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Corona: Kinderwunschbehandlungen noch möglich?

Das Coronavirus SARS-CoV-2 stoppt vieles, nicht aber die Sehnsucht nach einem Baby. Doch behandeln Kinderwunschpraxen Paare im Moment überhaupt?

von Stephanie Arndt, 08.05.2020

Langsam werden die Maßnahmen, die gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ergriffen wurden wieder gelockert. Spielplätze werden wiedereröffnet, in den Klassenzimmern pauken die ersten Schüler und auch die Kleinkinder sollen zeitnah wieder in die Kita gehen dürfen. Ähnlich sieht die Entwicklung auch in Deutschlands Kinderwunschpraxen aus. Einige wenige hatten ihren Betrieb in den vergangenen Wochen eingestellt, die meisten dagegen nur stark heruntergefahren.

Aufs Bauchgefühl hören

Zu Beginn, als die Weltgesundheitsorganisation die Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 als Pandemie einstufte, hatten die amerikanischen und europäischen Reproduktionsgesellschaften ASRM und ESHRE geraten, alle Kinderwunschbehandlungen sofort einzustellen und keine neuen zu starten. Zu groß war die Unsicherheit, wie und wie schnell sich das Virus verbreiten könnte. Auch die Deutsche Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (DGRM) schloss sich anfänglich der internationalen Einschätzung an, keine neuen Behandlungen zu starten, lockerte dann aber die strikten Empfehlungen aufgrund der zum Glück im Rahmen gebliebenen Situation in Deutschland. Sie überlässt die Entscheidung nun den Ärzten und Ärztinnen. Das Für und Wider einer Behandlung soll gemeinsam mit den Patientenpaaren ausführlich erörtert werden.

Monika Uszkoreit, Geschäftsführerin vom Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren e.V. (BRZ): "Rein rechtlich ist die Behandlung unter Einhaltung der Hygieneregeln zwar uneingeschränkt erlaubt, die Auflagen führen allerdings dazu, dass die Behandlungskapazitäten in den Zentren stark eingeschränkt sind. Es geht vor allem aber um das Gefühl der künftigen Eltern, ob sie sich trotz Corona für eine Kinderwunschbehandlung entscheiden." Deswegen werden Paare sehr intensiv über mögliche Risiken aufgeklärt.

"Die bisherigen Beobachtungen zeigen zum Glück, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft scheinbar kein erhöhtes Risiko für die werdende Mutter bedeutet. Selbst wenn Schwangere an COVID-19 erkranken, ist der Verlauf in der Regel milde. Es deutet auch weiterhin vieles darauf hin, dass das Virus nicht auf das Ungeborene übertragen wird, hierzu gibt es täglich neue Erkenntnisse", sagt Dr. Corinna Mann, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe aus München. Doch letztendlich gibt das nur den derzeitigen Wissensstand wieder, der aufgrund der Neuheit des Virus noch begrenzt ist und sich verändern kann. Daher betont die DGRM, dass die Paare ausführlich über die fehlenden Kenntnisse zu den Auswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion in der Frühschwangerschaft aufgeklärt werden sollen.

Auf die Hygiene achten

Beide Expertinnen weisen darauf hin, dass es vordergründig bei allen Behandlungen darum geht, die aktuell geltenden Hygienemaßnahmen einzuhalten. So bietet die Münchener Kinderwunsch-Ärztin zum Beispiel das Kennlerngespräch zwischen ihr und den Patientenpaaren auch als Video-Sprechstunde an. "Das lässt sich auch auf diese Weise sehr gut handhaben. Als Praxis, die nur mit festen Terminen arbeitet und ohne lange Wartezeiten, können wir die Abstandsregeln im Wartezimmer sehr gut einhalten", sagt Corinna Mann. Uszkoreit kennt Praxen, in denen etwa vor dem Eintritt Fieber gemessen wird.

Doch was ist mit Ultraschall und anderen Untersuchungen? "Einen Sicherheitsabstand einzuhalten, ist dann natürlich nicht möglich. Allerdings sorgen wir durch ein sehr aufwändiges Hygieneprotokoll für größtmögliche Sicherheit, das galt auch schon vor Corona", sagt Gynäkologin Mann. Und alle Beteiligten tragen in der Praxis einen Mund-Nasen-Schutz. Räume, Liegen, aber auch Stühle und Tische werden nach jedem Patienten desinfiziert. Neu ist: "Dass zum Beispiel auch Türklinken möglichst nur durch das Personal berührt werden. Und wir behandeln selbstverständlich keine erkrankten Personen in der Praxis. Nur Personen, die gesund sind und keinen Kontakt zu Erkrankten hatten, dürfen in die Praxis kommen", erklärt Mann.

Auf die Termine schauen

Brechen viele Paare die Behandlung ab? BRZ-Verbandsgeschäftsführerin Monika Uszkoreit erfasst durch Rückmeldungen der Mitgliedspraxen derzeit noch einen deutlichen Rückgang um bis zu 50 Prozent. Auch Corinna Mann spürte in den ersten zwei Wochen des Corona-Lockdowns in Deutschland eine starke Verunsicherung, verbunden mit so mancher Terminabsage. Mittlerweile normalisiere sich in ihrer Praxis aber die Lage wieder. "Die Paare, die zu mir kommen, sind häufig schon etwas älter. Da spielt auch der Zeitfaktor eine große Rolle und sie möchten die potenziellen Befruchtungs-Zyklen nutzen. Corona hin oder her", sagt Corinna Mann.


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