Augenkrankheiten bei Kindern – ein Überblick

Sie tränen, jucken und brennen: Entzündete Augen treten bei kleinen Kindern gar nicht so selten auf. Wann reicht es abzuwarten? Und wann muss das Kind zum Arzt?
von Peggy Elfmann, aktualisiert am 04.12.2017

Sind die Augen gerötet oder angeschwollen, sollte ein Augenarzt zu Rate gezogen werden

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Kleine Kinder reagieren empfindlich auf ihre Umwelt und häufig zeigt sich das an den Augen: Sie röten sich oder die Lider schwellen an. Auch Bakterien können den Augen zusetzen. "Bei Beschwerden sollten Eltern mit dem Nachwuchs immer zum Augenarzt gehen", rät daher Augenärztin Dr. Dietlind Friedrich aus Kelkheim.

Dr. med. Monika Niehaus ist Kinder- und Jugendärztin und als medizinische Leitung im Kinderarzthaus Zürich tätig

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Verstopfter Tränenkanal

Bei vielen Säuglingen ist der Tränennasengang häufig noch nicht vollständig geöffnet. Die Tränenflüssigkeit kann nicht in die Nase abfließen, sammelt sich im Auge. Es wird wässrig und kann verkleben. "In den meisten Fällen tritt ein verstopfter Tränenkanal nur bei einem Auge auf", sagt Dr. Monika Niehaus, die als Kinder- und Jugendärztindas Kinderarzthaus in Zürich leitet.

Das hilft: Tränt das Auge lediglich leicht, müssen Eltern mit ihrem Baby nicht sofort zum Arzt. Die Tränengänge weiten sich in den ersten Monaten von allein. "Eltern können den Tränensack mit leichten Druckbewegungen massieren", rät Augenärztin Friedrich. Das weitet den Tränenkanal. Um das Auge zu reinigen, verwendet man einen warmen Waschlappen und säubert damit die Lider.

Das sollten Sie beachten: "Tränt das Auge des Babys sehr stark oder schmerzt es, sollten Eltern das vom Augenarzt abklären lassen", rät Privatdozentin Dr. Friedrich.

Privatdozentin Dr. med. Dietlind Friedrich ist Augenärztin in Kelkheim und leitet das Ressort Strabologie und Neuroophthalmologie des Berufsverbandes der Augenärzte

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Lidrandentzündung

Reize wie Staub, Rauch oder Fremdkörper, aber auch Bakterien wie Streptokokken können zu einer Lidrandentzündung führen. Bei Kindern mit Neurodermitis entzündet sich leicht die trockene, schuppende Haut. Es fließt vermehrt Sekret, das sich an den Lidrändern festsetzt. Sie werden rot, schmerzen und schwellen an. Gelbe Krusten oder Eiterpünktchen deuten auf eine bakterielle Entzündung hin.

Das hilft: Wenn sich die Lidrandentzündung nicht innerhalb von zwei Tagen bessert, sollte man zum Augenarzt. Bei einer bakteriellen Lidrandentzündung können antibiotische Tropfen notwendig sein. "Reinigung mit einem warmen Waschlappen und gute Hygiene helfen", sagt Augenärztin Friedrich.

Das sollten Sie beachten: Einem Kind, das an Neurodermitis leidet, sollten Eltern regelmäßig fetthaltige Augensalbe mit Dexpanthenol auftragen und den Krankheitsverlauf vom Arzt kontrollieren lassen.

Mit den richtigen Handgriffen ist Augentropfen geben kein Problem

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Gersten- oder Hagelkorn

Sind die Talg- und Fettdrüsen am Lidrand entzündet oder verstopft, sammelt sich Sekret oder Eiter innen oder außen am Lid, das sich leicht rötet und anschwillt. Für ein Gerstenkorn sind meist Bakterien verantwortlich. Das Auge schmerzt, manchmal juckt es. Ein Hagelkorn, das eher in der Mitte des Lides entsteht, macht meist kaum Beschwerden. Bei Kindern kommt es selten vor.

Das hilft: "Wärme", empfiehlt Dietlind Friedrich. Wenn Eltern einen warmen Waschlappen oder eine warme Kompresse (z. B. Gelkissen) auf das Auge legen, weiten sich die Ausführungsgänge der Drüsen. Das Sekret verflüssigt sich und fließt ab. Auch Rotlicht kann dabei hilfreich sein. Bei Schmerzen oder zunehmender Rötung sollte das Kind zum Augenarzt. Er kann eine antibiotische Salbe verschreiben, falls dies notwendig ist.

Das sollten Sie beachten: "Man darf das Gerstenkorn auf keinen Fall selbst ausdrücken", warnt Kinderärztin Niehaus. Sonst gelangen die Bakterien in das umliegende Gewebe, die Entzündung breitet sich aus. Das Korn bleibt nur harmlos, wenn es von selbst aufbrechen kann. Das dauert einige Tage.

Augenreizung durch Allergie

Ab dem Kindergartenalter kann auch eine Allergie Augenbeschwerden hervorrufen. Etwa ein Drittel der betroffenen Kinder reagiert auf bestimmte Allergene mit roten, tränenden Augen. Typische Anzeichen sind auch: Das Auge juckt, brennt und es fließt ein klares Sekret. Dazu läuft die Nase und das Kind niest oft.

Das hilft: Hier kann der Arzt antiallergische Tropfen oder Tabletten verschreiben. Ein Allergietest kann klären, welche Allergene die Auslöser sind. "Ist tatsächlich Heuschnupfen die Ursache, sollte das Kind nicht bei offenem Fenster schlafen", rät Monika Niehaus. Ihr Tipp: Die Kleinen sollten abends duschen und die Haare waschen. Das verhindert, dass Allergene nachts auf die Augen wirken.

Das sollten Sie beachten: "Auch wenn das Auge noch so sehr juckt, sollten die Kinder nicht daran reiben", sagt Ärztin Niehaus. Denn das reizt die Schleimhaut noch zusätzlich und verstärkt die Rötung.

Bindehautentzündung

Eine Bindehautentzündung kann entweder durch Bakterien, Viren oder äußere Ursachen wie Wind oder Fremdkörper hervorgerufen werden. Bei einer Infektion strömt vermehrt Blut in die Gefäße der dünnen, eigentlich durchsichtigen Bindehaut. Die Folge: Das Auge rötet sich, schwillt an, brennt und juckt. Bei einer bakteriellen Bindehautentzündung tritt eitriges, gelbes Sekret aus und die Augen verkleben häufig über Nacht. Bei einer viral bedingten Entzündung ist dagegen das Sekret wässrig.

Das hilft: Eitert das Auge oder ist es stark entzündet, sollten Eltern mit ihrem Kind möglichst noch am selben Tag zum Augenarzt. Er kann das Auge untersuchen und die Ursache abklären. "Eine virale Bindehautentzündung verschwindet innerhalb von einer Woche von alleine", erklärt Dietlind Friedrich. Antibiotika sind nicht notwendig. Handelt es sich dagegen um eine bakterielle Bindehautentzündung, verschreibt der Arzt eine antibiotische Salbe oder Tropfen. Zudem sollten Eltern die Lider mit einem lauwarmen Lappen reinigen. Nach zwei Tagen zeigt sich meist eine Besserung.

Das sollten Sie beachten: Eine Bindehautentzündung ist sehr ansteckend. "Damit keine Krankheitserreger vom einen ins andere Auge übertragen werden, sollte man für jedes Auge einen frischen Lappen benutzen", rät Monika Niehaus. Der Nachwuchs sollte mindestens zwei Tage nicht in den Kindergarten gehen.


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