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Corona: Impfung gegen Covid-19 für Schwangere und Stillende?

Fachärztinnen fordern, Schwangere und Stillende bevorzugt gegen SARS-CoV-2 zu impfen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt ihnen die Impfung bisher nicht generell

von Nele Langosch und Orla Finegan, aktualisiert am 24.06.2021

Sollten sich Schwangere auch impfen lassen? Ja, sagt der ärztliche Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof. Warum, erklärt er im Podcast "Nachgefragt!".

Immer mehr Menschen erhalten eine Impfung gegen Covid-19. Schwangeren empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung derzeit jedoch nicht generell. Zu ihrem Schutz soll aber die Immunisierung ihrer engsten Kontaktpersonen beitragen: Die Bundesregierung priorisiert diese derzeit in Gruppe 2. "Bisher liegen keine Erkenntnisse aus kontrollierten Studien zum Einsatz der Covid-19-Impfstoffe in der Schwangerschaft vor", begründet die STIKO ihre Haltung in einer Mitteilung im Mai. "Entgegen der Empfehlung in einigen anderen Ländern und der Auffassung verschiedener Fachgesellschaften und Berufsverbände in Deutschland (Stand Mai 2021), hält die STIKO die Datenlage zur Sicherheit der Covid-19-Impfung für eine generelle Empfehlung aktuell noch für unzureichend", erläutert Dr. Marianne Röbl-Mathieu, Vertreterin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in der STIKO.

Zuvor hatten sich mehrere medizinische Fachgesellschaften in einer gemeinsamen Stellungnahme für eine bevorzugte Impfung von schwangeren Frauen mit einem mRNA-Impfstoff nach dem Ausschluss von Kontraindikationen und in gemeinsamer Entscheidungsfindung mit der Schwangeren ausgesprochen. "Wir beobachten in der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung", sagt Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, Sektionssprecher der Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und Chefarzt am St. Joseph Krankenhaus Berlin. Risikofaktoren sind Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus, starkes Übergewicht und ein Alter über 35 Jahre. "Insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft scheinen die Erkrankungen dramatischer zu verlaufen, als wir es erwartet haben. Das könnte daran liegen, dass die Lungenfunktion in den letzten Schwangerschaftswochen ohnehin beeinträchtigt ist."

Covid-19: Eine Schwangerschaft erhöht das Risiko für einen schweren Verlauf

Laut der Stellungnahme müssen infizierte Schwangere häufiger auf einer Intensivstation behandelt und beatmet werden als Nicht-Schwangere. Auch die neugeborenen Babys von erkrankten Müttern mussten öfter intensivmedizinisch versorgt werden. Auch kommt es bei einer Covid-19-Infektion in der Schwangerschaft eher zu Komplikationen wie Früh- oder Totgeburten und Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung).

Von den Zulassungsstudien für Impfstoffe sind Schwangere und Stillende jedoch aus ethischen Gründen ausgeschlossen. Weltweit haben sich viele werdende Mütter trotzdem impfen lassen, zum Beispiel weil sie nichts von ihrer Schwangerschaft wussten oder in einem Beruf mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko arbeiten. Ein Forschungsteam der US-amerikanischen Behörde für Seuchenschutz (CDC) hat die Daten von mehr als 35.000 schwangeren Frauen aus den USA ausgewertet, die einen mRNA-Impfstoff von Pfizer/BioNTech oder Moderna erhalten hatten. Etwa 800 Schwangerschaften wurden bis zum Ende begleitet. Komplikationen schienen bei ihnen nicht häufiger zu sein als bei ungeimpften Müttern."Wir empfehlen die mRNA-Impfstoffe, da die Vektorimpfstoffe vor allem bei jungen Frauen Nebenwirkungen auslösen können", sagt Gynäkologe Michael Abou-Dakn.

STIKO plant derzeit keine generelle Empfehlung

Mehrere Länder wie Österreich, die USA, Israel, Großbritannien und Belgien empfehlen die Impfung in der Schwangerschaft bereits oder priorisieren Schwangere entsprechend.

"Alleine auf Grundlage der kürzlich publizierten Beobachtungen aus den USA wird die STIKO keine generelle Impfempfehlung für Schwangere aussprechen", hieß es in der Mitteilung der STIKO. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Prof. Dr. Thomas Mertens, sagte in einem Bundestagsgremium zur Impfung in der Schwangerschaft aber auch: "Es gibt bislang keinen Hinweis, dass eine Schädigung eintreten könnte." Trotz der begrenzten Datenlage kann laut STIKO Schwangeren die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel nach Nutzen-Risiko-Abwägung und ausführlicher ärztlicher Aufklärung unter ganz bestimmten Voraussetzungen angeboten werden: etwa wenn sie Vorerkrankungen haben und dadurch einem hohen Risiko ausgesetzt sind, schwer an Covid-19 zu erkranken. Seit einer Aktualisierung am 12.05.2021 gilt auch ein erhöhtes Expositionsrisiko aufgrund der Lebensumstände als Grund für eine Impfung. "Durch die aktualisierte STIKO-Empfehlung soll der freien Entscheidung der Schwangeren für eine Impfung mehr Raum gewährt werden", sagt STIKO-Mitglied Dr. Marianne  Röbl-Mathieu. Wünscht die Schwangere die Impfung, weil sie etwa ein Kita- oder Schulkind zuhause hat, kann der Arzt nach einem Beratungsgespräch ein entsprechendes Schreiben für die Impfung beim Hausarzt oder im Impfzentrum ausstellen. "Schwangere fallen dann wie ihre Kontaktpersonen in Priorisierungsgruppe 2", sagt Röbl-Mathieu.

 

Hören Sie auch unseren Podcast "Klartext Corona":

Bisher gilt für Schwangere und Stillende keine Impfempfehlung. Bis auf einige Ausnahmen. Warum das so ist, erklärt Dr. Maria Delius von der LMU-Uniklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in München

https://klartext-corona.podigee.io/119-corona-impfung-fur-schwangere-ja-oder-nein/embed?context=external

Frauenärzte wollen Verantwortung nicht übernehmen

Bisher war es für viele Schwangere schwierig, tatsächlich an die Impfung zu kommen. Vor allem, wenn die Frau auf eigenen Wunsch geimpft werden wollte – weil sie zum Beispiel auch ein Kita-Kind zuhause hat. Der Grund: Käme es zu Komplikationen, würde die Gynäkologin oder der Gynäkologe selbst haften. Seit Ende Juni ist nun auch die Haftungsfrage geklärt, wenn die Impfung im Einzelfall entschieden wird. Das Robert-Koch Institut schreibt auf seiner Webseite im "Häufige Fragen"-Bereich: "Für gesundheitliche Schäden im Zusammenhang mit einer COVID-19 Impfung wird auch dann auf der Grundlage von § 60 IfSG eine staatliche Entschädigung geleistet, wenn diese nicht öffentlich von einer Landesbehörde empfohlen worden ist – d.h. in der Regel auch, wenn die Impfung nicht von der STIKO empfohlen ist. Dies umfasst z.B. die Einzelfallentscheidung bei der Impfung von Schwangeren oder Jugendlichen ohne Indikationsimpfempfehlung zwischen 12 und 17 Jahren."

Der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, ist auch niedergelassener Frauenarzt in Hannover. Zum aktuellen Vorgehen erklärt er: "Da es keine allgemein gültigen Vorgaben gibt, müssen Frauenärztinnen und Frauenärzte individuell verfahren." Die Notwendigkeit der Impfung werde mit Patientinnen besprochen, die zum Beispiel unter Diabetes, Bluthochdruck oder massivem Übergewicht leiden, dann werde gemeinsam entschieden. Doch auch der noch immer knappe Impfstoff spiele eine Rolle: "Selbst wenn die STIKO die Impfung für alle Schwangeren empfehlen würde, würde das zurzeit nichts an der Situation ändern."

Corona-Impfung: STIKO prüft laufend die Datenlage

Sollten künftig neue Daten verfügbar sein, kann es passieren, dass die STIKO ihre Empfehlung nochmal ändert und die Impfung ganz generell allen Schwangeren empfiehlt. "Die STIKO ist sich der wachsenden Evidenz zu erhöhten Risiken für die Gesundheit der werdenden Mutter und den Schwangerschaftsverlauf im Falle einer Covid-19-Infektion bewusst und widmet diesem Problem große Aufmerksamkeit", erklärt Röbl-Mathieu. "Die Impfempfehlung wird bei Vorliegen neuer Erkenntnisse zur Sicherheit und Wirksamkeit der Covid-19-Impfung auch künftig laufend aktualisiert werden."

Auch Stillenden wird aufgrund der mangelnden Datenlage eine Impfung nicht generell empfohlen. Die STIKO hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt. "In der Stillzeit sollte die Impfung jetzt schnell zugelassen werden", meint Michael Abou-Dakn. Das empfehlen auch die medizinischen Fachgesellschaften.

Nestschutz: Schützt die Corona-Impfung auch das Baby?

Die Impfung könnte auch dem Baby nützen: Bildet die Mutter Antikörper gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2, kann sie diese offenbar über das Nabelschnurblut an das ungeborene Kind weitergeben.

Und auch Säuglinge könnten durch die Impfung der stillenden Mutter eventuell gegen das Coronavirus geschützt werden: Studien fanden Antikörper in der Muttermilch von geimpften Frauen. Eine weitere kleine Studie konnte die mRNA-Impfstoffe selbst nicht in der Muttermilch nachweisen. Dafür wurde die Muttermilch von sechs Frauen im Zeitraum von vier bis 48 Stunden nach der Impfung untersucht. Den Fachgesellschaften zufolge ist keine Stillpause nach einer Impfung erforderlich.


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