{{suggest}}


Corona-Impfung und Kinderwunsch

Die meisten jungen, gesunden Frauen bekommen voraussichtlich erst im Sommer ein Impfangebot. Wie sollen sie nun mit dem Kinderwunsch in Pandemie-Zeiten umgehen?

von Miriam Hoffmeyer, 12.04.2021

Frauen mit Kinderwunsch stehen derzeit vor einem Dilemma: Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfiehlt ihnen, sich vor einer Schwangerschaft gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Doch das kostet Zeit. Zwischen den beiden Impfterminen sollten bei den derzeit bei jungen Frauen eingesetzten mRNA-Impfstoffen laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) sechs Wochen liegen. Und nach dem zweiten Impf-Termin sollen Frauen laut DGGG noch ein paar Tage abwarten. Prof. Katharina Hancke, stellvertretende Direktorin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Ulm, empfiehlt, erst sieben Tage nach der zweiten Impfung den Kinderwunsch aktiv anzugehen. Sie erklärt: "Die Frauen sollten etwaige Reaktionen des Immunsystems wie Fieber abwarten, bevor sie versuchen, schwanger zu werden."

Eine Corona-Impfung während der Schwangerschaft wird derzeit von den medizinischen Fachgesellschaften nicht befürwortet. Das liegt vor allem daran, dass es bisher nur sehr wenige Daten zu Corona-Impfungen bei schwangeren Frauen gibt. Wird eine Frau geimpft, die von ihrer Schwangerschaft noch nichts weiß, muss sie sich aber keine großen Sorgen machen. Es gibt derzeit keine Anhaltspunkte, dass die Impfung Mutter oder Kind schaden würde.

Den Kinderwunsch aufschieben?

Sollen Paare ihren Kinderwunsch also aufschieben? Frauen, die bestimmte Vorerkrankungen haben oder Berufe mit hohem Infektionsrisiko ausüben – wie Medizinische Fachangestellte, Physiotherapeutinnen, Lehrerinnen oder Erzieherinnen –, haben gute Chancen, innerhalb der nächsten Wochen einen Impftermin zu erhalten. Für sie fällt die Antwort von Expertinnen eindeutig aus: "Wer jetzt ein Impfangebot hat, sollte es auf jeden Fall wahrnehmen", empfiehlt Dr. Antonella Iannaccone, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Essen. Die Vorteile des Impfschutzes überwögen klar den Nachteil eines Aufschubs des Kinderwunsches von zwei bis drei Monaten: "Schwangere, die an Covid-19 erkranken, haben laut Studien ein höheres Risiko für schwere Verläufe, die eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig machen." Darüber hinaus gibt es Hinweise, wonach eine Infektion mit Covid-19 das Risiko, eine Schwangerschaftsvergiftung oder eine Frühgeburt zu erleiden, erhöhen könnte. Für Frauen, die eine künstliche Befruchtung planen, sei das ein zusätzlicher Grund, sich impfen zu lassen, meint Iannaccone. Denn künstliche Befruchtungen gehen grundsätzlich mit höheren Risiken für Schwangerschaftskomplikationen einher. Auch die Ulmer Expertin Katharina Hancke rät Frauen mit Kinderwunsch, die Chance auf eine baldige Impfung auf jeden Fall zu nutzen – "vor allem, weil jede Impfung dazu beiträgt, die gesamte Gesellschaft zu schützen."

Überschaubare Wartezeit

Eine überschaubare Wartezeit lohnt sich also. Doch welcher Aufschub wäre zu lang? Nicht wenige der betroffenen Frauen gehören vermutlich zur Gruppe 4 "ohne Priorität", die sich beim Impfen ganz hinten anstellen muss. Und das Impftempo in Deutschland war bisher schleppend. "Wenn eine Frau schon älter ist als 35 und gar nicht absehen kann, wann sie die Chance zur Impfung bekommt, würde ich empfehlen, den Kinderwunsch nicht aufzuschieben", meint Antonella Iannaccone. "Es kommt hier aber auf den Einzelfall an. Frauen sollten sich mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin beraten und dann entscheiden." Beim Abwägen spielen mehrere Aspekte eine Rolle: Kinderwunschbehandlungen lassen sich unterbrechen. Wer ein Impfangebot bekommt, kann es also auch nach Beginn der Behandlung oft problemlos wahrnehmen. Solange die Frau in der Zwischenzeit nicht älter als 40 und der Mann nicht älter als 50 Jahre alt wird, erstattet die gesetzliche Krankenkasse trotzdem anteilig die Kosten für die Behandlung, wenn diese vorher genehmigt wurde. Zudem ist eine Impfung auch während der Schwangerschaft nicht unmöglich. Nach Abwägung der individuellen Risikofaktoren kann sich die Schwangere gemeinsam mit den behandelnden Ärzten dafür entscheiden.

Aktuell gilt die Regelung, dass Schwangere zwei enge Kontaktpersonen benennen können, die bevorzugt geimpft werden. Diese Personen wechseln in die Gruppe 2 und werden somit bevorzugt geimpft. Einfacher wäre es, Frauen, die eine Schwangerschaft planen, schneller Zugang zur Impfung zu gewähren, meint Antonella Iannaccone: "Ich bin dafür, Frauen mit Kinderwunsch in eine Gruppe mit höherer Impfpriorität einzustufen." Katharina Hancke sieht das anders: "Es wäre natürlich schön, wenn Frauen mit Kinderwunsch sofort geimpft werden könnten. Aber sie sind ja in der Regel gesund. Solange nicht genügend Impfstoff für alle vorhanden ist, ist es sinnvoll, wenn zuerst Menschen mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf die Impfung bekommen."

Falschinformationen im Netz

Sorge bereitet beiden Medizinerinnen das immer noch durch das Internet geisternde Gerücht, wonach mRNA-Impfstoffe angeblich unfruchtbar machen. "Leider hat sich diese Falschinformation so verbreitet, dass viele junge Frauen Angst vor einer Impfung haben", sagt Katharina Hancke. "Diese Bedenken sind unbegründet. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Impfung die Fruchtbarkeit beeinträchtigt."


Lassen Sie Ihr Kind entsprechend der Empfehlungen impfen?
Zum Ergebnis
Haben Sie in der Stillzeit Alkohol getrunken?
Zum Ergebnis