Die Sorge der DLRG: mehr Badeunfälle und eine erhöhte Zahl der Ertrinkungstoten.

Sie appelliert daher dringend, an unbewachten Stränden oder Ufern nicht ins Wasser zu gehen. Und wo immer Familien ans Wasser gehen gilt: Kleine Kinder nie aus den Augen lassen – auch wenn das Planschbecken zu Hause das Freibad ersetzt.

In der Badewanne üben

Bis der Bäderbetrieb wieder vollständig aufgenommen und Schwimmkurse starten können, kann es in vielen Bundesländern also noch etwas dauern. Bis dahin können die kleinen Nichtschwimmer zum Beispiel in der heimischen Badewanne üben – etwa die Atmung: Dafür zum Beispiel mit einem Strohhalm ins Wasser blubbern oder einen Tischtennisball auf der Wasseroberfläche wegpusten. Viele Schwimmschulen haben auf ihren Webseiten Übungen zur Wassergewöhnung online gestellt.

Auch die DLRG veröffentlicht auf ihrer Webseite und ihren Social-Media-Kanälen regelmäßig Ideen für Übungen zu Hause – ob unter der Dusche oder in der Wanne. "Damit lässt sich die Zeit gut überbrücken", findet auch Alexander Gallitz. Bis zu dem Zeitpunkt, wenn es wieder losgehen kann, die Kinder ins Wasser hüpfen dürfen und so viel üben, bis der Moment gekommen ist und sie es endlich in den Händen halten: das orangefarbene Seepferdchen.


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