Das Zimmer fürs Baby einrichten

Möglichst funktional und trotzdem sicher? Profi-Tipps für die optimale Einrichtung des Kinderzimmers und Checklisten für Babys erste Möbel

von Simon Feldmer, aktualisiert am 04.12.2018
Kinderzimmer

Ist das Bett kindersicher? Ein wichtiges Thema beim Einrichten


Malern, Renovieren, Einrichtung kaufen und diese dann auch noch Aufbauen?! Die Wohnung aufzumöbeln kann echt anstrengend sein. Zumindest, bis sich Nachwuchs an­kündigt: Dann werden Babyausstatter und Möbelhäuser auf einmal zu den neuen Lieblingsgeschäften. Kein Wunder, das Angebot für ­Babys erstes Zimmer ist ja auch ziemlich groß.

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Ursula Geismann

Mitwachsende Möbel: Praktisch, aber auch sicher?

Vor allem mitwachsende und multifunktionale Möbel liegen im Trend. Angefangen von massiven Bio-Babybettchen mit fünf­fach höhenverstellbarem Holz­lattenrost und drei herausnehmbaren Schlupfsprossen über multifunktionale Still-, Anbau- und Bei­stellbettchen bis hin zu Kleiderschränkchen mit flexiblen Kleider­stangen, die mit den Armlängen des Nachwuchses mitwachsen. Doch braucht man das alles wirklich?

Praktisch sind viele der ­neuen Baby­zimmer-Features ­durchaus. Wirklich wichtig ist aber erst mal ­etwas anderes: "Eines der beherrschenden Themen bei Baby- und Kinder­möbeln ist die Sicherheit", sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbel­industrie (VDM) in Bad Honnef. Ausstattungsstücke, die alle wichtigen Sicherheitsstandards erfüllen, tragen häufig entsprechende Prüfsiegel und Prüf­zeichen (siehe Kasten).

Die wichtigsten Prüfsiegel

Umweltprüfzeichen und Prüfsiegel sind eine gute Sache – zumindest wenn man weiß, wer sie auf Grundlage welcher Kriterien vergibt und wie diese schließlich überprüft werden. Hier die wichtigsten im Überblick:

Beim "Blauen Engel" stehen Anforderungen zum Gesundheits- und Umweltschutz im Vordergrund. Unter www.blauer-engel.de kann man die Vergabekriterien einsehen und findet eine Liste der ausgezeichneten Produkte.

Das GS-Zeichen (Ge­prüfte Sicherheit) ist auch bei ­Baby- und Kindermöbeln ein verlässlicher Standard, dass Sicherheitsnormen eingehal­ten werden.

Das "Goldene M" der Deutschen Gütergemeinschaft Möbel oder das Prüfzeichen "Produktion überwacht – Sicherheit geprüft" des TÜV Süd bieten Orien­tierung und Sicherheit, auch im Punkt Schadstoffbelastung.

Herr Markus Jahns

Herkunft der Produkte oft schwer nachvollziehbar

Werdende Eltern sollten immer genau hinschauen, ­welcher Anbieter hinter dem jeweiligen Produkt steht. Vor allem im Hinblick auf ­eine mögliche Schadstoffbelas­tung. Markus Jahns vom TÜV Süd in München betont, dass es in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gegeben hat. "Es wird mehr getes­tet und die Lieferkette wird besser überwacht als früher, zudem gibt es europäische Standards", sagt der Diplom-Chemiker. Wirklich sicher können Eltern allerdings nur sein, wenn die tatsäch­liche Herkunft nachvollziehbar ist.

Und daran hapert es oft: Viele Möbelhäuser setzen auf sogenannte Eigenmarken, um sich dem Preiswettbewerb zu entziehen und mit angeblichen und echten Exklu­sivitäten zu punkten. Der eigentliche Hersteller des Produkts ist dann nur schwer nachzuvoll­ziehen – oft auch gar nicht.

"Die fehlende Transparenz bei den Produkten ist im Möbelhandel ein großes Manko", sagt Wolfgang Plehn, der das Fachgebiet "Stoffbezogene Produktfragen" beim Umweltbundesamt in Dessau leitet. Für TÜV-Mann Markus Jahns steht fest: "Man kann als Verbraucher in der Regel nicht alles auf einmal haben: den besten Preis und gleichzeitig auch die höchste Qualität."

Herr Wolfgang Lehn

Auf zeitlosen Stil achten

Genauso wie nicht jedes Möbel-­Schnäppchen aus dem Werbe­pros­pekt am Ende die beste Wahl ist, haben auch die aktuellen Groß­trends multifunktional und mitwachsend ihre Grenzen. Denn bekanntlich ändern sich viele Vorlieben mit den Jahren – sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern.

Bei den Farben boomt aus diesem Grund auch nach wie vor Weiß als Grundton bei Baby- und Kindermöbeln, wie Ursula Geismann betont. "Zwar hält sich auch die ­geschlechterspezifische ­Variante hartnäckig, ­also Rosa für Mädchen und Hellblau für Jungen, doch viele Eltern schätzen heute das Individuelle, die ­eigene Handschrift."

Sind die Möbel weiß, ­kann man mit Tapeten, Teppichen und Acces­soires leichter jederzeit neue Farbakzente setzen und die ­Optik des Baby- oder Kinder­zimmers verändern. Auch Massivholztöne – ein weiterer Trend – und Weiß ­lassen sich gut kombinieren. "Zudem wandert der Retrotrend aus anderen Wohnwelten ins Baby- und Kinderzimmer", erklärt Expertin Ursula Geismann.

Einrichtung sollte kindersicher sein

Ein paar Sicherheitsaspekte sollten ­Eltern bei der Einrichtung bedenken:

  • Wickelkom­mode möglichst in ­einer Ecke einplanen - die Gefahr, dass das Baby beim Wickeln herunterfällt, wird oft unterschätzt
  • So wenige offene Seiten an der Kommode wie möglich lassen
  • Im Bettchen auf Verzierungen, Schnüre, Schnullerketten, Kissen und Decken verzichten
  • Babys schlafen am sichersten mit Schlafsack
  • Wenn ein Geschwisterkind mit im Zimmer wohnt: Unbedingt darauf achten, dass Kleinteile und Spielsachen sicher verstaut sind

Schadstoffe meiden

Babys nehmen vieles in den Mund. Daher sind auch Schadstoffe in den Materia­lien ein Thema, Güte­siegel bieten Orientierung. Und: Beim Kauf auf die eigenen Sinne vertrauen! Riecht etwas komisch? Ist etwas sehr spitz oder weich? Dann lieber darauf verzichten. Um dem ­Baby etwa Formaldehyd-Ausdüns­tungen von Möbeln zu ersparen, sollten Eltern sie frühzeitig anschaffen und gut lüften, bis das Kleine da ist.

Geduld sollten Eltern haben, wenn sie das ­Zimmer fürs Baby frisch ­streichen oder mit neuem Boden ver­sehen wollen. Wissenschaftler raten eher davon ab, während der Schwangerschaft und solange der Nachwuchs noch ein Säugling ist, zu renovieren.

Der Grund: Leichtflüchtige organische Verbindungen, also ­winzige chemische Partikel, die etwa in ­frischen Farben, Hölzern und Klebern stecken, können ausdünsten. In der Vergangenheit zeigten ­Studien, dass besonders Schwangere, aber auch Babys und Kleinkinder durch die Ausdünstungen im Wohnbereich gefährdet sind.

Vor allem neue Fußböden belasteten die Luft. "Besonders bei Schwan­geren und kleinen Babys sind die Empfindlichkeiten einfach höher", sagt Wolfgang Plehn. Eltern sollten also mit der ganz großen Renovierung lieber etwas warten – und das neu eingerichtete Zimmer ein bis zwei Wochen gut durchlüften, bevor der Nachwuchs einzieht.

Ideen für kleine Räume

8 Quadratmeter, ein Kind: Generell gilt: So planen, dass später ohne großen Aufwand Änderungen möglich sind, zum Beispiel wenn ein ­größeres Bett nötig ist. Das Babybett kann zudem ruhig in ­einer dunkleren Ecke stehen. Optisch größer wirken kleine Räume durch niedrige Möbel unterhalb der Augenhöhe (unter 80 Zentimeter). Am besten möglichst schlicht und in den gleichen Farb-/Holztönen halten. Stauraum schaffen doppelt nutzbare Möbel, zum  Beispiel eine Stauraumbank, auf der man auch sitzen kann, oder eine Kommode mit Wickelaufsatz. Praktisch auch: ein Bord über der Tür mit gleichfarbigen Boxen.

Geschlossene Aufbewahrung bringt optische Ruhe. Ein bewusst gewählter Highlight-Bereich (zum Beispiel eine Wand) kann die Blicke von unschönen Ecken ablenken. Hier kann man Bilder oder einen Spiegel anbringen. Bei Spiegeln darauf achten, dass die Kinder nachts nicht geblendet werden oder sich im Dunkeln vor ihrer eigenen Bewegung erschrecken. Für die Wände nicht zu kräftige Farben wählen.

15 Quadratmeter, zwei Kinder: Wichtig bei der Planung: Die Kleinen sollten sich nachts nicht gegenseitig stören. Eine schwache Lichtquelle (Nachtlicht) im Raum ermöglicht es Eltern, zum Baby zu gehen, ­ohne automatisch das ältere Kind zu wecken. Die ­­Betten nicht direkt nebeneinanderstellen. Schrank oder Kommode können für beide Kinder genutzt werden. Im Spielbereich sollte man eine Trennung ermöglichen. Jedes Kind braucht einen Platz für seine Kuscheltiere und einen, an den es sich zurückziehen kann. Die Bereiche lassen sich gut mit lichtdurchlässigem Stoff abtrennen. Auch durch Wand­farben oder grafische Gestaltungen, verschiedenfarbige Nachtleuchten, Kissen, Bettwäsche oder Möbelknöpfe kann man deutlich machen, wo jedes Kind seinen Bereich hat.

Raumteiler oder Trennwände wirken dagegen wuchtig und nehmen dem Raum Licht. Eine Überlegung wert: Kann eventuell der Kleiderschrank oder die Wickelkommode aus dem Kinderzimmer ausgelagert werden? Ist es möglich, dass das Spielen zum Teil in anderen Räumen stattfindet, um auch bei Streit ausweichen zu können? Ein Spiel-/Maltisch im Wohnzimmer kann viel helfen. Ein Spielteppich eignet sich als Treffpunkt in der ­Mitte des Kinderzimmers.


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