Die Wohnung kindersicher machen

Sobald das Baby mobiler wird, steigt die Unfallgefahr rapide. Inke Ruhe, Expertin für Kindersicherheit, erklärt, wie Sie Ihr Zuhause sicherer machen

von Daniela Frank, aktualisiert am 13.07.2016

Vorsicht! Kinder versuchen oft, heiße Töpfe oder Pfannen vom Herd zu ziehen


Frau Ruhe, wann sollten Eltern ihre Wohnung für ihr Baby kindersicher machen?

Das sollte passieren, bevor oder sobald das Baby da ist. So sind die Eltern vorbereitet, wenn das Kind mobiler wird und von einem auf den anderen Moment anfängt, sich zu drehen.

Wie geht man am besten vor?

Es ist sinnvoll, wenn Eltern die Perspektive eines Kindes einnehmen. Sie sollten sich hinknien oder auf den Boden legen, um zu gucken, was dort unten für den Nachwuchs alles spannend sein könnte – zum Beispiel Steckdosen. Dafür gibt es entsprechende Sicherungen. Ganz wichtig ist aber: Die Sicherungen ersetzen nicht die Aufsicht!

Heißt das, bei gesicherter Wohnung müssen Eltern noch genauso aufpassen?

Auf jeden Fall! Eine Steckdose ist kein Spielzeug. Das muss jedes Kind lernen – ein "Nein" versteht schon ein Einjähriges. Denn wenn es bei Bekannten oder Verwandten ist, sind die Steckdosen vielleicht nicht gesichert. Dasselbe gilt natürlich auch für den Herd und andere Gefahrenquellen.

Wie sichern Eltern den Herd am besten?

Es gibt Herdschutzgitter, die Schalter und Platten schützen, sodass das Kind die Töpfe nicht herunterziehen kann. Trotzdem sollten Eltern grundsätzlich die hinteren Kochplatten benutzen und Pfannenstiele und Griffe immer nach hinten drehen.

Kinder stoßen sich oft, weil sie motorisch noch nicht so fit sind. Vor allem Ecken und Kanten sind gefährlich. Was beugt schlimmen Verletzungen vor?

Wichtig ist, die Laufwege freizuräumen, damit das Kind nicht unnötig stolpert und sich beim Stürzen an scharfen und spitzen Kanten verletzt. Die Kanten also am besten entweder wegdrehen oder mit einem Kantenschutz versehen.

Und in der Tür kann sich das Kind leicht die Finger einklemmen?

Genau. Dort verhindert ein Klemmschutz, dass sich das Kleine die Finger quetscht.

Warum sind Balkon und geöffnete Fenster so gefährlich?

Kleine Kinder haben einen anderen Schwerpunkt als Erwachsene. Ihr Kopf ist im Vergleich zum Körper viel schwerer, deshalb kippen sie leichter nach vorne oder hinten um. Sobald sie sich über das Geländer beugen, ist ihr Schwerpunkt schon so weit vorne, dass sie regelrecht mit ihrem Kopf nach unten gezogen werden. Sitzgarnituren oder Blumentöpfe werden von Kindern als Steighilfe benutzt, um besser über das Geländer schauen zu können. Deshalb dürfen Kinder nicht unbeaufsichtigt auf dem Balkon oder in Zimmern mit geöffneten Fenstern bleiben. Auch wenn das Kind schläft, sollten Fenster nicht sperrangelweit offen stehen.

Und wenn das Fenster hoch oben ist?

Ab einem gewissen Alter sind Kinder sehr findig darin, sich Steighilfen zu beschaffen. Sie klettern auch an Möbeln hinauf – zum Beispiel, um sich einen gewünschten Gegenstand zu holen. Deshalb gilt: Süßigkeiten am besten nicht weit oben im Regal positionieren. Das animiert regelrecht zum Hochklettern. Lieber weiter unten oder in einem abschließbaren Fach verstauen.

Muss man Putzmittel auch wegschließen? Und Medikamente?

Ja, Putzmittel und Medikamente gehören in jedem Fall in abgeschlossene Schränke oder müssen für Kinder unzugänglich aufbewahrt werden. Auch Medikamente, die gerade regelmäßig in Gebrauch sind – wie zum Beispiel Nasenspray – nicht herumliegen lassen. Und: Keine giftigen Mittel in Getränkeflaschen umfüllen, Kinder könnten versehentlich daraus trinken!

Wie sichert man Treppen am besten?

Man kann oben und unten an der Treppe Schutzgitter befestigen. Da gibt es für fast jede Treppe das passende. Außerdem sollten Eltern so oft wie möglich mit ihrem Kind das Treppensteigen üben. Am sichersten gelangt es rücklings krabbelnd herunter, nicht stehend. Eltern sollten ihrem Kind viel Zeit zum Üben geben, damit es lernt, die Treppe alleine zu bewältigen.

Was fällt noch auf aus der Froschperspektive, das Kindern gefährlich werden könnte?

Kleinteiliges wie Spielsachen älterer Geschwister sollten aus dem Umfeld des Kindes verschwinden – genau wie giftige Zimmerpflanzen. Auch herunterhängende Kabel, zum Beispiel von Wasserkocher oder Bügeleisen, wirken auf Kinder sehr interessant. Denn sie sehen die Geräte von unten nicht, doch wenn sie benutzt wurden, wippen die Kabel oft nach. Das verleitet das Kind, daran zu ziehen. Schwere Gegenstände und heißes Wasser können Kinder gefährlich verletzen. Ähnliches gilt für Tischdecken. Deshalb am besten auf Tischdecken verzichten, Kabel nicht herunterhängen lassen.

Gibt es Sicherungssysteme, die gefährlich sind?

Ja, zum Beispiel Manschetten, um Schlafsäcke oder Decken an den Gitterstäben des Kinderbettchens zu fixieren, damit das Kind sich nicht frei strampelt. Das Kleine kann unter die Decke geraten und ersticken. Außerdem gibt es Gurte, um Kinder zum Beispiel im Hochstuhl zu sichern, wenn sie darin ständig aufstehen. Solche Gurte können gefährlich werden, wenn sie locker sitzen und das Kind in einem unbeaufsichtigten Moment aus dem Hochstuhl stürzt. Es kann sich im Gurt verfangen und eventuell strangulieren. Deshalb sollten Eltern immer in unmittelbarer Nähe des Kinderstuhls bleiben. Entfernen sie sich, sollten sie das Kind aus dem Hochstuhl nehmen.


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