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Anhänger oder Kindersitz fürs Fahrrad?

Wie lässt sich das Kind am besten auf dem Fahrrad mitnehmen – im geräumigen Anhänger oder besser auf dem rasch einsetzbaren Kindersitz?

von Simon Feldmer, Madlen Ottenschläger, aktualisiert am 29.09.2016
Mobil mit Kind

Ob Fahrradanhänger oder -sitz: Beide haben Stärken und Schwächen


Das Kind auf dem Fahrrad mitnehmen – für viele Eltern bedeutet das einen großen Gewinn an Mobilität. Allerdings braucht es dafür ein wenig Geduld. Andreas Bergmeier vom Deutschen Verkehrs­sicherheitsrat in Bonn (DVR) weist darauf hin, dass Eltern oft zu früh der Versuchung erliegen, ­ihre Kinder auf dem Rad mitzunehmen. "Das ist verständlich, weil es praktisch ist. Kinder gehören aber erst in den Kindersitz oder in den Anhänger, wenn sie selbstständig und stabil sitzen können", sagt der DVR-Experte.

Wer den Anhänger doch früher nutzen möchte, kann ihn mit speziellen Hängematten umrüsten. Ein gesetzliches Mindestalter gibt es nicht. "Aber auch hier ist das Gespür der ­Eltern gefragt. Sie können ­ihre Kinder selbst am bes­ten einschätzen", sagt Bergmeier.

Fahrradsitz oder Anhänger? Vor- und Nachteile

Doch was ist überhaupt besser, ein Sitz oder ein Anhänger? Fakt ist: ­Beide Sys­teme­ haben Schwächen. Und Stärken! Bei Familien, die gern längere Strecken fahren oder das Rad als Autoersatz nutzen, punktet der Anhänger. Er schützt die Kinder vor Wind, Wetter und Insekten, die Kleinen können während der Fahrt bequem schlafen, und für Einkäufe, Picknickdecke und Co. gibt es ­einen Stauraum. Beim Sitz ist selbst ein kleiner Rucksack problematisch.

Andreas Bergmeier

Weitere Vorteile: Ein Anhänger wird mit wenigen Handgriffen zum Buggy; am Zielort angekommen, kann das Kleinkind also weiterschlafen, Babys werden geschoben. Und während im Fahrradsitz nur ein Kind Platz hat, passen in den Wagen – je nach Modell – bis zu zwei Kinder; Säuglinge dank spezieller Babyschalen sogar schon ab dem ersten Lebensmonat. Toll für Geschwister und beste Freunde!

Die Minuspunkte: Im Vergleich zu einem Sitz sind Fahrradanhänger extrem teuer, groß und schwer. Größe und Gewicht werden beim Rangieren und Bremsen zum Nachteil, und Mama oder Papa müssen kräftiger in die Pedale treten.

Zudem ist die Handhabung nicht so einfach und bequem wie bei einem Sitz, der am Fahrrad bleibt. Der Wagen muss vor der Fahrt angekuppelt werden; das geht zwar fix, sofort losfahren kann man trotzdem nicht. Vor dem Kauf sollte auch geklärt werden, wo der Anhänger stehen kann.

Kindersitz fürs Fahrrad: Gewichtsgrenzen beachten

Eltern, die einen Fahrradsitz wählen, sollten ein Produkt erwerben, dass entsprechend der Norm EN 14344 geprüft und gekennzeichnet worden ist. Die Norm legt Anforderungen an Kindersitze für Fahrräder fest, die für die Beförderung von Kindern mit einem Gewicht von 9 kg bis zu 22 kg (ungefähr 9 Monate bis 5 Jahre alt) geeignet sind.

Heidi Atzler

Berg­meier empfiehlt Kindersitze, die statt am Gepäckträger am Fahrradrahmen montiert werden können. "Es kommt schnell ­einiges an Gewicht zusammen. Dafür sind nicht alle Gepäckträger ausgelegt", sagt der Ex­perte. Am besten lassen sich Eltern im Fachgeschäft beraten, auch um sicherzugehen, dass das Elternfahrrad stabil genug ist. Zentrale Regel beim Sitz: Er muss zur Größe und zum Gewicht des Kindes passen!

Auf Sicherheits-Extras achten

Der TÜV Süd rät zudem, beim Kauf eines Fahrrad-Kindersitzes auf folgende wichtige Bestandteile zu achten: Gurt oder Bügel, mit dem das Kind im Sitz gesichert wird – empfehlenswert sind Hosen­trägergurte im Sitz. Die Fußstützen sollten in der Länge verstellbar und stabil sein und An­schnaller für die Füße haben, damit die Kleinen mit ­ihren Zehen nicht in die Speichen geraten können. Ein zusätzlicher Speichenschutz am Fahrrad sichert doppelt ab. Seitenwangen und Kopfstützen stabilisieren das Kind im Sitz. Eine gute Polsterung sowie eine verstellbare Rückenlehne sind zu empfehlen.

Inke Ruhe

Eine Abdeckung für die Sattel­federn verhindert, dass das Kind sich seine Finger einquetscht, wenn der Kindersitz hinten angebracht ist. Und dazu rät TÜV-Süd-Sprecherin Heidi Atzler: "Generell sitzen die Kleinen im Sitz ­hinter dem Fahrer sicherer als ­vorne." Sitzschalen am Lenker verfügen oft nicht über die notwen­digen Rücken- und Kopfstützen.

Zudem ist das Fahren mit Gewicht am Lenker vorne ungewohnter und schwieriger. Wenn Eltern ihr Kind lieber im Blick haben, ist aber auch der Transport vorne am Lenker erlaubt. Inke Ruhe, stellvertretende Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V. in Bonn, sagt dazu: "Emotional ist das nachvollziehbar, aber aus Sicherheitsgründen nicht zu empfehlen."

Was ist sicherer: Fahrradsitz oder Anhänger?

Und wie steht es um die Sicher­heit von Anhänger und Kindersitz? Manche wenden ein, dass ­Autos ­einen Anhänger übersehen können – ein Argument, das Inke Ruhe häufig hört. Für sie spricht dennoch nichts gegen Fahrrad­­anhänger. "Der Abstand zwischen Fahrrad und Hänger ist sehr kurz, und eine Stangenfahne kann als zusätzliche Sicherung angebracht werden." ­­Eltern von zwei kleinen Kindern hätten zudem fast ­keine Wahl. Ob Anhänger oder Sitz – ers­tes Prinzip müsse sein, dass Kind immer anzuschnallen und nie zu schnell unterwegs zu sein.

Auch DVR-Experte Berg­meier warnt vor dem hohen Risiko, dem man Kinder aussetzt, wenn man sie unangeschnallt mitnimmt. "Schon bei leichten Bremsmanövern werden sie regelrecht aus dem Anhänger oder vom Sitz katapultiert." Noch mehr Vorsicht ist bei schlafenden Kindern auf dem Sitz oder im Hänger geboten. "Wenn es irgendwie geht, sollten Eltern es eher vermeiden, mit einem schlafenden Kind zu fahren, da es sich bei ruckartigen Bewegungen leicht an Kopf und Nacken verletzen kann", so Bergmeier. Auch lange Touren auf dem Rad eignen sich mit kleinen Kindern nicht. "Egal ob auf dem Sitz oder im Anhänger: Eltern sollten nicht vergessen, dass sie ohne besondere Federung durch die Gegend fahren", sagt Andreas Bergmeier.

Tests, beispielsweise des ADAC, zeigen immer wieder, dass beide Systeme­ insgesamt sicher sind. Mit einem Unterschied: der Stand. Dort schneiden Fahrradanhänger deutlich besser ab; das Umfallen des Rades im Stand ist bei Fahrradsitzen Unfallrisiko­ Nummer eins. Wichtig deshalb: den Kindern den Helm stets vor dem Hineinheben anziehen.


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