Beikost einführen: Was Sie beachten sollten

Wann das Baby reif für Beikost ist, ist individuell sehr verschieden. Wie Eltern den richtigen Zeitpunkt für den ersten Brei finden

von Anne-Bärbel Köhle, aktualisiert am 17.11.2016

Für Babys eine große Herausforderung: Essen mit dem Löffel


Edith Gätjen kennt sie alle: die Schnell­esser und die Futterverweigerer, die "Ich-nehme-nur-zwei-Löffel-Banane"-Knirpse und die "Gleich-mal-her-mit-den-Nudeln"-Fraktion. "Der Beikoststart ist ungefähr das Individuellste auf der Welt, weil jedes Kind einzigartig ist und seine Vorlieben hat", sagt die Dozentin für Säuglings- und Kinder­ernährung beim Verband Unabhängige Gesundheitsberatung in Gießen. Sie muss es wissen: Sie hat selbst vier Kinder großgezogen und sieht nun ihrer kleinen Enkelin Lotta beim Essenlernen zu. Wann sollte man spätestens mit dem Brei beginnen? Erst Karotten oder Zucchini? Völlig egal. Nur eine einzige Regel gilt: "auf keinen Fall vor der 17. Woche mit der Beikost starten".

Erster Brei: Vor dem Start drei Punkte beachten

In den ersten vier Lebensmonaten muss der Darm des Kindes noch reifen und kann festere Nahrung nicht verdauen. Mit Muttermilch oder Premilch sind Babys in der ersten Zeit also bestens versorgt. Zwar lautet die offizielle Empfehlung, bis zur 26. Woche mit dem ersten Brei zu beginnen. "Aber solche exakten Angaben stressen Eltern nur", sagt Gätjen. Drei Fragen entscheiden darüber, ob die Zeit reif ist:

1. Bin ich selbst schon bereit, das Kind in ein Stück Unabhängigkeit zu entlassen? "Manche stillenden Mütter genießen die innige Zeit mit dem Baby gerade sehr", erklärt Gätjen. Vielleicht hatten Mama und Kind ja einen etwas holprigen Stillstart: "Wenn es dann gerade erst gut läuft, würde ich auf ­jeden Fall mit dem ersten Brei noch ein w­enig warten", rät die Expertin. Entspannend für alle Beteiligten!

2. Ist das Kind gesund und psychisch stabil? "Der erste Brei", sagt Gätjen, "ist für ­Babys ein Riesenthema." Sie müssen lernen, mit der ungewohnten Nahrung fertig zu werden, müssen neue Geschmackseindrücke verarbeiten. Oft hapert es zudem an der nötigen Mund-Motorik. Und die Zunge ist noch nicht beweglich genug. Leidet ein Kleines unter Husten oder Schnupfen, macht man es ihm unnötig schwer. Und: Auch wenn ein Baby gerade wichtige Entwicklungsschritte durchläuft, etwa zu robben beginnt oder ­­einen Zahn bekommt, "ist das Kleine eben momentan mit anderen Dingen beschäftigt. Da kann man nicht auch noch mit Essen ankommen", so Gätjen. Das Gleiche gilt, wenn das Kleine gerade in die Krippe eingewöhnt wird.

3. Haben wir genug Zeit für den Breistart? Dazu brauchen Eltern nämlich vor allem eins: Geduld. "Das Trinken aus der Flasche oder an der Brust läuft über Reflexe", sagt Gätjen. "Essen vom Löffel ist dagegen ein mühsamer Lernprozess." Wenn also demnächst haufenweise Termine anstehen, sollte man den Beikoststart lieber noch ein bisschen hinausschieben.

Beikost: Essen lernen soll Spaß machen

"Der Beikoststart ist ein Lernspiel, an dem alle Freude haben sollten", rät Gätjen. Also folgt erst mal ein Versuch mit ein paar Löffelchen Gemüse. Klappt noch nicht? Kein Problem. Dann probieren es die Eltern eben morgen noch mal – oder in ein paar Tagen. Hauptsache, die Kleinen verlieren nicht den Spaß daran. Denn Lernen, wissen Hirnforscher, funktioniert am besten über positiv besetzte Erfahrungen. Sobald das Baby ­also den Kopf wegdreht und das Essen verweigert, verschwindet der Löffel. "Dann sollten Eltern auch nicht probieren, mit Tricks noch ­etwas zu füttern", rät Gätjen. Verschmähen die Essneulinge den Löffel grundsätzlich, können Väter und Mütter probieren, den Brei mit dem kleinen Finger oder auf einem Brotstück zu füttern. Oder weich gekochte Stückchen anbieten, an denen manche Babys mehr Interesse haben. Ein guter Zeitpunkt für den ersten Brei ist für Gätjen am Vormittag. Da sind die Kleinen in der Regel ausgeruht und haben gute Laune.

Baby sollte nicht satt, aber auch nicht hungrig sein

Absoluter Frustfaktor: wenn man einem hungrigen Winzling erstmals Brei vorsetzt. Knurrt der Magen, hat kein Baby Lust auf Experimente. Mit vollem Magen aber auch nicht. Deshalb müssen Eltern sich heranpirschen: Zwischen zwei Still- oder Flaschenmahlzeiten probieren sie es mit etwas Brei. Da ist das Baby schon ein bisschen hungrig und eher willig, sich auf das Abenteuer einzulassen. Ganz allmählich rückt dann die Breimahlzeit immer weiter in Richtung der Milchmahlzeit, die ersetzt werden soll. Aber das kann dauern: "Nur bei 20 Prozent der Kinder klappt das binnen einer Woche", sagt Gätjen. "60 Prozent der Kinder brauchen vier bis fünf Wochen und 20 Prozent sogar acht bis zehn Wochen." Insgesamt dauert die Umstellung von Milch auf feste Nahrung mindes­tens viereinhalb Monate.

Feste Nahrung: Der perfekte Start

Als Erstes gibt es einen Gemüsebrei, als nächstes einen Kartoffel-Fleisch-Gemüse-Brei, dann ­einen Milch-Getreide-Brei und schließlich einen Obst-Getreide-Brei. Einen genauen Fahrplan für Eltern bietet unsere Übersicht. Nach und nach dürfen die Kleinen dann vom Familientisch probieren: weich gekochte ­Nudeln, etwas Gemüse, ein kleines Stückchen zartes Fleisch. Eben alles, worauf die Kleinen Lust haben und das sie gut schlucken können. Spätestens mit 17 bis 18 Monaten sitzen dann die meis­ten Kinder mit am Tisch. Einen wichtigen und sehr entspannenden Tipp hat Gätjen für Eltern: "Kocht für euch selbst und nicht für die Kinder", sagt sie. Wenn man nämlich liebe- und mühevoll ein gesundes Kinderessen zubereitet hat, das die Kleinen dann schnöde verweigern, ist der Frust groß. "Dann reagieren Eltern beleidigt", sagt Gätjen. Und noch eine Botschaft hat die Ernährungswissenschaftlerin: "Vor einem vollen Teller ist noch nie ein Kind verhungert."


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